IKEA soll “bald” nach Luxemburg kommen. Das hat der Mutterkonzern Inter IKEA am 10. Oktober in einer Pressemitteilung erklärt. Offenbar ist damit aber nur ein länger angekündigter Webshop gemeint.

“Bald können Kunden IKEA-Produkte in Chile, Kolumbien und Peru kaufen”, heißt es in der Mitteilung, in der nicht nur das Fiskaljahr 2018 reflektiert wird, sondern auch die Expansionspläne des Einrichtungskonzerns dargelegt werden – und weiter: “IKEA wird auch nach Mexiko, Estland, Ukraine, Puerto Rico, Oman, Luxemburg, Macau und auf die Philippinen kommen. Im Geschäftsjahr 2019 sind 15 Einzelhandels-Standorte geplant.”

Ob Luxemburg zu diesen 15 Standorten gehört, die bereits im Geschäftsjahr 2019 eröffnen sollen, ist aber sehr fraglich – jedenfalls, wenn man darunter eine echte Filiale versteht. Ein Sprecher von Inter IKEA erklärt jedenfalls auf Nachfrage des Tageblatt zu der leicht missverständlichen Formulierung: “IKEA Belgien sucht nach einer Möglichkeit, über einen Webshop Kunden in Luxemburg zu bedienen, da wir wissen, dass die Nachfrage groß ist. Wir können allerdings hierfür derzeit noch kein konkretes Timing nennen.”

Ein solcher Webshop war bereits im Frühjahr des Jahres angekündigt worden. Wer die Möbel und Einrichtungsgegenstände vor Ort kaufen will, muss also wohl weiterhin nach Belgien oder ins Saarland fahren.

Abschied von der grünen Wiese

Der Konzern verzichtet ohnehin mittlerweile weitgehend auf den Neubau seiner gigantischen Hallen auf der grünen Wiese und hat dieses Vorgehen in den vergangenen Jahren wiederholt als “nicht mehr zukunftsfähig” bezeichnet – und stattdessen neue Strategien entwickelt, um beispielsweise über (etwas) kleinere Häuser auch mitten in die Innenstädte zu kommen. So hat ein erster “City Store” 2014 im deutschen Hamburg eröffnet – der aber immer noch 18.000 Quadratmeter umfasst und mehr als 700 Parkplätze bereitstellt. In anderen Städten gibt es aber auch schon Läden, die nur einige Tausend Quadratmeter Verkaufsfläche haben.

Astronomische Umsätze – und Flecken auf der Weste

Der Mitteilung zufolge konnten die Franchise-Nehmer im abgelaufenen Geschäftsjahr 2018 ihren gemeinsamen Umsatz um 4,5 Prozent steigern – auf 38,8 Milliarden Euro. Zudem seien 19 neue Geschäfte eröffnet worden, erstmals auch in Indien und Lettland. Damit komme der Konzern auf 422 Filialen in mehr als 50 Märkten, die 957 Millionen Besuche verzeichnen konnten.

Vielfach ist der 1943 vom damals 17-jährigen Ingvar Kamprad begründete Konzern stark kritisiert worden. So hat etwa ein ehemaliger IKEA-Manager in einem Buch erklärt, dass Millionen von Bäumen für IKEA-Möbel illegal in der russischen Taiga abgeholzt würden. 2012 räumte IKEA ein, auf Zwangsarbeit durch politische Häftlinge in der DDR zurückgegriffen zu haben. Und 2017 geriet IKEA ins Visier der EU-Wettbewerbshüter: Die wollen Steuervereinbarungen mit den Niederlanden prüfen, wodurch die Unternehmensgruppe etwa eine Milliarde Euro Steuern vermieden haben könnte.

Eigentlich längst in Luxemburg vertreten

Konkret stießen sich die Wettbewerbshüter unter anderem an einer Regelung aus dem Jahre 2006. Demnach gaben die Behörden ihr Einverständnis, dass ein großer Teil der erhaltenen Franchisegebühren von der niederländischen Tochterfirma an ein anderes Unternehmen der Inter-IKEA-Gruppe – die I.I. Holding mit Sitz in Luxemburg – abgeführt wurde. Dort wurden die Gewinne nicht versteuert, da I.I. Holding wiederum von einer mittlerweile nicht mehr gültigen Steuerregelung aus dem Jahre 1929 in Luxemburg profitierte.

IKEA wies die Vorwürfe zurück. Die IKEA-Gruppe und auch die in den Niederlanden ansässige Tochterfirma Inter IKEA Systems hielten sich überall, wo sie aktiv seien, an die geltenden Steuergesetze und Vorschriften.

(Mit Material der dpa)

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