Das Stahlunternehmen ArcelorMittal wird künftig das Fernwärmenetz Sudcal mit Energie beliefern. Die Energie stammt aus der Abwärme des Walzwerks am Arcelor-
Mittal-Standort Esch-Belval.

Als die Gasturbinenzentrale Twinerg vor anderthalb Jahren aus Rentabilitätsgründen schließen musste, verlor das Fernwärmenetzwerk Sudcal seinen Hauptzulieferer. Seitdem wurde das Sudcal-Netz vor allem mit einer eigenen gasbetriebenen Heizanlage mit einer Leistung von 20 Megawatt und mit kleineren ölbetriebenen Heizkesseln gespeist. Bereits vor einem Jahr hatte der Sudcal-Direktor Paul Weidig in einem Tageblatt-Interview erklärt, man wolle künftig stärker auf erneuerbare Energien setzen.

Eine dementsprechende Lösung wurde im vergangenen Jahr gefunden und gestern im Hauptsitz von ArcelorMittal in der Hauptstadt offiziell vorgestellt.

Ab Mai betriebsbereit

Ab Mai 2018 soll die überschüssige Hitze, die bei der Produktion der Spundwände („Palplanches“) im ArcelorMittal-Werk Esch-Belval entsteht, abgefangen und zur Beheizung des Sudcal-Fernwärmenetzes benutzt werden. Die Firma DKEL, die laut den Verantwortlichen von ArcelorMittal rund zwei Millionen Euro in das Projekt investiert, sei gerade dabei, eine Anlage im Stahlwerk zu installieren, die diesen Prozess ermöglichen soll, erklärte der „administrateur délégué“ von Sudcal, Gérard Meyer am Donnerstag.

Tatsächlich liegt das Walzwerk 2, wo die Energie abgezweigt wird, nur knapp 500 Meter Luftlinie vom Sudcal-Netz entfernt, das an dieser Stelle im Universitätsviertel Belval entlang der restaurierten Hochöfen verläuft. Unterirdische Leitungen sollen die beiden Kreisläufe miteinander verbinden. 70 Prozent der von Sudcal benötigten Energie sollen auf diese Weise geliefert werden.

Mit einem neuen Rekuperator wird die Wärme abgezweigt und von 450 °C auf 130 °C abgekühlt. An einer Unterstation wird Wasser auf 100 °C erhitzt und dann in das Sudcal-Netz eingespeist. Wasser wird auch zur Abkühlung des Rekuperators rückgeführt.

Für Sudcal hat dies den Vorteil, dass es künftig nur noch zu 30 Prozent auf öl- oder erdgasbetriebene Anlagen zurückgreifen muss und sein Fernwärmenetz größtenteils mit erneuerbaren Energien speisen kann. Auch wenn der Begriff „erneuerbare Energien“ in diesem Zusammenhang eher großzügig ausgelegt ist, denn ArcelorMittal bezieht seine eigene Energie zu einem großen Teil aus Atomstrom.

Zusammenarbeit mit “Modellcharakter”

ArcelorMittal stellt eigenen Angaben zufolge die Energie kostenfrei zur Verfügung. Der Vertrag zwischen den drei Partnern sei auf zehn Jahre ausgelegt, es bestehe aber eine Option zur Verlängerung. Laut Roland Bastian, Head of Country bei ArcelorMittal und CEO des Belvaler Werks, könne Luxemburg durch diese Zusammenarbeit nicht nur 18.000 MWh pro Jahr sparen, sondern auch seinen CO2-Verbrauch um 5.000 Tonnen im Jahr senken.
Der CO2-Verbrauch von ArcelorMittal bliebe durch die Zusammenarbeit jedoch unverändert. Der einzige Vorteil sei, dass man die überschüssige Energie nun nicht mehr unnötig verschwende, sondern sie einer sinnvollen Nutzung zufüge.

Wirtschaftsminister Etienne Schneider (LSAP) begrüßte die Zusammenarbeit mit “Modellcharakter”, die sowohl mit der Strategie der nachhaltigen Entwicklung der Regierung als auch mit den Kriterien des Rifkin-Prozesses übereinstimme.
Sudcal verfügt über ein 20 Kilometer langes Fernwärmenetz, das neben dem vom luxemburgischen Staat und ArcelorMittal gemeinsam entwickelten Universitätsviertel Belval auch die Escher Stadtteile Nonnewisen und Raemerich mit Wärme beliefert.

Sudcal wurde 2004 gegründet und 2008 zu einer Aktiengesellschaft. 3.098 der insgesamt 3.100 Aktien gehören dem Staat. Die beiden restlichen teilen sich die Stadt Esch und die Gemeinde Sanem.

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