Zwölf Jahre nach Verschwinden

Angehörige drängen auf längere Suche nach dem verschollenen Malaysia-Airlines-Flugzeug

Zwölf Jahre nach dem spurlosen Verschwinden von Malaysia-Airlines-Flug MH370 drängen Angehörige der Opfer auf eine Verlängerung der laufenden Suche im Indischen Ozean. Anlass ist ein ernüchternder Zwischenbericht: Die bisherigen Arbeiten blieben ohne Ergebnis.

Blaine Gibson 2018 mit Flugzeugteilen, amerikanischer Amateurermittler untersucht Absturzursachen

Der amerikanische Amateurermittler Blaine Gibson (l.), hier auf einem Bild aus dem Jahr 2018, hat nach dem Fund neuer Flugzeugteile neue Theorien über den möglichen Hergang des Absturzes Foto: Imago/Anadolu Agency

Am Sonntag jährte sich das Verschwinden der Maschine zum zwölften Mal. Die Boeing 777 war am 8. März 2014 mit 227 Passagieren und zwölf Besatzungsmitgliedern auf dem Weg von Kuala Lumpur nach Peking, als sie rund 40 Minuten nach dem Start vom Radar verschwand.

Der letzte Funkspruch aus dem Cockpit lautete: „Gute Nacht, Malaysian drei sieben null.“ Kurz darauf wurde der Transponder ausgeschaltet. Technische Signale – sogenannte „Handshakes“ mit Inmarsat-Satelliten – deuteten darauf hin, dass die Maschine nach Süden abdrehte und schließlich im Indischen Ozean abgestürzt sein muss. Der genaue Absturzort ist bis heute unbekannt.

Internationale Suchaktionen von Malaysia, Australien und China hatten bis 2017 rund 120.000 Quadratkilometer Meeresboden abgesucht – ohne Erfolg. Auch eine erste Mission des Unternehmens Ocean Infinity im Jahr 2018 blieb ergebnislos.

Angehörige fordern Verlängerung der Suche

Nun appellieren die Familien der Opfer an die malaysische Regierung, die aktuelle Suchmission zu verlängern. Die malaysische Flugunfalluntersuchungsbehörde AAIB teilte am Sonntag mit, dass zwei Suchphasen über insgesamt 28 Tage und rund 7.571 Quadratkilometer Meeresboden bislang keine Wrackteile zutage gefördert haben. Die Arbeiten seien wiederholt durch schlechte Wetter- und Seebedingungen unterbrochen worden. Die zweite Phase endete demnach am 23. Januar.

Die Interessengruppe Voice370, die Angehörige der 239 Menschen an Bord vertritt, erklärte, es sei nun unwahrscheinlich, dass Ocean Infinity die Suche noch vor Vertragsende im Juni wieder aufnehmen werde – zu ungünstig seien die bevorstehenden Wintermonate auf der Südhalbkugel. Voice370 fordert die Regierung daher auf, einer Vertragsverlängerung zuzustimmen und vergleichbare Konditionen auch anderen interessierten Unternehmen anzubieten.

Malaysia hatte im März vergangenen Jahres zugestimmt, Ocean Infinity erneut mit der Suche zu beauftragen – auf Basis eines Erfolgshonorars: 70 Millionen US-Dollar erhält das Unternehmen nur, wenn das Wrack gefunden wird. Die Regierung erklärte, sie wolle die Angehörigen weiterhin informieren und werde bei Bedarf weitere Updates bereitstellen.

Neues Trümmerteil sorgt für Diskussionen

Ein neu identifiziertes Trümmerteil sorgt derzeit unter Fachleuten für Aufmerksamkeit. Ein Fischer hatte das Fragment bereits vor mehreren Jahren an der Südküste Madagaskars entdeckt. Erst 2025 wurde es anhand hochauflösender Fotos von einem Boeing-777-Piloten als inneres, vorderes Flügelpanel der rechten Tragfläche von MH370 identifiziert – erkennbar an einer Malaysia-Airlines-Schablone mit der Aufschrift „No Step“.

Der amerikanische Amateurermittler Blaine Gibson, der nach eigenen Angaben mehr als 20 Trümmerteile von MH370 aufgespürt hat, hatte bereits im Januar erklärt, dass der Fund wichtige Hinweise auf die letzten Minuten des Fluges liefere: „Alle Befestigungen wurden herausgerissen.“

Für Gibson deutet das auf einen Hochgeschwindigkeits-Spiralsturz hin, bei dem der rechte Flügel noch in der Luft oder beim Aufprall auf das Wasser zerbrach. „Wenn der Flügel beim Abstieg im Sturzflug auseinanderbrach, dann könnte es keine Erholung und kein Gleiten gegeben haben, weil man ein Flugzeug nicht ohne Flügel gleiten lassen kann“, sagte er.

Zwölf Jahre ohne Gewissheit

Damit widerspricht der Fund einer von mehreren unabhängigen Forschern vertretenen These, wonach die Maschine nach einem anfänglichen Sturzflug abgefangen worden sei, noch kontrolliert geglitten habe und schließlich eine Notwasserung versucht haben könnte.

Die Befunde decken sich hingegen mit früheren Erkenntnissen der australischen Transportsicherheitsbehörde ATSB. Diese hatte bereits anhand des 2015 auf La Réunion gefundenen Flaperons festgestellt, dass die Landeklappen zum Zeitpunkt des Aufpralls eingefahren waren – wie im normalen Reiseflug, nicht jedoch bei einer kontrollierten Notwasserung.

Ob die aktuelle Mission von Ocean Infinity letztlich Erfolg haben wird, bleibt offen.

0 Kommentare
Das könnte Sie auch interessieren

Laut Sipri-Bericht

Waffenhandel legt weltweit um 9,2 Prozent zu

Meinung

Triumph von Özdemir: Starke Persönlichkeiten gewinnen Wahlen