Ein Überblick

Dunkler Rauch über dem Mittleren Osten – Israel und USA greifen den Iran an

Lange wurde spekuliert. In der Nacht von Freitag auf Samstag passierte es dann: Israel und die USA starteten gemeinsame Luftangriffe gegen den Iran. Ayatollah Ali Chamenei wurde getötet. Der Iran reagierte mit Raketenangriffen auf Israel und US-Militärstützpunkte in der Region. Ein Überblick.

Rauchwolken über der Skyline von Teheran am Sonntag, 1. März, Luftverschmutzung und Smog in der iranischen Hauptstadt

Rauchwolken über Teheran am Sonntag 1. März Foto: AFP/Atta Kenare

Als Erster hatte der israelische Verteidigungsminister Israel Katz am Samstagmorgen offiziell den Beginn eines „Präventivschlags“ gegen den Iran bekannt gegeben. Ziel des Einsatzes sei es, das „iranische terroristische Regime“ umfassend zu schwächen und „existenzielle Bedrohungen für den Staat Israel“ auszuschalten. Israels Armee sprach von Angriffen auf „dutzende militärische Ziele“.

Kurz nach Katz verkündete auch US-Präsident Donald Trump, dass die USA „große Kampfeinsätze“ gestartet hätten. Ziel sei es, „unmittelbare Bedrohungen durch das iranische Regime“ auszuschalten. Trump verwies auf das iranische Atomprogramm, das iranische Raketenprogramm und die iranische Marine. „Dieses terroristische Regime darf nie eine Atomwaffe besitzen“, sagte er. Zugleich rief er alle iranischen Soldaten und Sicherheitskräfte auf, sich zu ergeben und ihre Waffen niederzulegen.

Der iranischen Bevölkerung stellte Trump „Freiheit“ in Aussicht – und rief die Menschen auf, die Regierung in Teheran zu stürzen. „Wenn wir fertig sind, übernehmt eure Regierung“, sagte der US-Präsident.

Ein „völlig anderes Ausmaß“ als 2025

Die Angriffe auf den Iran sind nach Angaben des israelischen Militärs die „größten“ in der Geschichte seiner Luftwaffe. Rund 200 Kampfjets hätten seit dem Morgen an dem „umfangreichen Angriff auf das Raketenarsenal und die Verteidigungssysteme des iranischen Terrorregimes im Westen und im Zentrum Irans“ teilgenommen, erklärte die Armee am Samstag. Die Kampfflugzeuge hätten „etwa 500 Ziele“ angegriffen, „darunter Luftverteidigungssysteme und Raketenwerfer“.

Es handle sich um ein „völlig anderes Ausmaß“ als die Angriffe von 2025, erklärte Generalstabschef Ejal Samir. Israel habe die Entwicklungen im Iran seit Juni 2025 beobachtet, als Israel und die USA Angriffe gegen iranische Atomanlagen und gegen das iranische Raketenprogramm gerichtet hatten. Trotz der erheblichen Schäden, die der Iran dabei erlitten habe, habe „das radikale iranische Terrorregime seine Vision und seine feindseligen Absichten, seinen Plan zur Zerstörung Israels voranzutreiben, nicht aufgegeben“, sagte der General. Der Iran habe seine Produktion ballistischer Raketen „wieder aufgenommen und beschleunigt“ und seine Forschung im Bereich der Atomwaffen fortgesetzt.

Rauchwolken über der Skyline von Teheran am Samstag, Luftverschmutzung und Umwelteinfluss sichtbar

Rauchwolken über Teheran am Samstag Foto: AFP/Atta Kenare

Die USA und Israel hatten den Iran bereits im vergangenen Jahr angegriffen. Damals flog zunächst Israel Luftangriffe auf den Iran, später bombardierten die USA drei wichtige iranische Atomanlagen. Nach zwölf Tagen endeten die Angriffe.

In den letzten paar Wochen hatten sich die Spannungen mit dem Iran, vor allem seit der blutigen Niederschlagung der Proteste im Januar, erneut massiv verstärkt. Trump hatte Teheran eine Frist bis Anfang März gesetzt, um sich mit Washington auf ein neues Abkommen zum Atom- und Raketenprogramm zu einigen. Doch während Teheran die Gespräche auf sein Atomprogramm und die gegen den Iran verhängten Sanktionen beschränken wollte, verlangte Washington, auch das Raketenprogramm und die Unterstützung Teherans für Milizen im Nahen Osten wie die Hamas und die Hisbollah einzubeziehen.

„Epischer Zorn“ und „Brüllender Löwe“

Mit einem neuen Militäreinsatz drohte Trump bereits seit Wochen. Um den Druck zu erhöhen, hatten die USA ihre Militärpräsenz bereits deutlich verstärkt und zwei Flugzeugträger sowie Kriegsschiffe in die Region verlegt.

Nach dem „Mitternachts-Hammer“ von Juni kam dann nun der „Epische Zorn“, wie die USA ihren aktuellen Militärangriff gegen den Iran nennt. Israel seinerseits nennt den neuen Einsatz: „Brüllender Löwe“.

In Teheran und anderen iranischen Städten sind seit Samstagmorgen Explosionen zu hören. Das Land sperrte seinen Luftraum und schaltete das Internet ab. Über dem Stadtzentrum von Teheran stieg Rauch auf. Der iranische Rote Halbmond gab die Zahl der Todesopfer im Iran am Samstag mit 200 an. Allein bei einem israelischen Angriff auf eine Mädchenschule soll es laut iranischen Behördenangaben mehr als 100 Todesopfer gegeben haben.

Ali Chamenei ist tot

Später am Samstag verkündete US-Präsident Trump in seinem Onlinedienst Truth Social: Ayatollah Ali Chamenei, „einer der bösesten Menschen in der Geschichte“, sei tot. Am Sonntagmorgen bestätigte das iranische Staatsfernsehen den Tod des 86-Jährigen und verkündete eine 40-tägige Staatstrauer. Getötet wurde Chamenei durch eine gewaltige US-israelische Angriffswelle, die seine Residenz in Teheran in Schutt und Asche legte.

Als geistliches Oberhaupt des Iran hatte Chamenei mehr als drei Jahrzehnte lang die Geschicke der Islamischen Republik gelenkt. Den Posten übernommen hatte er 1989 nach dem Tod von Republikgründer Ayatollah Ruhollah Khomeini. Seither überstand er mehrere Krisen wie einen Studentenaufstand 1999, Massenproteste wegen einer umstrittenen Präsidentenwahl 2009, niedergeschlagene Demonstrationen 2019 und die landesweiten Proteste nach dem Tod der Kurdin Mahsa Amini 2022.

Menschen trauern in Teheran bei Gedenkfeier für Ayatollah Ali Chamenei, Trauer und Anteilnahme in Iran

Menschen trauern in Teheran um Ayatollah Ali Chamenei Foto: AFP/Atta Kenare

Demonstrierende iranische Gemeinschaft protestiert gegen USA- und Israel-Angriffe auf den Iran, politische Kundgebung draußen

Mitglieder der iranischen Gemeinschaft lobten den Angriff von USA und Israel gegen den Iran Foto: AFP/Apu Gomes

Auf Bildern, die im Iran in den Ämtern hingen, konnte Chamenei mit seinem sanften Lächeln neben dem stechenden Blick Khomeinis wie ein gütiger Großvater erscheinen. Doch der Ayatollah mit dem schwarzen Turban und dem weißen Bart vertrat ein streng konservatives Weltbild, das er mit aller Härte durchsetzte. Die Öffnung des politischen Systems lehnte er ebenso ab wie jede Lockerung der strengen Kleiderregeln oder der scharfen Zensurmaßnahmen. Allein im Januar sollen nach Angaben der Menschenrechtsorganisation Hrana mehr als 7.000 Menschen im Zusammenhang mit den Protesten getötet worden sein.

Vor allem aber widersetzte er sich einer Annäherung an die USA, denen er zutiefst misstraute: Chamenei war nicht bereit, ihre Unterstützung für das autoritäre Schah-Regime zu vergessen, ebenso wie die US-Schützenhilfe für den irakischen Machthaber Saddam Hussein im Iran-Irak-Krieg zwischen 1980 und 1988. Die feindselige Politik mehrerer US-Präsidenten bis hin zu Donald Trump bestätigte sein Misstrauen gegenüber dem „Großen Satan“ nur. Jahrelang unterstützte Chamenei mit seinem konfrontativen Kurs gegenüber den USA und Israel Milizen wie die libanesische Hisbollah oder die palästinensische Hamas.

Donald Trump soll bei den Angriffen von 2025, nach Angaben eines US-Regierungsvertreters, noch Einspruch gegen einen israelischen Plan eingelegt haben, Irans geistliches Oberhaupt direkt zu töten. Dieses Mal war es aber offensichtlich anders.

Freude und Trauer um den Tod von Chamenei

Nach dem Tod des geistlichen Oberhaupts des Iran, Ali Chamenei, haben sich am Sonntag tausende Menschen zu seinen Ehren in Teheran versammelt. Die größtenteils schwarz gekleideten Teilnehmer der Kundgebung skandierten „Tod den Vereinigten Staaten“ und „Tod Israel“. Viele von ihnen schwenkten iranische Flaggen und hielten Fotos von Chamenei hoch.

Bei anderen löste die Nachricht seines Todes Freude aus: Zahlreiche Menschen gingen spontan auf die Straße, spielten Musik ab und klatschten, wie auf Videos zu sehen war, die im Onlinedienst Telegram verbreitet wurden. Autofahrer hupten als Zeichen ihrer Freude. In der iranischen Hauptstadt Teheran standen Menschen an den Fenstern ihrer Wohnungen und applaudierten.

Der Sohn des letzten iranischen Schahs, Reza Pahlavi, der in den USA lebt, sieht die Islamische Republik nach dem Tod ihres geistlichen Oberhaupts Ali Chamenei am Ende. „Mit seinem Tod ist die Islamische Republik faktisch zu Ende gegangen und wird bald im Mülleimer der Geschichte landen“, schrieb der Exil-Oppositionelle am Samstag im Onlinedienst X. Er forderte die iranischen Sicherheitskräfte auf, sich an einem Übergang in dem Land zu beteiligen.

Bei den Vertretern des Regimes war jedoch kein Einlenken erkennbar: Präsident Massud Peseschkian nannte die Tötung Chameneis am Sonntag eine „Kriegserklärung gegen Muslime“ und die Revolutionsgarden schworen „Rache“ und eine „Bestrafung der Mörder“ von Chamenei.

Ein neues, vorübergehendes Führungsgremium der Islamischen Republik ist bereits ernannt: Ihm gehören neben Ayatollah Aliresa Arafi, Mitglied im Wächterrat, Präsident Peseschkian und Justizchef Gholamhossein Mohseni Edschei an.

Emirate melden hunderte Angriffe

Gleichzeitig reagierte der Iran mit Gegenangriffen auf Israel und US-Militärstützpunkte in verschiedenen Staaten der Region. Am Samstag und am Sonntag sind so mehrere Städte in der Golfregion von Explosionen erschüttert worden. Über der katarischen Hauptstadt Doha stieg dichter schwarzer Rauch auf. Auch in Dubai und in Bahrains Hauptstadt Manama waren an beiden Tagen Detonationen zu hören.

Die Behörden in den Emiraten meldeten drei Todesopfer und 58 Verletzte. In Dubai wurde das Luxushotel Burdsch Al Arab durch Trümmer einer abgeschossenen iranischen Drohne beschädigt. Bei einer Explosion unbekannter Ursache auf der künstlich angelegten Insel The Palm in Dubai waren zuvor vier Menschen bei einem „Zwischenfall“ am Flughafen verletzt worden. In Kuwait starb nach Behördenangaben mindestens ein Mensch, 32 weitere seien verletzt worden.

Das Verteidigungsministerium in Abu Dhabi teilte mit, die meisten der 137 Raketen und 209 Drohnen, mit denen der Iran die Emirate angegriffen habe, seien zerstört oder abgefangen worden. Die Hauptstadt der Vereinigten Arabischen Emirate, die auch einen US-Stützpunkt beherbergt, wurde wiederholt durch Explosionen erschüttert.

Yacht segelt am Hafen von Jebel Ali vorbei, Rauchwolke nach iranischem Angriff in Dubai steigt auf

Eine Jacht kreuzt vor einer Rauchwolke, die nach einem iranischen Angriff in Dubai aus dem Hafen von Jebel Ali aufsteigt. Foto: AFP/Fadel Senna

Autofahrer fahren an Rauchwolke nach iranischem Angriff im Industriegebiet von Doha, Nahost-Konflikt, Luftangriff, Gefahr

Autos fahren an einer Rauchwolke vorbei, die nach einem iranischen Angriff im Industriegebiet von Doha aufsteigt Foto: AFP/ Mahmud Hams

Israelische Sicherheitskräfte untersuchen Einschlagsstelle eines iranischen Raketenangriffs in Tel Aviv bei Nacht

Israelische Sicherheitskräfte inspizieren den Ort eines iranischen Raketenangriffs in Tel Aviv Foto: AFP/John Wessels

„Vor wenigen Minuten haben Piloten der Luftstreitkräfte der Islamischen Republik Iran in mehreren Operationsphasen erfolgreich US-Stützpunkte in den Ländern am Persischen Golf und in der Region Kurdistan im Irak bombardiert“, erklärte die iranische Armee am Sonntag im Staatsfernsehen.

Staatsmedien im Oman berichteten zudem von zwei Drohnen, die einen Hafen ins Visier genommen hätten. Ein Arbeiter sei verletzt worden. Die US-Botschaft im Oman rief Mitarbeiter und US-Bürger am Sonntag dazu auf, sich angesichts der aktuellen Lage in Sicherheit zu bringen.

Trump droht mit „noch nie dagewesener Härte“

In Israel wurde landesweiter Alarm ausgelöst und der Luftraum gesperrt. Die Menschen wurden aufgefordert, Schutzräume aufzusuchen und vorerst dort zu bleiben. Im Zentrum und im Norden Israels heulten immer wieder die Sirenen. Die Stadtverwaltung von Jerusalem schloss Schulen und Arbeitsstätten bis Montagabend. Vielerorts waren Explosionen zu hören. Den Detonationen gingen Alarmsirenen und eine Warnung der israelischen Armee voraus. Explosionen waren außerdem im besetzten Westjordanland zu hören. Mehrere Raketen wurden über Ramallah abgefangen. Fast ein Dutzend Opfer sind zu beklagen.

Gekämpft wird auch mit Informationen: Im Laufe des Sonntags hatten die iranischen Revolutionsgarden erklärt, der US-Flugzeugträger ‚USS Abraham Lincoln‘ sei „von vier ballistischen Raketen getroffen worden. (...) Land und Meer werden mehr und mehr zum Friedhof der terroristischen Aggressoren.“ Das US-Kommando für den Nahen Osten (Centcom) erklärte jedoch kurz darauf, dies sei eine Lüge. „Die ‚Lincoln‘ wurde nicht getroffen. (...) Die abgeschossenen Raketen sind ihr nicht einmal nahegekommen.“ Laut Pentagon wurden seit Samstag jedoch auch drei US-Soldaten getötet.

US-Präsident Donald Trump hat dem Iran mit einer „noch nie dagewesenen Härte“ gedroht, sollte das Land nach der Tötung des iranischen geistlichen Oberhaupts Ali Chamenei Vergeltungsangriffe gegen die USA und Israel verüben. „Der Iran hat gerade erklärt, dass er heute sehr hart zuschlagen wird, härter als je zuvor“, schrieb er am Sonntag in seinem Onlinedienst. „Das sollten sie aber lieber nicht tun.“

Schiffe in Straße von Hormus angegriffen

In der Straße von Hormus sind am Sonntag zwei Schiffe angegriffen worden. Eines der Schiffe sei vor der Küste des Oman „oberhalb der Wasserlinie von einem unbekannten Geschoss getroffen worden“, erklärte die britische Behörde für maritime Sicherheit (UKMTO). Im Maschinenraum sei ein Feuer ausgebrochen, das mittlerweile aber unter Kontrolle sei.

Darüber hinaus sei ein weiteres Schiff von einem „unbekannten Geschoss“ getroffen worden, teilte die UKMTO mit. Auch hier sei ein Feuer ausgebrochen, das gelöscht werden konnte. Das Schiff beabsichtige, „seine Reise fortzusetzen“. Laut dem privaten Seesicherheitsunternehmen Vanguard Tech handelte es sich um einen Tanker, etwa 17 Seemeilen nordwestlich von Mina Sakr in den Vereinigten Arabischen Emiraten.

Die Straße von Hormus ist eine der wichtigsten Verkehrsrouten für den weltweiten Ölhandel. Die Meerenge zwischen dem Persischen Golf und dem Golf von Oman ist nur 50 Kilometer breit. Der Iran hatte in der Vergangenheit immer wieder gedroht, sie zu blockieren, etwa mit Seeminen. Nach den Angriffen Israels und der USA hat Teheran den Schiffsverkehr in der Meerenge vorerst gestoppt. Die Folgen einer dauerhaften Blockade der Verkehrsroute könnten weitreichend sein – auch für den Öl- oder Benzinpreis in Europa.

Die Meerenge ist die einzige Seeverbindung zwischen dem Persischen Golf und dem offenen Meer und somit der Zugang der wichtigen Ölländer am Golf zum Welthandel. 2024 passierten im Schnitt täglich etwa 20 Millionen Barrel Rohöl die Straße von Hormus – fast 20 Prozent des weltweiten Verbrauchs. Auch etwa ein Fünftel des weltweiten Handels mit verflüssigtem Erdgas (LNG) verläuft durch die Meerenge, hauptsächlich aus Katar. (AFP)

0 Kommentare
Das könnte Sie auch interessieren

Nach Angriff auf Iran

Staaten des Ölkartells OPEC+ heben Fördermenge an