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So geht Stimmenklau hier und heute
Selbstverständlich besitzt jede Partei das elementare Recht, eine Koalition mit CSV und/oder DP anzustreben. Auch die Grünen. Und die LSAP tut es in etlichen Gemeinden ja eh. An diesem Vorgang ist per se wahrlich nichts Unanständiges.
„déi gréng“-Spitzenkandidat Meris Sehovic und seine Parteifreunde haben einen erheblichen Mangel an politischem Anstand gezeigt Foto: Editpress/Julien Garroy
Doch was die Grünen sich am vergangenen Sonntag in Esch leisteten, ist dessen ungeachtet ganz einfach miserabler politischer Stil.
Der grüne Spitzenkandidat Sehovic versuchte, seine Partei im Wahlkampf als eine Art von Sozialdemokraten mit extra viel Ökosensibilität anzupreisen. Es dürfte ihm auch die eine oder andere Stimme von Escher Linkswählern eingetragen haben, die seine Partei dergestalt denn auch vor einer noch heftigeren Klatsche in der Minettemetropole bewahrten. Doch am Wahltag trat er mit wehenden Fahnen in eine Mitte-rechts-Koalition ein – und das noch, bevor sämtliche Stimmen ausgezählt waren! Die düpierten Sozialisten sahen sich auf fiese Weise eiskalt abserviert und ausgegrenzt.
Jetzt wird Herr Sehovic zwar mit einem Posten im Schöffenrat belohnt, doch ändert dies nichts daran, dass er und seine Parteifreunde einen erheblichen Mangel an politischem Anstand und Savoir-vivre unter Beweis gestellt haben.
Eine Lektion für alle Linkswähler
Ein Gutes bringt diese elende Maskerade aber ohne Zweifel mit sich: Nämlich eine Lektion, die kein Linkswähler jemals vergessen sollte.
Gerade Panaschierer versuchen oft, ihre Wunschkoalition – etwa Rot-Grün – mithilfe ihres Wahlzettels wahr werden zu lassen. Ein elementarer Denkfehler, der gar den Tatbestand des groben Unfugs erfüllt. Denn erstens kann keine Partei die Intentionen ihrer einzelnen Wähler kennen, und zweitens kann sie mit den ihr anvertrauten Stimmen eh machen, wie sie grad lustig ist.
Wer also Sozialisten an der Macht sehen möchte, der muss sie auch wählen. Méi ass et net!
Wer glaubt, den Sozialisten ein kleines ökologisches Korrektiv beigeben zu müssen, indem er ganz oder teilweise Grün wählt, der riskiert, am Ende – als wohlverdiente Belohnung für seine sträfliche Naivität – mit einer rechtsliberalen Koalition geschlagen zu sein. Sozialabbau inklusive.
Es ist denkbar einfach: Wer als Linkswähler verhindern will, dass sich die Grünen an rechtsliberale Kräfte ranschmeißen, der darf ihnen auch keine Stimme geben. Keine gottverdammt einzige.
Steigbügelhalter für die CSV?
Dies ist vor allem wichtig im Hinblick auf die Chamberwahlen im Herbst. Es steht in der Tat zu befürchten, dass das, was am 11. Juni in Esch passiert ist, bloß ein Präludium auf das darstellt, was uns am 8. Oktober blüht: Auch hier werden die Grünen im Vorfeld versuchen, sich mit etikettenschwindlerischer Hinterlist als die besseren Sozialdemokraten anzupreisen, bloß um sich am Ende – sobald der Preis stimmt – im Verein mit der DP als Steigbügelhalter für Herrn Friedens CSV herzugeben.
Jeder kann mal einen Fehler machen. Dessen Wiederholung stellt indes einen untrüglichen Indikator für Dummheit dar: Ee gudden Iesel stéisst sech eben nëmmen eemol.