Ukraine-Krieg
Des Menschseins beraubt: Der russische Repressionsapparat hinterlässt Spuren in der Gesellschaft
Russlands Repressionsapparat erstickt jede Unmutsäußerung. Die Endlosschleife der Gewalt nimmt den Menschen die Empathie. Die Humanität zeigt sich im Kleinen.
Überdimensionales Propagandaplakat für das russische Militär in der 75 Kilometer südlich von Moskau gelegenen Stadt Tschechow Foto: AFP/Yuri Kadobnov
Das Mädchen hat sein Plakat bunt gestaltet. Hat die Ränder mit schwarzem Filzstift betont, jeden Buchstaben anders ausgemalt. Nervös steht es da, etliche Passagiere eilen an ihm vorbei. Es achtet nicht auf die Menschen, es achtet darauf, das Plakat hoch genug zu halten. „Onkel Petja, willkommen zurück“, steht auf dem Papier. Ein großes, schwarz-oranges Z prangt mittendrin, das Zeichen für Russlands „militärische Spezialoperation“ in der Ukraine. Für Russlands Vernichtungskrieg. „Onkel Petja, du bist unser Held!!!!!“, hat das Mädchen in krakeliger Kinderschrift geschrieben. Seine Augen suchen nun in der Menge nach „Onkel Petja“. Nach dem aus dem Kampf zurückgekehrten Soldaten, genauso belogen und getäuscht wie die Zehnjährige am Flughafen von Irkutsk in Sibirien. Verblendet wie Millionen Menschen in Russland, die sich in einer Lüge eingerichtet haben, bewusst oder unbewusst.