Diplomatischer Drahtseilakt
Eklat beim G20-Treffen: Amerikaner laden russischen Finanzminister ein
In den USA wird klar, was für ein Balanceakt das transatlantische Verhältnis mittlerweile ist. Mehreren Reportern wird der Zugang verwehrt – willkommen hingegen ist der russische Finanzminister. Dessen deutscher Kollege Lars Klingbeil reagiert deutlich.
Zum ersten Mal seit Ausbruch des Krieges sitzt ein Russe am G20-Tisch: Anton Siluanow (2.v.l.), russischer Finanzminister Foto: Bernd von Jutrczenka/dpa
Eigentlich kennt er den Gastgeber verhältnismäßig gut: Als Lars Klingbeil am Montag auf Scott Bessent trifft, kann der deutsche Finanzminister von sich behaupten, einer der wenigen Kollegen des US-Politikers zu sein, der eine persönliche Beziehung zu dem Mitglied des Kabinetts von Präsident Donald Trump aufgebaut hat. Die beiden kennen sich, verfügen über die jeweils andere Handynummer und nutzen diese auch. Bessent empfing Klingbeil im vergangenen Sommer in seinem Ministerium in Washington, die beiden reden häufig bei internationalen Gipfeln unter vier Augen. Das ist im Vergleich zu anderen deutschen Ministern und ihren amerikanischen Amtskollegen schon recht viel.
Und doch ist das Treffen der 20 führenden Industrie- und Schwellenländer (G20-Gruppe) in Asheville im Bundesstaat North Carolina für den deutschen SPD-Vizekanzler kein Wohlfühltermin. Vielmehr kommt es ziemlich schnell zu einem diplomatischen Drahtseilakt.