Ein Selbstversuch
„Bis zum Sieg!“ – Ein Tag mit Russlands Staatsfernsehen
Russlands Staatsfernsehen ist eines der wichtigsten Sprachrohre des Kremls. Zwar informieren sich viele kritische Russen trotz Hindernissen auch anderswo über den Krieg in der Ukraine. Doch was sehen die, die von morgens bis abends TV gucken? Ein Selbstversuch.
Ein Teil des zerstörten Stahlwerks in Mariupol: Im russischen Staatsfernsehen spottet man über „Feiglinge“ ohne Moral Foto: AFP/Olga Maltseva
Wer als kremltreuer Russe in diesen Tagen das Staatsfernsehen einschaltet, für den ist die Welt durchaus in Ordnung. Am Sonntag zum Beispiel zeigt Rossija-1 in den 11.00-Uhr-Nachrichten die Kapitulation der letzten ukrainischen Kämpfer aus dem Stahlwerk in Mariupol. Zu sehen sind Männer mit langen Bärten, blassen Gesichtern und Hakenkreuz-Tattoos. Sie hätten die Stadt völlig vermint, behauptet die Nachrichtensprecherin. Zur Beruhigung fügt sie aber gleich hinzu, damit sei es nun vorbei. „Azovstal ist komplett von den ukrainischen Nationalisten gesäubert.“