19. Mai 2016 21:44;Akt: 19.05.2016 22:36

Anklage wegen Protestaktion

KUNST

Wegen einer spontanen Protestaktion am Vorabend des Nationalfeiertags wurden vier Jugendliche angeklagt. Ihnen wird vorgeworfen, „des objets destinés à l’utilité publique“ beschädigt zu haben. Mit Kreide hatten sie auf die Stufen der Philharmonie gemalt.

 (Bild: Luc Laboulle)

Am Vorabend des Nationalfeiertags 2015 startete eine Gruppe Jugendlicher, bestehend aus Mitgliedern des Künstlerkollektivs Richtung 22, der „Jonk Lénk“ und der Studentenorganisation UNEL, eine spontane Protestaktion vor der Philharmonie.

Nach Mitternacht trafen sie sich an der place de l’Europe, um einen umgedichteten Text der „Heemecht“ mit Sprühkreide auf die Treppen zu schreiben. Mit dieser Aktion wollten sie dem Großherzog, dem Premierminister und anderen Persönlichkeiten, die am Vormittag des Nationalfeiertags dort defilieren sollten, zeigen, was sie von ihrem Heimatland und insbesondere vom Ausgang des zwei Wochen zuvor abgehaltenen Referendums zur Verfassungsreform halten.

Schlimme Konsequenzen

Die Jugendlichen wussten, dass die Polizei kommen würde, doch weglaufen war für sie keine Option. Als die Polizisten vor Ort ankamen, waren sie vermutlich überfordert. Solche Aktionen kommen in Luxemburg eher selten vor. Die Beamten belehrten die „Täter“, erklärten ihnen, dass Nationalfeiertag sei und der Großherzog dort vorbeigehen werde. Und wenn der Großherzog komme, müssten die Stufen sauber sein.

Beim Sicherheitspersonal der Philharmonie liehen die Jugendlichen sich Eimer und Schrubber aus und begannen die Kreide abzuwischen. Doch das dauerte der Polizei zu lange. Also verständigte ein Beamter die Berufsfeuerwehr, damit diese die Kreide professionell entfernt. Durch den hohen Wasserdruck gingen zwei Fliesen zu Bruch.

Anklage

Vor einigen Wochen bekamen vier der sechs Beteiligten Post von der Staatsanwaltschaft. Je ein Vertreter von Richtung 22, „Jonk Lénk“ und UNEL sowie einer, der angab, als Privatperson an der Aktion beteiligt gewesen zu sein, werden beschuldigt, „des objets destinés à l’utilité publique“ beschädigt zu haben.

Wir haben mit Lars Schmitz, der stellvertretend für Richtung 22 Auskunft gibt, gesprochen. Lesen Sie mehr in der Freitagsausgabe des Tageblatt.

Luc Laboulle

  • Jankó am 21.05.2016 12:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Fir sou peanuts gëtt de ganzen Staatsapparat mobiliséiert!!!! Egal wat an lächerlech! Hu mir soss keng Suergen?

  • Bistrot am 20.05.2016 17:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hurra! Luxemburg wird sich bei der Türkei erkundigen, wie man mit solcher Majetätsbeleidigung umgehen soll! Sachbeschädigung hat ja wohl die Feuerwehr begangen. Die Polizei, dein Freund (?) und Helfer (?) hat natürlich nichts verstanden und die jungen Leute haben das jetzt auszubaden. Die Staatsgewalt geht mal wieder mit aller Macht gegen die Unschuldigen vor!

  • Marc Bouschet am 20.05.2016 14:02 Report Diesen Beitrag melden

    Uff, die Revolution konnte Kärcher sei Dank gerade noch verhindert werden. Die luxemburger Sprühkreiderevolution wird wohl in die Geschichtsbücher des Herrn Trausch eingehen. Da können die republikanischen Franzosen nun von ihrem hohen Coq herabsteigen und uns nur noch beneiden. Und damit aus den Kindern und Jugendlichen auch richtige Helden werden, müssen sie auch unbedingt als anerkannte und zertifizierte, luxemburger Revolutionäre verurteilt werden. Sie werden ihren Enkeln noch davon berichten... Verurteilter luxemburger Revoluzzer, is something to be! Chic.