Reportage
Corona hat die Existenznöte der Roma in Südosteuropa noch verschärft
Auch am gestrigen Welt-Roma-Tag gibt es für die größte Minderheit auf dem Balkan zum Feiern kaum einen Grund. Grenzüberschreitend hat die Epidemie die Existenznöte der Roma verschärft – und ihre Ausgrenzung verstärkt.
Leben im Dauerprovisorium: Von Menschen bewohnte Viehställe in der Roma-Siedlung „Banglades“ bei Novi Sad in Serbien Foto: Thomas Roser
Banglades ist nicht weit. Doch kaum jemand der 340.000 Einwohner von Novi Sad hat sich jemals in die nur acht Kilometer vom Zentrum entfernte Siedlung verirrt. Hinter dem Zollamt führt ein mit Schlaglöchern übersäter Feldweg an das vergessene Ende der serbischen Stadt. Die gedrungenen Backsteinbauten seien „nicht für Menschen, sondern für Rinder und Schweine“ errichtet worden, berichtet der Familienvater Fadil Grekoli, während er über die Pfützen in den nicht asphaltierten Gassen von Banglades stakt: „Wir lebten hier fast 40 Jahre lang ohne Strom- und Wasseranschluss.“