Balkan

Autoritär gestrickte Regenten erwarten Vorteile vom US-Machtwechsel

Das Comeback von Donald Trump hat bei den autoritär gestrickten Balkanregenten schon vor dessen Inauguration hoffnungsfrohe Beifallstürme ausgelöst. Ob sich ihre Erwartungen erfüllen, muss sich zeigen: Die USA könnten künftig noch stärker auf eine Lockerung ihrer engen Bande zu China pochen.

Trump-Spezi Viktor Orban wurde nicht zur Amtseinführung nach Washington eingeladen

Trump-Spezi Viktor Orban wurde nicht zur Amtseinführung nach Washington eingeladen Foto: AFP/Attila Kisbenedek

Alle wären wohl gerne gekommen, doch keiner der autoritär gestrickten Balkanregenten ist zur Inthronisierung ihres bejubelten Vorbilds geladen: Selbst Ungarns Premier Viktor Orban, der sich gerne der persönlichen Freundschaft zu dem mehrmals in dessen Privatdomizil in Florida besuchten Donald Trump brüstet, hat keine offizielle Einladung zur Inauguration des künftigen US-Präsidenten erhalten.

Die Inauguration sei eine „nationale Zeremonie“, zu der keine ausländischen Würdenträger geladen würden, versichern Ungarns Regierungssprecher – obwohl sich von der italienischen Premierministerin Giorgia Meloni bis zum argentinischen Präsidenten Javier Milei der internationale Populisten-Jetset in Washington tummeln wird. Gleichzeitig verbreitet Budapest die Kunde, dass Orban privat angeblich sehr wohl eine Einladung erhalten habe. Doch eine US-Reise mache nur Sinn, wenn es eine Chance auf sinnvolle Gespräche mit der neuen US-Administration gebe, so Orbans Kabinettschef Gergely Gulyas: „Orban hat es nicht nötig, sich mit tausenden anderen bei der Inauguration zu drängeln, um seine Nähe zum neuen Präsidenten zu demonstrieren.“

Doch obwohl beim Inaugurationsspektakel nur ferne Zaungäste setzen auch die kleinen Balkanfürsten in den US-Machtwechsel sehr große Hoffnungen: Ihre Wunschliste reicht von vermehrten US-Investitionen über die Lockerung der Russland-Sanktionen bis zum Tilgen der eigenen Namen von Washingtons „schwarzer Liste“ der in den USA unerwünschten Personen.

Hoffen auf Lockerung der Russlandsanktionen

Wie Orban, dem im eigenen Land eingebrochene Umfragewerte und der steile Aufstieg seines konservativen Herausforderers Peter Magyar zunehmend zu schaffen machen, erhoffen sich auch seine populistischen Gesinnungsgenossen in der Region vom Trump-Comeback auf dem internationalen Parkett neuen Rückenwind: Der Schulterschluss mit der neuen US-Administration soll sie nicht nur gegenüber EU-Kritikern stärken, sondern auch der heimischen Opposition den Wind aus den Segeln nehmen, so die Erwartungen.

Neben Ungarn hoffen vor allem die Slowakei und Serbien auf eine Lockerung der Russlandsanktionen oder zumindest Ausnahmeregelungen zur Absicherung ihrer stark von russischen Gas- und Öllieferungen abhängigen Energiemärkte. Abzuwarten bleibt jedoch, ob ausgerechnet Interessenspolitiker Trump angesichts der stark angezogenen Nachfrage in Europa nach amerikanischem LNG-Flüssiggas erneut für die Öffnung der russischen Pipelineventile streitet.

Im eigenen Land scheint Serbiens allgewaltiger Präsident Aleksander Vucic den Zenit seiner einstigen Popularität längst überschritten zu haben. Doch trotz einer seit Monaten anhaltenden Protestwelle gegen die florierende Korruption setzt der Grenzgänger zwischen Ost und West mehr als je zuvor auf verbesserte Beziehungen zu den USA. Seine Hoffnungen auf mehr US-Investitionen und mehr US-Verständnis für Serbiens Windmühlenkampf gegen die Unabhängigkeit des Kosovo wird allerdings von Trumps Feldzug gegen Peking überschattet. Wie Ungarn ist auch Serbien bei China stark verschuldet: Noch stärker als zuvor dürfte Washington künftig auf eine Lockerung der sehr engen Wirtschaftsbande von Budapest und Belgrad zu Peking pochen.

Große Erwartungen 

Ähnlich wie Belgrad, das Trump-Schwiegersohn Jared Kushner die Ruine des von der NATO 1999 zerbombten Generalstab zur Errichtung eines Nobelhotels überlassen will, setzt auch Albaniens linkspopulistischer Premier Edi Rama auf eine Verbesserung der Beziehungen zur großen Schutzmacht durch kontroverse Privatgeschäfte: Die Regierung des einstigen Trump-Kritikers hat Kushner bereits grünes Licht für die Errichtung von zwei Nobelressorts auf der Sazan-Insel und in der Zvernec-Lagune bei Vlora erteilt.

Doch auch Ramas konservativer Vorgänger Sali Berisha setzt in den US-Machtwechsel große Erwartungen: Genauso wie Bosniens russophiler Serbenführer Milorad Dodik hofft auch der wegen Korruption angeklagte Ex-Premier, dank Trump wieder von der US-Sanktionsliste gestrichen zu werden.

In seiner ersten Amtszeit war das Interesse von Trump an Südosteuropa allerdings begrenzt. Und wie viel Zeit und Energie er bei seinem angekündigten Vielfrontenfeldzug von der Einverleibung Grönlands über die Beendigung des Ukraine-Kriegs bis zur Zurückdrängung des chinesischen Einflusses in den Balkan investiert, bleibt abzuwarten: Analysten schließen kleinere Kurskorrekturen zwar nicht aus, aber rechnen damit, dass sicherheitspolitische Aspekte die US-Politik in der Region unverändert auch künftig dominieren werden.

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