Unter dem früheren SREL-Direktor Marco Mille wurden mehrere Theorien über die Anschläge in Luxemburg zwischen 1984 und 1986 ausgearbeitet. Gibt es einen geheimen militärischen Arm von Stay Behind innerhalb der Armee? Beweise dafür gibt es keine. Aber die Theorie reichte, um 2006 den früheren Premierminister Jean-Claude Juncker sowie den ehemaligen Justizminister Luc Frieden in kleiner Runde zu informieren. Am Montag wird der ehemalige Colonel Michel Gretsch im Bommeleeër-Prozess gehört.

Pressetermin mit Prinz Jean
Am Montagmittag äußert sich Prinz Jean zu den Gerüchten um seine Person und der Anschlagsserie in Luxemburg. Er will über bestimmte Punkte zu seiner Person Stellung beziehen, heißt es. Der Prinz wurde in der Vergangenheit immer wieder in Verbindung mit den Bommeleeër genannt. Ein inzwischen verstorbener Zeuge will ihn kurz vor dem Anschlag am Flughafen Findel (9. November 1985) vor Ort gesehen haben. Die Alibis des Prinzen sind allerdings alles andere als handfest. So wartet das Gericht bis heute auf ein Fotoalbum das beweisen soll, dass der Prinz zur Anschlagszeit auf einer Jagd in Frankreich war.

In Nachbarland Deutschland sind jetzt brisante Unterlagen aufgetaucht. Nach dem Zweiten Weltkrieg haben einem “Spiegel”-Bericht zufolge rund 2000 ehemalige Offiziere der deutschen Wehrmacht und der Waffen-SS den Aufbau einer geheimen Armee von rund 40.000 Mann betrieben. Die Aktion habe ab 1949 hinter dem Rücken von Bundesregierung und Öffentlichkeit stattgefunden, berichtete das Magazin am Sonntag unter Berufung
auf freigegebene Unterlagen des Bundesnachrichtendiensts (BND).

“Freikämpfen”

Hauptorganisator sei der spätere Bundeswehr-Heeresinspekteur Albert Schnez gewesen. Waffen sollten dem Bericht zufolge im Ernstfall aus Beständen der Bereitschaftspolizei kommen. Das Netzwerk von Schnez warb demnach etwa Spenden bei Unternehmen ein und besprach mit Speditionen, welche Fahrzeuge diese zur Verfügung stellen konnten. Es habe auch einen sogenannten Abwehrapparat betrieben, der angeblich oder tatsächlich linksorientierte Bürger und Politiker bespitzelte.

Die konspirative Schnez-Truppe wollte sich laut “Spiegel” bei einem sowjetischen Angriff zunächst ins Ausland absetzen und dann von dort aus die Bundesrepublik “freikämpfen”. Zugleich habe sie sich auf einen Einsatz im Inland gegen Kommunisten vorbereitet, für den Fall eines Bürgerkriegs. Der damalige Bundeskanzler Konrad Adenauer (CDU) habe spätestens 1951 von der Schnez-Truppe erfahren und die Organisation Gehlen – den Vorläufer des Bundesnachrichtendienstes (BND) – mit der “Betreuung und Überwachung” der Schattenarmee beauftragt. Es sei unklar, warum Adenauer nicht schärfer reagiert habe.

Der “Spiegel” beruft sich auf freigegebene Unterlagen des Bundesnachrichtendienstes, die der Historiker Agilolf Keßelring eingesehen habe. Keßelring ist Mitarbeiter der unabhängigen Historikerkommission, die die Frühgeschichte des BND erforscht.

AFP/Tageblatt.lu