05. November 2014 22:31;Akt: 06.11.2014 13:33

Steuertricks made in Luxembourg

LUXEMBURG LEAKS

Volle Breitseite gegen den Finanzplatz. Geheime Unterlagen geben Einblick wie Konzerne über Luxemburg durch komplizierte Strukturen Millionen an Steuern sparen.

Einige der internationalen Firmen, die eine Vereinbarung mit der Luxemburger Steuerverwaltung abgeschlossen haben.

Internationale Konzerne drücken sich mit Unterstützung der Luxemburger Regierung vor Steuerzahlungen in Milliardenhöhe, schreibt die "Sueddeutsche Zeitung" am Mittwochabend. Das Blatt sowie 50 weitere Medien berufen sich dabei auf rund 28.000 bislang geheime Unterlagen. Es geht um hunderte, zum Teil äußert komplizierte Modelle, die Luxemburger Behörden genehmigt hätten, heisst es.

Veröffentlicht wurden die Dokumente vom amerikanischen Konsortium für Investigativjournalismus ICIJ (International Consortium of Investigative Journalists). Kooperiert haben neben der Süddeutschen Zeitung und Le Monde unter auch The Guardian (Großbritannien), die kanadische TV-Station Canadian Broadcasting Corporation und die japanische Asahi Shimbun.

27.800 geheime Seiten

Entwickelt wurden die Steueroptimisierungsmodelle vom Beratungsunternehmen Pricewaterhouse-Coopers (PwC). Davon profitiert hätten unter anderem Konzerne wie Amazon, Pepsi oder FedEx.

Mehr als 80 Journalisten aus 26 Länder haben in den letzten sechs Monaten mehr als 27.800 streng geheime Seiten aus Luxemburg analysiert. Darin wird laut den Medienberichten im Detail erklärt, wie 343 Konzerne Luxemburg zur Steuergestaltung nutzen. Das ganz legal.

EU-Kommission seit längerem dabei

Die EU-Kommission hat seit längerem bereits Ermittlungen gegen Luxemburg wegen der vermeintlichen Gewährung von Steuervorteilen an einzelne Unternehmen wie Amazon oder die Konzernbank von Fiat, "Fiat Finance and Trade", aufgenommen.

Sowohl Premierminister Xavier Bettel als auch Finanzminister Pierre Gramegna haben bisher stets betont, dass Luxemburg sich nichts Illegales vorzuwerfen habe. Am Mittwoch jedoch hat Gramegna angedeutet, dass im Hinblick auf eine Vereinfachung der Besteuerung von internationalen Unternehmen, die Regierung darauf achten werde, ob es Substanz eines Unternehmens im Land gibt. Denn nur dann entziehe sich Luxemburg der Kritik, ein Finanzparadies zu sein.

Junckers Amtszeit in Luxemburg

Die EU-Kommission hat jedoch nicht nur Luxemburg wegen unorthodoxer Steuerpraktiken im Visier. Ähnliche Vorwürfe erhebt die Brüsseler Behörde auch gegen Irland wegen angeblicher Begünstigung von Apple und gegen die Niederlande (Starbucks).

Die Datensätze aus Luxemburg stammen aus den Jahren 2008 bis 2010 und fallen damit in die Amtszeit des damaligen Premierministers Jean-Claude Juncker. Der ist jetzt EU-Kommissionspräsident und ermittelt sozusagen gegen sich selbst. Er kündigte aber bereits an, sich in die Ermittlungen nicht einzumischen. "Ich werde keinen Einfluss nehmen und werde mein Amt nicht missbrauchen," so Juncker gegenüber dem deutschen Fernsehsender ARD.

fo/lmo/Tageblatt.lu

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  • Joe Hansen am 06.11.2014 15:06 Report Diesen Beitrag melden

    Mir waren nach ëmmer eng Steieroas fir d'Entreprisen. Et geet net nëmmen ëm de "Ruling" wéi den Herr Gramegna seet, mä och ëm dee Steiersatz deen d'Entreprisen zu Lëtzebuerg bezuelen oder ëm den Nullprozent Steiersatz. Et kann net sinn, dass de klenge Mëttellstand mat z.B. 40% besteiert gëtt an d'Grousskapital null Steier bezillt. Ass dat d'Steiergerechtegkeet vu Lëtzebuerg. Vis-à-vis vun den europäesche Groussmuechten spillen ons Politiker eng falsch Doppelroll: déi bescht Europäer wëllen ze sin an zugleich ëmmer ërem nei Steiernischen montéieren. SdZ: "Juncker gegen Juncker".

  • Grincheux am 06.11.2014 10:13 Report Diesen Beitrag melden

    Da wird JCJ wohl in Erklärungsnot geraten: wie glaubhaft kann er jetzt noch als EU Kommissionspräsident da stehen? Demission wäre wohl das Beste unter diesen Umständen!...

  • Karl am 06.11.2014 09:32 Report Diesen Beitrag melden

    Wann gibts mal ein Leak über Delaware, die Steueroase welche in fast keiner Statistik auftaucht? "Delaware erhebt für Holdings, die nicht vor Ort produzieren, außer einer jährlichen Registrierungsgebühr keine weiteren Unternehmenssteuern. Gewinne aus Lizenzen, Patenten, Marken- und Urheberrechten sind ebenfalls steuerfrei. Hunderttausende Unternehmen haben deshalb in Delaware in den vergangenen Jahrzehnten Töchterfirmen gegründet." In Europa bekämpfen wir uns gegenseitig, ob freiwillig oder gezwungen, Gewinner sind andere.

    • nathalie am 06.11.2014 15:13 Report Diesen Beitrag melden

      interessant...

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