Menschen mit einer Behinderung sind oft von Kursen an Musikschulen ausgeschlossen, da sie wegen ihres Handicaps besondere Bedürfnisse haben. Das Projekt „Musek fir all Mënsch“ in der Gemeinde Kayl-Tetingen will dem Abhilfe schaffen.

Sobald ihr Kind Interesse an Musik zeigt, ist der erste Gedanke vieler Eltern, ihm einen geordneten Musikunterricht zukommen zu lassen. Der Weg in die Musikschule liegt für die meisten musikbegabten Kinder deshalb auf der Hand. Allerdings steht dieser nicht alle offen. Wenn diese Kinder oder Jugendlichen an einer körperlichen oder geistigen Behinderung leiden, ist ein Einschreiben an einer Musikschule oder am Konservatorium oft unmöglich, weil es dort an geeignetem Personal fehlt.

Info

Musek fir all Mënsch
Wo? Schungfabrik, Tetingen
Kursleiter: Claude Schenten
Mail: claude.schenten@pt.lu
Tel.: 621 453 014
Weitere Informationen:
Guy Assa, Kulturbeauftragter der Gemeinde Kayl/Tetingen
Mail: guy.assa@kayl.lu
musikfirallmensch@kay.lu
Tel.: 56 66 66 390

Die gemeinnützige Vereinigung „Käl-Téiteng hëlleft“ will dem Abhilfe schaffen. Seit diesem Sommer wird in der Gemeinde Kayl-Tetingen ein inklusiver Musikunterricht angeboten, zunächst in einer Testphase von zwei Jahren. Die Idee zu diesem inklusiven Musikunterricht stammt von Claude Schenten, früherer Lehrbeauftragter bei der „Education différenciée“ für das Fach „Musik und Bewegung“.

Ein Musikkurs, der besonderen Bedürfnissen Rechnung trägt

Durch seine Arbeit wurde er sich der Tatsache bewusst, dass Menschen mit spezifischen Bedürfnissen größtenteils vom herkömmlichen Musikunterricht ausgeschlossen sind und eine spezifische Lehrmethode benötigen. So entstand die Idee zu einem Musikkurs, der diesen Bedürfnissen Rechnung trägt.

Schenten absolvierte hierfür eine Ausbildung an der Akademie der Kulturellen Bildung in Remscheid (Deutschland). Der Unterricht wird in einem Gruppenkurs à anderthalb Stunde pro Woche in der Schungfabrik in Tetingen abgehalten. Die Teilnehmerzahl ist auf sechs bis zehn Schüler begrenzt. Die genaue Anzahl hängt von der Art der Einschränkung der Schüler ab. Der Kurs ist in drei Trimester gegliedert, das jedes unter einem bestimmten Thema steht: Das erste dient der Einführung in die Welt der Musik, das zweite steht im Zeichen des Rhythmus und der Melodie, wobei auf die Resultate des ersten Trimesters aufgebaut wird. Im dritten Trimester widmen sich die Kursteilnehmer dem Weg zur Bühne. Schülern, deren Handicap ihnen nicht ermöglicht, an einem Gruppenkurs teilzunehmen, werden Einzelkurse angeboten.

Man muss nicht Noten lernen, um Musik machen zu können

Neben dem spezifischen Unterricht, in dem Schenten auf die Behinderung des Einzelnen eingeht, ist er auch der Auffassung, dass man nicht unbedingt Noten lernen muss, um Musik zu lernen. „Wenn Kinder mit Fußballspielen anfangen, gibt man ihnen sofort einen Ball, man beginnt nicht damit, ihnen einen Fußballplatz auf ein Stück Papier zu malen und die Theorie zu erklären.“ So ähnlich solle es mit der Musik vonstattengehen.

Als Instrumente stehen zur Auswahl Perkussion, Klavier und Blechbläser. Auch ein Gesangsunterricht ist geplant. Die einzige Teilnahmebedingung: Die Teilnehmer müssen mindestens sechs Jahre alt sein. Ansonsten – und das betont Claude Schenten ganz besonders – steht der Kurs jedem offen, der sich in einem herkömmlichen Musikkurs nicht zurechtfindet: „Wir wollen niemanden ausschließen.“ Momentan wird Schenten den Kurs allein betreuen. Falls die Anzahl der Teilnehmer es erfordert, wird ihm ein Betreuer zur Seite gestellt werden.

Finanziert wird der Kurs von der „Oeuvre nationale de secours Grande-Duchesse Charlotte“, die Einrichtungen werden von der Gemeinde zur Verfügung gestellt. Für die Gruppenkurse wird ein Gratistransport aus den Gemeinden bereit stehen, die eine Vereinbarung mit der Düdelinger Musikschule haben (Roeser, Weiler-la-Tour, Bettemburg).
Obwohl der Kurs bereits begonnen hat, sind noch freie Plätze verfügbar.

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