In unserer Rubrik „Auf den Punkt mit“ fühlen wir Akteuren aus der BGL Ligue auf etwas andere Art auf den Zahn. In dieser Woche erzählt der Differdinger Verteidiger David Vandenbroeck von verbrannten Autos, schwarzen Tattoos und belgischem Nationalstolz.

Tageblatt: Nach Ihrem Wechsel von Zulte-Waregem zu Courtrai wurde Ihr Auto auf einem Parkplatz verbrannt. Vermutlich war ein Fan der Täter. Fahren Sie seitdem nur noch Dacia?
David Vandenbroeck: Nein, ich habe mir einen Lada in Russland geholt. Spaß beiseite. Nach dem Vorfall habe ich einen kleinen Kia vom Verein bekommen. Und seitdem nehme ich nur noch Autos, die der Verein mir stellt. Auch in Differdingen. Obwohl ich nicht davon ausgehe, dass ein Niederkorner mir mein Auto abfackelt. Nach der letzten Derbyniederlage würden das wohl eher die eigenen Fans tun. Damals hat mir die belgische Polizei sogar gesagt, dass ich mich nicht zu wundern brauche, dass so etwas passiert, wenn ich zum Erzrivalen wechsele.

Zu den Vorurteilen: Wie wichtig ist Ihnen als Belgier ein Bier und eine Portion Pommes?
Insgesamt sind die Franzosen patriotischer, aber wir Belgier lieben eben unser Bier und die Portion Pommes. Das ist ein Nationalstolz. Ich gönne mir maximal einmal die Woche diese Kombination. Als Fußballer kann man sich das nur öfter leisten, wenn man den richtigen Stoffwechsel hat. Ein ehemaliger Mitspieler, der sogar belgischer Nationalspieler war, hat am Spieltag immer eine Portion Pommes gegessen und war trotzdem in Form. Aber der hat auch manchmal beim Training nach Alkohol gerochen.

Ihr Vater verpasst fast keines Ihrer Spiele. Wie viele Kilometer legt er pro Jahr für Sie zurück?
Er wohnt in der Nähe von Brüssel. Das sind an jedem Spieltag rund 400 Kilometer und in einer Saison dann rund 10.400 Kilometer. Zuletzt war er aus gesundheitlichen Gründen weniger oft in Luxemburg. Mein Mitspieler Geoffrey Franzoni glaubte bis zuletzt, dass wir nicht gewinnen können, wenn mein Vater nicht da ist. Er war so etwas wie das Maskottchen des Vereins.

2016 wurde ein Foto aufgenommen, auf dem F91-Verteidiger Tom Schnell andeutet, Ihnen einen Kuss geben zu wollen. Erinnern Sie sich noch an diesen romantischen Moment?
Er hat mir sogar einen Kuss gegeben. Der Fotograf hat wohl zu früh abgedrückt. Diese Szene hat für viel Gelächter im Verein, in meiner Familie und bei meinen Freunden gesorgt. Damals haben wir mit dem F91 um den Meistertitel gespielt. Die Spannung war hoch zwischen beiden Mannschaften. Insgesamt schätze ich Tom Schnell aber. Er hat eine schöne Karriere zurückgelegt und mit ihm kann man sich unterhalten.

ZWEI FRAGEN…

… zum Wochenende

Für Differdingen sind die Wochen der Wahrheit bisher schlecht verlaufen. Es gab nur einen Punkt aus drei Spielen. Warum?
Am vergangenen Wochenende war uns Niederkorn komplett überlegen. Aber bisher waren alle Saisonspiele schwer für uns und wir mussten immer ans Limit gehen. Vielleicht hat uns auch deshalb die Frische gefehlt in den Duellen mit Niederkorn, Petingen und der Jeunesse. Wir wurden dreimal dominiert und sind erst nach dem ersten Gegentor wach geworden.

Stehen Sie an diesem Wochenende gegen den Racing in der Pflicht, zu siegen?
Wir müssen uns auf jeden Fall alle infrage stellen und wie Krieger auftreten. Wenn wir an der Spitze dranbleiben wollen, dann müssen wir punkten.

Warum ist Ihr rechter Arm mittlerweile komplett schwarz tätowiert?

Einige Tattoos, die ich mir mit 17 Jahren habe stechen lassen, haben mir nicht mehr gefallen. Es gab zwei Möglichkeiten: Sie zu übermalen oder sie zu entfernen. Ein Tattoo zu entfernen, ist schmerzhaft und kostet viel Geld. Mit meinem Freund, der ein Tattoo-Studio besitzt, habe ich dann entschieden, meinen Arm ganz schwarz zu bemalen. Daraus wird jetzt mit der Zeit ein sogenanntes Blackout-Tattoo. Das Schwarz wird mit Weiß übermalt. Die neuen Zeichnungen sollen meinen Lebensstil widerspiegeln.

Ihre Mitspieler fragen sich, warum Sie sich privat überhaupt nicht für Fußball interessieren?
Ich bin eigentlich durch Zufall zum Fußball gekommen. Mit neun Jahren habe ich angefangen zu spielen, weil ich mit meinen besten Freunden auch nach der Schule Zeit verbringen wollte. Fußballschauen hat mich nie so richtig interessiert. Das ist wie mit einem Bankangestellten. Der will sich auch nach Feierabend nicht unbedingt mit Konten oder Zahlen beschäftigen. Fast mein gesamter Tag widme ich dem Fußball. In der Freizeit will ich was anderes machen. Seitdem mein Vertrag mir es nicht mehr verbietet, habe ich den Motorradführerschein gemacht, fahre Wasserski und Ski. Ich bin gerne mit meinen Kindern unterwegs und mag es, in guten Restaurants zu essen. Ein Fußballspiel anzuschauen, macht mir nicht unbedingt Freude. Die Resultate interessieren mich aber trotzdem.

Anscheinend sind Sie süchtig nach Pistazien?
Irgendwann haben wir in Differdingen einen Aperitif eingeführt. Die Initiatoren waren Tom Siebenaler, Mathias Jänisch und Gilles Bettmer. Ich habe immer darauf bestanden, dass es neben dem Bier auch Pistazien gibt. Dejvid Sinani hat sich manchmal einen Spaß daraus gemacht, die Pistazien zu verstecken oder sie selbst zu essen.

Sie sind Wallone, haben aber einen flämischen Nachnamen. Werden Sie oft auf Flämisch angesprochen?
Eigentlich hatte ich nie dieses Problem. Als ich in Flandern gespielt habe, wurde ich auf Flämisch angesprochen und in Wallonien eben auf Französisch. Ich spreche beide Sprachen und Englisch. Deshalb konnte ich mich eigentlich immer ohne Probleme überall verständigen.

Sie sind 34 Jahre alt. Das Karriereende naht. Haben Sie bereits Pläne?
Solange ich noch Spaß am Fußball habe, kann ich noch ein bis zwei Jahre weiterspielen. Ich war zudem nie richtig verletzt. Ich habe mich letztens darüber gefreut, dass der Verein mich dafür geehrt hat, dass ich 100 Spiele in Folge bestritten habe. Ich hatte auch diese Woche ein Gespräch mit Präsident Fabrizio Bei über meine Zukunft. Mein Vertrag läuft im Juni 2020 aus. Im Januar werden wir endgültig entscheiden, ob ich in Differdingen weiterspielen werde. Ich habe aber bereits den A-Trainerschein und will diese Karriere einschlagen. Kinder zu trainieren, interessiert mich weniger. Ich will mein Wissen an Erwachsene oder Teenager weitergeben.

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