Streit um Stausee

Dreht Serbien dem Kosovo das Wasser ab?

Im Endlosstreit um einen Stausee droht Serbiens Präsident Vucic, dem Kosovo das Wasser abzugraben – und den Lauf des Ibar zu verändern. Die Chancen der Realisierung seiner Wahlkampffinte sind gering. Dennoch sorgt seine Drohung für neue Spannungen. Deren Folgen haben in erster Linie die Kosovo-Serben auszubaden.

Serbiens Präsident Aleksandar Vucic bei einer Pressekonferenz Anfang August

Serbiens Präsident Aleksandar Vucic bei einer Pressekonferenz Anfang August Foto: AFP

Alle Flüsse stehen angeblich still, wenn der allgewaltige Präsident es will. Serbien habe „mehrere Gründe“, den Lauf des Ibar zu ändern, droht Staatschef Aleksandar Vucic dem seit 2008 unabhängigen, aber von Belgrad noch immer nicht anerkannten Kosovo: „Wenn sie unser Volk schon so malträtieren, lasst uns mal sehen, was dann die Albaner tun werden.“ Noch zu jugoslawischen Zeiten wurde 1977 im überwiegend serbisch besiedelten Nordkosovo der vom Ibar gespeiste Stausee „Gazivoda“ geschaffen, den die Kosovo-Albaner „Ujman“ nennen. Drei Viertel des 12 Quadratkilometer großen Sees befinden sich auf Kosovos Territorium, der Rest in Serbien.

Nicht nur bei der Trinkwasser- und Stromversorgung Nord- und Zentralkosovos fällt dem Stausee und seinem Wasserkraftwerk eine Schlüsselrolle zu. Selbst die Hauptstadt Pristina hängt an seinem Tropf: Mit seinen über den Ibar-Lepenac-Kanal abgezweigten Wassermassen werden nicht nur Felder gewässert und Industriebetriebe versorgt, sondern auch Kosovos größtes Kohlekraftwerk in Obiliq gekühlt.

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