Luxemburg
Andrii will kein Kanonenfutter sein – Begegnung mit einem Ukraine-Flüchtling auf der Durchreise
Der 27-Jährige aus Kiew will kein Kanonenfutter sein. Die Mobilisierungsagenten seines Heimatlandes sahen das anders, fälschten seine Papiere und entführten ihn. Doch Andrii gelang die Flucht. Dem Tageblatt erzählt er seine Geschichte, seine Beweggründe – und warum er den Staat, der ihn in den Krieg zwingen wollte, weiter in seinem Existenzkampf gegen Russland unterstützen will.
Andrii auf der Place de Paris in Luxemburg-Stadt: Der junge Ukrainer ist vor dem Kriegsdienst geflohen Foto: Editpress/Leslie Schmit
Andrii ist 27, hat sein kleines Unternehmen im Online-Marketing, eine Frau, einen Hund, ist stolzer Ukrainer und liebt Kiew, sein Zuhause. Nun sitzt er auf der Terrasse eines der Cafés auf der Place de Paris in Luxemburg-Stadt. Völlig erschöpft. Und redet zwei Stunden ohne Punkt und Komma. Andrii hat die wildesten und dramatischsten Wochen seines Lebens hinter sich. Die Militärpolizei seines Landes wollte ihn an die Front zwingen – und auf einmal verstand Andrii die Welt nicht mehr. Trotzdem sagt er, und das liegt ihm am Herzen: „Ich gebe der Ukraine keine Schuld und möchte nicht, dass die Leute denken, ich würde mein Land hassen.“