FestivalEndlich wieder e-Lake: So feierte Echternach am Wochenende

Festival / Endlich wieder e-Lake: So feierte Echternach am Wochenende
 Foto: Editpress/Julien Garroy

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Was für eine Rückkehr – nach zwei Jahren Corona-Sparflamme genossen die Besucher am Echternacher See das (offiziell) 25. e-Lake wieder als dreitägige Sause mit allem, was dazugehört: mit Hip-Hop und Rock in allen Facetten, treibenden Technobeats und einem familiären Abschluss am Sonntag.

Schätzungsweise 27.000 Menschen haben über das Wochenende nach zwei Jahren Corona-Pause wieder ein richtiges e-Lake-Festival feiern können. Auch dank 240 ehrenamtlichen Helfern herrschte nicht nur auf und vor den zwei Bühnen beste Stimmung, sondern auf dem ganzen 5.000 Quadratmeter großen Gelände.

Zu sehen und zu hören gab es rund 40 Bands, Hip-Hop-Crews und DJs – wobei der Coronavirus wie der abstürzende Balrog von Khazad-dûm dem Festival doch noch einen mitgab, indem er den Auftritt der Antilopen Gang am Freitagabend ausfallen ließ: Die deutschen Rapper, die durch ihre sozialkritischen, oft ironischen Texte bekannt sind, konnten aus Krankheitsgründen nicht kommen.

So bedauerlich das sein mag, so wenig ließen die anderen Musiker des Tages die Lücke fühlen. Eingeleitet von ÆM, deren Songwriting einen guten Schuss federleichten Dream-Pop enthält, ging es in ein traumhaftes Wochenende, das ja auch ein Jubiläumsfest darstellte: Das e-Lake wird 25 – „wobei wir die zwei Corona-Ausgaben einfach nicht mitgezählt haben“, sagt Sprecher Jempi Hoffmann. Die stark eingedampften beziehungsweise virtualisierten Versionen hatten natürlich nicht das echte e-Lake-Feeling vermittelt. „Ich bin auch froh, dass wir nicht noch ein drittes Jahr so bestreiten mussten.“

Zur ausgelassenen Feier hat auch die deutsche Hip-Hop-Crew 257ers geladen, die unter anderem ihr „Holz“ mitgebracht hat – beziehungsweise eine herrlich sinnbefreite Hymne auf das Stück Baum für alle Lebenslagen: Rasant gerappte lakonische Lebensbetrachtungen, die gerne auch mit einem großen Schuss Selbstironie garniert wurden, gab es auch von den Luxemburger Hip-Hoppern von De Läb, die seit 2010 eine Dauerkarte für das Festival haben: Sie haben sich zwar auch die Corona-Mini-Version (für handverlesene Gäste) nicht entgehen lassen, aber endlich wieder richtig „im Haus“ zu sein, hat offenbar einen ziemlichen Energieschub gegeben – auch hier hatten Band und Publikum jedenfalls sehr viel Spaß miteinander.

Während das Geschehen vor der großen Bühne zeitweise ins Anarchische kippte wie eine Horde Zehnjähriger im Colarausch (Wall Of Death! Wasserpistolen! Konfetti!), ging es nebenan etwas „intellektueller“ zu, wobei man auch zum vertrackten, polyrhythmischen Mathrock von Mutiny On The Bounty offensichtlich ziemlich gut „abgehen“ konnte – und Rapper Maz fesselte das Publikum mit literarischen Lyrics, die er wie wütender Derwisch zu konzentrierten Trap-Beats herausspuckte. Maz’ Lyrics und Botschaft sind der verzweifelte Aufruf, endlich die Masken und Schranken zwischen den Menschen herunterzureißen.

Der Kontrast könnte kaum größer sein zu den jazzig-verspielten Luxemburgern Afrobeathoven, die danach weiter in die Nacht geleiteten.

Aus der im Jahr 1983 erstmals umgesetzten Idee, mal etwas für die Jugend in und um Echternach zu bieten, ist längst eines der beliebtesten Festivals der Region geworden – das der handgemachten Musik des Freitags am Samstag vor allem elektronische Klangwelten folgen ließ.

Mit dem deutschen DJ Paul van Dyk konnte hier nach Genre-Kollegen wie Simon Patterson und Will Atkinson der wohl prominenteste Künstler des Abends am Samstag auch tatsächlich an den Start gehen – und lieferte ein opulentes Trance-Set, das von einem feurigen Effekte-Gewitter begleitet war.

Der Sonntag gehörte dann wieder eher den entspannteren Klängen, gerne mal im Offbeat: Ska, Roots, Ragga, Dub gab es etwa vom Plemm Plemm Soundsystem, während die Folk-Punker Schëppe Siwen noch einen Schuss Polka dazugaben, um die Tanzbeine den dritten Tag in Folge in Bewegung zu halten.

Anlässlich des Jubiläums hatte ja der Kalender einen Feiertag auf den Wochenanfang gelegt, womit für viele Besucher das Programm des Sonntags bis zum Ende auskostbar war: Wie Jempi Hoffmann erfreut erklärt, wurde das auch rege genutzt – womit das e-Lake 2022 möglicherweise die bisher am besten besuchte Auflage war.

Jolly
16. August 2022 - 8.21

Alle sind wieder total durchgeknallt,
Corona lässt grüssen.