Serbien
Die Hinweise auf den Einsatz einer Schallkanone gegen Demonstranten verdichten sich
Was holte in Belgrad die Teilnehmer der Großdemonstration gegen die Korruption von den Beinen? Serbiens Innenministerium räumt mittlerweile die Anschaffung sogenannter Schallkanonen ein, dementiert aber weiterhin deren illegalen Einsatz.
Vor einer Woche zogen Zehntausende Menschen gegen die im Land grassierende Korruption durch die Straßen Belgrads – und wurden zum Teil offenbar mit Schallkanonen beschossen Foto: AFP/Andrej Isakovic
Von der mysteriösen Schallattacke am vergangenen Samstag hat sich die Belgrader Studentin Sanja bis heute nicht erholt. Die seitdem von ihr aufgesuchten Ärzte konstatierten in ihren von der Zeitung Nova veröffentlichten Attesten eine Blutung im Mittelohr, eine veränderte Struktur des Trommelfells, starke Kopfschmerzen, Augenlidzittern und das anhaltende Vernehmen von Summgeräuschen. Mit ihren Beschwerden ist die junge Frau, deren Familiennamen die Zeitung aus Sicherheitsgründen nicht veröffentlichte, keineswegs allein: Es verdichten sich die Hinweise, dass Serbiens Sicherheitsdienste bei der Großdemonstration eine sogenannte „Schallkanone“ zum Einsatz gebracht haben könnten.