Es war das Thema vor der Handball-Weltmeisterschaft: der Auftritt der koreanischen Mannschaft mit Spielern aus Süd- und Nordkorea. Am Donnerstag haben sie nun ihr erstes WM-Spiel gegen Gastgeber Deutschland bestritten. Und das auch noch in Berlin, der Stadt der Wiedervereinigung. Dass Korea am Ende klar mit 30:19 unterlegen war, ist nichts weiter als eine Randnotiz. Viel symbolträchtiger waren der Einlauf der Mannschaften vor dem Match und das Abspielen eines alten koreanischen Volksliedes anstelle der Hymne. Die hat zwar in Nord- und Südkorea einen fast identischen Titel, unterscheidet sich aber inhaltlich.

Ein ähnliches Ereignis wie nun bei der Handball-Weltmeisterschaft gab es vergangenes Jahr bei den Olympischen Winterspielen im südkoreanischen Pyeongchang. Damals lief bei der Eröffnungsfeier ebenfalls eine gesamtkoreanische Mannschaft ein. Schon 1991 traten Spieler aus Süd- und Nordkorea gemeinsam unter der koreanischen Flagge bei der Tischtennis-Weltmeisterschaft an. Es sind sporthistorische Ereignisse mit starkem Symbolcharakter.

Was sie allerdings noch sind, wurde am Donnerstag spätestens nach dem Spiel klar, als sich Thomas Bach, Präsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), gemeinsam mit der koreanischen Mannschaft ablichten ließ: ein gigantischer Marketing-Coup. Zwar liebäugeln Bach und sein IOC schon länger mit dem Friedensnobelpreis, doch sollte man die Macht des Sports nicht überschätzen. Die gesamtkoreanische Handball-Mannschaft und der gemeinsame Einlauf bei Olympia sind zwar Zeichen der Annäherung, allerdings nicht deren Grund. Ohne die Zustimmung der jeweiligen Machthaber wären die symbolträchtigen Ereignisse nämlich nicht möglich. Der Sport dient der Politik schon seit langem als willkommene Marketing-Bühne, ob es nun wie in Luxemburg um Nation Branding geht oder wie zu Zeiten des Kalten Krieges, als sich Ost und West erbitterte Kämpfe um Medaillen lieferten.

Das alles soll den Stellenwert und den Nutzen des Sports in keinster Weise schmälern. Denn für die koreanischen Spieler ist die gemeinsame Weltmeisterschaft ganz bestimmt ein bedeutendes Ereignis, das zur Annäherung und Völkerverständigung beitragen kann. Diese Kraft hat der Sport, allerdings eher auf persönlicher und nicht so sehr auf politischer Ebene. Politische Konflikte werden immer noch woanders gelöst. Der Sport hat für jeden Einzelnen, ob Athlet oder Zuschauer, unfassbar viel zu bieten, ob gesundheitlicher oder sozialer Art. Aus diesem Grund spielt er auch eine so wichtige Rolle in der Gesellschaft und sollte weder von Politikern noch von Funktionären zu eigenen Zwecken missbraucht werden. Das wäre das Mindeste, was der Sport verdient hätte.

1 Kommentar

  1. Der Sport hat wenig Einfluss auf das Weltgeschehen, wenn überhaupt. Es ist eher umgekehrt, die Politiker missbrauchen den Sport zu ihren Zwecken. Bach und seine feudale Truppe nur in die Nähe des Friedensnobelpreises bringen, hiesse wahrhaftig den Bock zum Gartner machen. Diese IOC Bonzen leben doch nur auf Kosten des Sportes und verdienen sich dabei eine goldene Nase. Die sollen sich alle mal vom Verdacht der Korruption befreien.

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