Analyse von Daron Acemoglu

Der Papst hätte in Sachen KI noch weitergehen sollen

Gehört KI der Menschheit – oder dient die Menschheit bald der KI? Papst Leo XIV. warnt vor den Folgen einer Technologie, die zunehmend auf Kontrolle, Automatisierung und Macht ausgerichtet ist. Warum die entscheidende Frage nicht lautet, was KI kann, sondern welchem Zweck sie dienen soll – und weshalb eine menschenzentrierte Alternative dringend nötig ist.

Technologischer Fortschritt ist nicht zwangsläufig moralischer Fortschritt

Technologischer Fortschritt ist nicht zwangsläufig moralischer Fortschritt Foto: Julian Stratenschulte/dpa

Künstliche Intelligenz verändert die Art und Weise, wie wir kommunizieren, auf Informationen zugreifen und arbeiten, wie Einkommen und Status verteilt sind und sogar, wie wir Krieg führen. Dennoch konzentriert sich die öffentliche Debatte nach wie vor eng auf den Wettbewerb zwischen KI-Labors oder auf abstrakte Diskussionen über die Fähigkeiten der Technologie. Kaum jemand fragt, welchem Zweck KI dienen sollte oder ob unsere derzeitige Denkweise, unsere Institutionen und Kontrollmechanismen in der Lage sind, die Technologie auf breit angelegte Verbesserungen des menschlichen Wohlergehens auszurichten.

Es war daher erfrischend, zu sehen, dass Papst Leo XIV. sich in seiner ersten Enzyklika des Themas annahm und den derzeitigen Kurs bei der KI darin als tiefgreifende Bedrohung für die Menschenwürde beschrieb. Als Ökonom, der seit langem argumentiert, dass technologisch bedingte Ergebnisse eine Frage von Entscheidungen und nicht des Schicksals sind, begrüße ich sein Eingreifen. Leo ist den meisten Kommentatoren voraus, wenn er darauf hinweist, dass „Technologie niemals neutral ist, da sie die Eigenschaften derer annimmt, die sie entwickeln, finanzieren, regulieren und nutzen“. Und doch fürchte ich, dass selbst er bei der entscheidenden Frage nicht weit genug gegangen ist: Wozu sollte KI entwickelt werden?

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