26. März 2014 11:46;Akt: 26.03.2014 12:04

Die Lehrer rebellieren

SCHULE

LUXEMBURG - Die Regierung will sparen. In der Schule sollen weniger neue Posten geschaffen werden. Die "alten" Lehrer müssten mehr arbeiten. Ein No-Go für die Lehrergewerkschaften.

Eine Mehrbelastung der Lehrer ist nicht drin, so SEW-Präsident Patrick Arendt. (Bild: Isabella Finzi)

Vor einer Woche war die neuerliche Vereinbarung CGFP und Regierung bekannt geworden. Man habe sich bei Nachverhandlungen zur Reform des öffentlichen Dienstes verständigt. U.a. beim geplanten, bei den Gewerkschaften umstrittenen Bewertungssystem habe man sich geeinigt. Doch auch hier steckt der Teufel im Detail.

Die Umsetzung des Bewertungssystems in der Schule bleibt weiterhin unklar. Nähere Details dazu konnten die Regierungsvertreter den Gewerkschaften diese Woche nicht nachreichen. Ohnehin waren diese seit jeher der Ansicht, dass man Lehrer objektiv nicht bewerten könne. Nicht überzeugen konnte auch der Vorschlag der Regierung einer „kollektiven Bewertung“ der Lehrerschaft. Als Gegenleistung für diese kollektive Bewertung hätten die Minister eine Mehrarbeit der Lehrer gefordert, empörte sich die CGFP-Unterorganisation Féduse, der Verband der Hochschulabsolventen beim Staat, am Dienstag. Das sei ausgeschlossen, zumal man sich 2007 nach langen Verhandlungen auf den Lehrauftrag (tâche d'enseignant) verständigt habe. Die Féduse hatte am Montag Schulminister Claude Meisch und Beamtenminister Dan Kersch getroffen.

Um was es dabei geht? Die Zahl der Unterrichtsstunden der Lehrer sowohl im Grundschulunterricht als auch in den Sekundarschulen werden mit zunehmenden Alter reduziert. Ab dem 45. Lebensjahr um eine Unterrichtsstunde, ab dem 50. um zwei und ab dem 55. Lebensjahr um vier Stunden. Der reguläre Lehrauftrag für die Sekundarschullehrer umfasst 22 Unterrichtsstunden, in der Grundschule, der alten Primärschule, sind es 23 Stunden, 24 für die Lehrer der Unterstufe.

"Objektive" Bewertung

Auch für das SEW, die Lehrergewerkschaft im OGBL, bleibt so manches unklar. Auf die Frage, nach welchen objektiven Kriterien die Lehrer bewertet werden könnten, habe es bei der Unterredung mit den Ministern am Dienstag keine Antwort gegeben, so Patrick Arendt, Präsident des SEW, auf Nachfrage. Auch der Regierung sei bewusst, dass das mit der CGFP ausgehandelte Abkommen in Sachen Bewertung auf den Schulbereich nicht anwendbar sei. Bloß, konkrete Vorstellungen wie die "kollektive Bewertung" gestaltet werden soll, gebe es derzeit nicht. Dass eine objektive Bewertung nicht möglich sei, habe das SEW stets betont, so Arendt. Seine Gewerkschaft habe sich daher stets dagegen ausgesprochen.

Dass die Regierung die Erhöhung des Arbeitspensums für die Lehrer als Gegenleistung für das abgespeckte Bewertungssystem sehen will, bleibt für Arendt unverständlich. Beides habe doch nichts miteinander zu tun. Die Forderung nach längeren Arbeitszeiten sei ausschließlich auf haushaltspolitische Entscheidungen zurückzuführen, so Arendt. Was auch Schulminister Claude Meisch bestätigt. „Unser Vorschlag besteht darin, die Arbeitsstunden zu erhöhen oder die altersbedingten Freistunden zu reduzieren, ohne dass die Qualität der pädagogischen Arbeit darunter leidet“, so Meisch am Mittwoch im "Wort". Die Regierung hatte bekanntlich angekündigt, die Zahl der Neueinstellungen beim Staat in diesem Jahr zu halbieren.

Sparpotenzial

Das wird auch auf Kosten der Lehrer gehen, wenn eine Erhöhung der Klasseneffektive vermieden werden soll, befürchtet Arendt. Dabei seien die Lehrer bereits 2009 mit Mehrarbeit und administrativen Zusatzarbeiten belastet worden, sagt er. Mehr könne man den Lehrern nicht zumuten. Dennoch sei man bereit, mit der Regierung über mögliche Kostenersparnisse in der Schule zu reden, betont der SEW-Präsident. So etwa beim administrativen Wasserkopf, das man in der Zwischenzeit aufgebaut habe.

Die Minister wollen sich im April nochmals mit den Gewerkschaften treffen. Die Apess ruft bereits zum Widerstand auf. Die Lehrergewerkschaften sollten ihre Differenzen beseite schieben, um entschlossen "diesen unannehmbaren Angrff auf unsere Arbeitsbedingungen" abzuwehren.

lmo/Tageblatt.lu

  • Isabelle am 27.03.2014 07:38 Report Diesen Beitrag melden

    Ich stell mir dies traumhaft vor. Ich freue mich schon nach den Schulstunden, in den extra für mich hergerichteten Büroraum mit Komputer und Kopiermaschine zu setzen und dort in Ruhe meiner Arbeit nachzugehen. In meiner Schule mit 160 Lehrern werden wir nur 40 neue Räume für jeweils vier Lehrer und 160 Komputer brauchen. In Luxemburg knapp 2000-absolut kein Problem :-). Nach 8 Stunden komme ich nach Hause, natürlich ohne Prüfungen in der Hand und genieße den Feierabend. Und das Wochenende erst :-) SUPER, kein Stress keine Arbeit die wartet, und aus meinem Büro wird ein Fitnessraum!!

    • JoJo am 27.03.2014 11:04 Report Diesen Beitrag melden

      Und damit Ihnen in den restlichen Schulferien nicht langweilig wird, könnten Sie die Kinder anderer Leute betreuen und Fortbildungskurse belegen. Übrigens ist das in anderen Ländern durchaus üblich und die bekommen dafür auch noch weit weniger Lohn.

    • Isabelle am 27.03.2014 12:40 Report Diesen Beitrag melden

      pour info: Die Forbildungskurse sind seit Jahren obligatorisch. Ich nehme an dass in ihrer Branche die Menschen in anderen Ländern auch weniger verdienen.1/3 der Menscheit verdient sogar unter einem Dollar pro Tag. Netter Vergleich den sie gemacht haben, jedoch ist es völlig unrelevant Luxemburg mit anderen Ländern zu vergleichen. Jedoch sehr populistisch. Das wirkt immer und Sie werden bestimmt viele Unterstützer auf dieser Seite finden. :-D

    • JoJo am 27.03.2014 13:20 Report Diesen Beitrag melden

      dass ich Ihnen zu nahe getreten bin. Über den Lohn lässt sich streiten, aber über Privilegien, wie sie nun mal nur in Ihrer Branche üblich sind, nicht. Wenn Lehrer gleich rebellieren, wenn ihnen etwas mehr Kooperation und Leistungswillen abgefordert wird, dann stellt sich jeder die Frage, wie lange können wir uns das noch leisten. Schon jetzt kostet uns jeder Schüler, gegenüber unsern Nachbarn, mehr als das Doppelte! Und die Leistung ist auch nur "ausreichend".

    • Brach am 27.03.2014 15:31 Report Diesen Beitrag melden

      Und wenn dann die Schulferien für die Lehrer gestrichen sind, können diese ihren Urlaub so planen wie sie wollen, z.B Ende September, oder Mitte Januar ... .

    • Isabelle am 27.03.2014 15:55 Report Diesen Beitrag melden

      @jojo Das Problem liegt wohl auch darin, dass es bei den Beamten immer fast nur die Lehrer trifft. Wo wird denn bei, wie sie sagen, ähnlich "priviligierten" Beamten der Rotstift angesetzt? Und bis jetzt haben die Lehrer überhaupt noch nicht rebelliert, nur die Gewerkschaften haben sich zu Wort gemeldet. Jedoch scheint es die luxemburger Presse zu lieben diese Art von Polemik zu schüren, von der Politik nicht zu reden.

    • JoJo am 27.03.2014 16:43 Report Diesen Beitrag melden

      Alle Eltern können in der Regel nur dann Ferien machen, wenn auch Schulferien sind. Und im Gegensatz zu den Lehrereltern können sie nicht die ganzen Schulferien mit ihren Kindern verbringen, sondern müssen diese während ihrer Arbeitszeit betreuen lassen. Eine Aufgabe die eigentlich auch von den Lehrern übernommen werden könnte.

    • c.kremer am 31.03.2014 12:39 Report Diesen Beitrag melden

      40 Stunden in der Schule, geht! Pro Schule sind dann eine grössere Zahl an Büroräumen einzuplanen. Morgens um 8 wird die Uhr gedrückt, um 12 ist Mittagspause bis 14, abends um 18 wird abgeschlossen. Unverbesserte Aufgaben bleiben liegen, und nicht abgeschlossene Vorbereitungen warten eben. Eltern werden natürlich nur zu Bürostunden empfangen, zwischen 14 und 16 Uhr, wie zB bei der Steuerverwaltung.

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  • Gust Wester am 27.03.2014 06:39 Report Diesen Beitrag melden

    Es kommt wie ich es mir gedacht habe. Wegen ihrer politischen Macht werden alle Sparmaßnahmen an der Kaste der Staatsbeamten vorbei gehen. So wird unser Land, mit und auch ohne CSV, dem Bankrott entgegen gehen.

    • Grincheux am 27.03.2014 09:08 Report Diesen Beitrag melden

      Vollkommen Recht, wegen der politischen Macht der Staatsbeamten wird keine Regierung deren Privilegien antasten wollen, auch wenn das Land bankrott gehen wird auf lang Sicht wegen dieser Mentalität, unsere Politiker haben keine " cou....." das zu ändern.

    • Lussie am 27.03.2014 10:26 Report Diesen Beitrag melden

      Es ist nicht nur die politische Macht der Staatsbeamten sondern die Verflechtung zwischen Regierung, Parlament und Staatsbeamten.Schliesslich sind die ja alle Staatsbeamten und keiner schiesst sich selber ins Knie.

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  • josephus am 27.03.2014 00:29 Report Diesen Beitrag melden

    wie schaffen es die Überforderten nur noch teure Nachhilfestunden zu leisten.Vielleicht muessen deshalb Hilfsstunden mehrerer Schueler gebuendelt werden.