Bratislava ist eine der jüngsten Hauptstädte Europas. Erst seit der Trennung von Tschechien und der Slowakei darf sie sich (wieder) Hauptstadt nennen. Ihre Geschichte jedoch ist viel älter und allein deshalb schon eine Reise wert. Claude Wolf hat sie entdeckt.

Seine Sturm- und Drangzeit hat das moderne Bratislava noch nicht ganz hinter sich gelassen. Schließlich ist es erst vor 25 Jahren, seit der Zweiteilung der Tschechoslowakei, überhaupt zur Hauptstadt geworden.

Das historische, perfekt restaurierte Bratislava könnte genauso gut ein Stadtteil von Wien, Budapest oder Prag sein. Aber auch das moderne Stadtbild lässt sich am europäischen Standard messen.

Über die Business-Tower und Wohnblöcke, die rund um die beschauliche Altstadt in die Höhe gehen, wird zwar viel gestritten, hauptsächlich weil sie vorwiegend von einem einzigen Promotor gebaut werden, sie sind aber durchaus sehenswert – das Donauufer bekommt dadurch einen ganz eigenen Charme.

Vollbeschäftigung in der ehemaligen Ostblock-Stadt

Geld wird in der ehemaligen Ostblock-Stadt ohnehin verdient. Hier herrscht Vollbeschäftigung. Bezahlt wird mit Euro. Es sind vorwiegend junge Leute, die in den Einkaufszentren shoppen oder – an einem sonnig-warmen Oktobernachmittag – die Tische der Straßencafés in der Altstadt bevölkern. An ihnen vorbei drängeln sich unzählige Touristen.

Wer im Geschichtsunterricht gut zugehört hat, erinnert sich daran, dass die Stadt bis 1919 Preßburg hieß. Oder er weiß vielleicht noch, dass hier am 26. Dezember 1805 nach der Dreikaiserschlacht von Austerlitz der „Friede von Preßburg“ unterzeichnet wurde, der den Krieg zwischen Österreich, Frankreich und Russland beendete.

Die Altstadt lässt sich leicht zu Fuß entdecken. Sie ist nicht sehr groß und völlig autofrei. Nur die elektrisch betriebenen, offenen Oldtimer-Busse der „City Tours“ dürfen sich hier ihren Weg bahnen und die Touristen über die Entstehung der Stadt, ihre Krönungsgeschichte und die ruhmreichen Zeiten der österreichisch-ungarischen Monarchie aufklären.

Lange Geschichte

Dabei erfahren sie, dass Kaiser Sigismund von Luxemburg Preßburg 1405 zur königlichen Freistadt erklärte, dass Kaiserin Maria Theresia, die sich Luxemburg und Bratislava vor 300 Jahren teilten, hier am 25. Juni 1741 im Martinsdom die ungarische Stephanskrone bekam, die Burg renovierte und Bratislava auf die Liste der bedeutenden europäischen Hauptstädte setzte.

Deshalb lohnt es sich auch, aus der ehemaligen Festung auszubrechen und durch das renovierte jüdische Viertel bis zur 2009 vollständig restaurierten Burg aufzusteigen, von deren Turm aus sich bei schönem Wetter eine atemberaubende Aussicht bis nach Ungarn und Österreich bietet. Bratislava ist die einzige Hauptstadt der Welt, die an mehr als einen Nachbarstaat grenzt. Bis nach Österreich sind es nur fünf Kilometer, Ungarn ist knapp 20 Kilometer entfernt. Zum Abschluss lohnt es sich, eine der vielen „Vinarna“ aufzusuchen und den Wein zu entdecken, der gleich vor der Stadt wächst.

Kommentieren Sie den Artikel


Please enter your comment!
Please enter your name here