„Die Luxemburger Polizei arbeitet mehr, als das Gesetz erlaubt“ – so lautet der Titel einer Tageblatt-Meldung aus dem Februar. Der Hintergrund: Die zuständigen Minister François Bausch („déi gréng“, Innere Sicherheit) und Marc Hansen (DP, Öffentlicher Dienst) hatten in einer Antwort auf eine parlamentarische Anfrage eingeräumt, dass es “vorkommen kann, dass das Limit betreffend der Arbeits- und Ruhezeiten nicht immer respektiert werden kann”. Sprich: Es kann vorkommen, dass Polizisten mehr als zehn Stunden pro Tag arbeiten – und dass sie zwischen ihren Schichten nicht mehr als elf Stunden Zeit zum Ruhen haben.

Es sei eine normale Sache, ab und zu Überstunden zu machen, meinte der Chef der Polizeigewerkschaft SNPGL Pascal Ricquier am Montagmorgen im Radiosender RTL. “Aber bei mehr als zwölf Stunden fängt es an, wehzutun – besonders im Polizeibetrieb, bei dem man permanent unterwegs ist und es mit gefährlichen Situationen zu tun bekommt.” Wenn ein Beamter “20 Stunden” gearbeitet hätte und dann noch jemandem mit hoher Geschwindigkeit verfolgen müsse – oder von der Waffe Gebrauch machen müsse –, “wäre das keine gute Situation”.

Einigung in Sachen Überstunden

Ricquier beklagte bereits im April bei der Jahreshauptversammlung seiner Gewerkschaft gesetzeswidrige Arbeitszeiten – und dass sich der neue Polizeiminister Bausch auf die Seite der Polizeidirektion geschlagen habe. Ricquier zufolge liegt das Problem vor allem daran, dass nicht genug Personal da ist. “Uns fehlen seit Jahren Leute”, sagt Ricquier bei RTL. “Aber jetzt durch die neue Arbeitszeitenregelung ist es mehr aufgefallen, weil unsere Leute nicht mehr so viele Überstunden machen dürfen.” Dadurch würde die Polizei “nicht mehr richtig funktionieren”.

Insgesamt gebe es rund 1.800 Polizisten in Uniform in Luxemburg. Diese Zahl beinhaltet laut Ricquier aber auch die Teilzeitkräfte. “Allein deshalb fehlen schon 300 Polizisten”, sagt er.

Im Mai erklärte Bausch, dass er Wege finden wolle, um Probleme bei der Rekrutierung von Nachwuchskräften zu lösen. Vor zwei Wochen kam ein erstes Abkommen zwischen Polizei, Ministern und Gewerkschaften zustande. Darin wurde unter anderem festgelegt, dass die Entschädigungen für Bereitschaftsdienste verdoppelt werden. Auf einer Pressekonferenz am vergangenen Freitag erklärte Bausch laut Wort.lu, dass “massiv” rekrutiert werden soll und die Polizei “substanziell” aufgestockt werden soll, um das Problem langfristig zu lösen.

Wie viele Leute genau eingestellt werden sollen, sagte Bausch nicht. “Es gibt derzeit noch einen Austausch zwischen dem Ministerium und der Gewerkschaft”, erklärt Bausch-Sprecherin Dany Frank. Es gebe einen großen Konsens, aber “es ist noch nicht alles in trockenen Tüchern”.

Ricquier bestätigte am Montag bei RTL, dass es ein Übereinkommen gibt. Darin sei auch geregelt, dass “in verschiedenen Fällen auch länger als zehn Stunden gearbeitet” werden könne. Diese Überstunden sollen aber kompensiert werden.

Sprachkenntnisse als Barriere?

Und was den Nachwuchsmangel angeht, hat Ricquier schon einige Ideen: Zum einen könnten die geforderten Sprachkenntnisse – laut dem Gewerkschaftler sind das Luxemburgisch, Deutsch, Französisch und Englisch – beim Aufnahme-Examen für die Polizeischule reduziert werden. “Es gibt ja auch noch zwei Jahre Polizeischule, dort werden auch Sprachen gelehrt”, sagt er.

Darüber hinaus verweist er auf Menschen, die das Beamten-Staatsexamen bereits abgelegt haben – derzeit aber noch auf eine Stelle bei der Verwaltung warten. Dort seien die Sprachbarrieren auch gesenkt worden. “Man muss sich Gedanken machen, von diesen Leute zu rekrutieren, falls sie bereit sind, zur Polizei zu gehen”, sagt Ricquier. Aber: Selbst wenn 600 Nachwuchskräfte in den kommenden drei Jahren eingestellt würden, “reicht es sehr wahrscheinlich nicht”.

Den mehr oder weniger öffentlich ausgetragenen Streit zwischen Gewerkschaft, Polizeidirektion und Ministerium sieht Ricquier nicht kontraproduktiv. “Für das Examen B1 am 4. Juli haben sich 600 Leute gemeldet – ich glaube, das war eine gute Reklame für die Polizei.”

sen

 

5 Kommentare

  1. “Für das Examen B1 am 4. Juli haben sich 600 Leute gemeldet ”

    178 Leute schaffen das Examen.
    Von denen schmeißt der Arzt 89 Leute raus wegen Rücken, Drogen etc.
    Dann lehnen noch 2 Dutzend Leute dankend ab.
    14 gehen zur Sparkasse.
    Einige vom Rest zu ihren jeweiligen Gemeinden.
    Die anderen werden Polizisten.
    Alle beide.

    • Hahaha.
      Mais do mach eppes drunn sinn, leider. Et ass eng schweier Platz, an eng matt vill Verantwortung. Leider gëtt den Beruf an den Medien ugeschwärzt, an duerch d’Arbëschtkonditiounen, déi jo sëcher méi ewéi suboptimal sinn wéi een uewen kann liesen (vunn dem wat een weess…), gëtt dat propert Ausüben nach méi schwéier, an d’Stressresistenz geet och erof, wat zu Feeler an Frustratioun féieren kann…een Deiwelskreess no ënnen halt… Also, dringenden Handlungsbedarf, am Intérêt vunn den Beamten, an och ons, den Bierger!

  2. D’Polizei misst awer och eppes machen,fir mei attraktiv ze sin,d.h. dass jonk Leit mei Interesse un dem Job krei’en.A virun allem Leit mat engem gewessen niveau.Well an den leschten Joeren muss een sech emmer mei Frechheten vun Seiten der Polizei gefalen loosen.Och d’Arroganz huet immense zougeholl.Ech verstin och net wiesou bei den Schoulen (Lycee) haiansdo 4 Autoen mat Beamten stinn fir Drogenszene am Aan ze halen,wou awer iwerall bei der Police e Mangel un Effektiver ze bekloen ass.Ech mengen,et gin mei Brennpunkter am Land (grouse Banditismus) wei een Schüler mat engem Groussasatz wéinst 0.5 Gramm Gras ze verhaften.

  3. Mir brauchen 2 erlee Polizisten !
    1). Dei’ am Aussendengscht !
    2). Dei’ Aaner am Innendengscht !

    2 ennerschiddlech Profiler an Unsprech !
    Vlaicht fannen mer dann (addei’ert) mei’ Leit fir bei d’Police !

  4. Sprachbarrieren senken und dann hoffen dass die Polizeischule es richtet? Da bin ich skeptisch. Ein Polizist im Aussendienst der über wenig Sprachkentnnisse verfügt hat in Luxemburg einen schweren Stand. Mit weniger Sprachunterricht tut man dem Polizeianwärter keinen Gefallen.

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