Mir gefällt der Nikolaus. Seine bunte Holzsilhouette wirkt im geradlinigen weißen Umfeld der „iLux“-Ausstellung ein wenig wie ein Fremdkörper. Die Konditorschalen für die Herstellung von Schokoladen-Nikolausen, die rund um die Statue dekoriert sind, zeigen den Wandel der Figur, die sich vom klassischen Bischof im Ornat allmählich hin zum zipfelmützigen Weihnachtsmann entwickelt hat. Dieser Kontrast macht nur einen Teil des Charmes der neuen Museumseinrichtung aus. Sie zeigt natürlich viele Schätze aus 500 Jahren Festungsgeschichte. Denen gegenüber stehen jedoch die Überlegungen der Wissenschaftler über die Luxemburger Identität. Auch Letztere ist ein Teil der historischen Entwicklung.

Im Gegensatz zu dem großen, der zeitgenössischen Kunst vorbehaltenen Nachbarn ist im Festungsmuseum richtig viel zu sehen. Über 600 Exponate erzählen die Geschichte der Festung und setzen sie in ihre europäische Dimension. Ausgestellt sind ausschließlich Originalobjekte, von denen viele bislang noch nie zu sehen waren. Die zweisprachige Beschriftung hilft den meisten Besuchern gut über die Runden. Freunde der Festungs- und Militärgeschichte kommen dank der Vielfalt der Ausstellungsstücke auch nicht zu kurz, umso mehr als das schön hergerichtete Fort ebenfalls ein Teil des Museums ist.

Die chronologisch angelegte, thematisch gegliederte Sammlung beginnt 1443 mit der Einnahme Luxemburgs durch die Truppen des Burgunderherzogs Philipp der Gute. Es folgt die Geschichte der Fremdbesatzung durch die Franzosen, Österreicher, Spanier und Preußen. Wichtige Themen sind dabei die Belagerung der Festung unter Vauban, der Klöppelkrieg sowie der Um- und Ausbau der Festung in den verschiedenen Epochen.

Mit den Augen der Wissenschaft

Zu den Schätzen der Sammlung gehören, neben dem Nikolaus, eine der ersten Feuerwaffen der Geschichte, eine „Steinbüchse“ aus dem 14. Jahrhundert, daneben die steinerne Muttergottesstatue der „Porte Neuve“ und die Guillotine. Knapp 700 qm müssen 500 Jahre Geschichte und 600 Objekte aufnehmen. Die Dichte der genutzten Fläche lässt erahnen, wie bescheiden die Soldaten seinerzeit in den einzelnen Forts und Kasematten lebten. Rund 400 waren in den heutigen „Dräi Eechelen“ untergebracht.

Die Neuzeit kommt, nach Darstellung der Museumsmacher, im Jahr 1903. Die Festung ist geschleift, mit dem Bau der Adolphe-Brücke öffnet sich die Stadt. Wer einzelne Punkte im Detail studieren möchte, kann das über Zugriff zu einer Datenbank und mit der vorhandenen audiovisuellen Dokumentation. Der von der Uni produzierte Film gibt ebenfalls Anhaltspunkte zur Definition der Identität.

Wer sich mit der wissenschaftlichen Entwicklung der Festung beschäftigen möchte, ist im Obergeschoss gut aufgehoben. In dem Raum für Sonderausstellung sollen reihum einzelne Aspekte unserer Entwicklung hin zur selbstbewussten Nation beleuchtet werden.

Wohnraumanalyse

Den Auftakt macht das Projekt IDENT, in dem die Uni den Begriff der Identität beleuchtet. Das macht sie in einem Wohnraum, ein Rahmen, der uns allen geläufig ist. Sie analysiert darin, wie sich die einzelnen Komponenten ergänzen oder konfrontieren. Der Besucher soll über ein Frage-und-Antwort-Spiel aktiv mitmachen. Die Ausstellung ist in Französisch und Deutsch, sowie auf Luxemburgisch, Portugiesisch und Englisch gehalten, was die meist gesprochenen Sprachen unseres Landes sind.

Das miese Wetter des Wochenendes hat natürlich dem Eröffnungswochenende einen Dämpfer versetzt. Gleichzeitig hat es bewiesen, wie bitter notwendig in einem sonnenunbeständigen Land wie unserem sogenannte Indoor-Sehenswürdigkeiten sind. Das Festungsmuseum ist auf jeden Fall eine familienfreundliche Antwort auf diese Nachfrage.

Informationen unter www.m3e.lu

fb/Tageblatt.lu