Das Kaleidoskop-Theater zeigt eine insgesamt gelungene Inszenierung des Frisch-Klassikers und nimmt sich so eines aktuellen Themas an.

Weltweit sind sie wieder unterwegs: Wieder einmal macht das Wort Brandstifter die Runden, wenn von Populisten die Rede geht, die das Volk aufwiegeln und gegen alles stänkern, was eine demokratische Gesellschaft ausmacht.

INFO

Regie: Heidemarie Gohde
Mit: Véronique Kinnen, Luc Lamesch, Jean-Paul Maes, Elena Spautz, Alexander Ourth
Weitere Vorstellungen:
17., 18., 23. und 24. Januar, 1. und 2. Februar um 20.00 Uhr, 3. Februar um 17.30 Uhr
Wo? Schloss Bettemburg
Infos: www.kaleidoskop.lu

Max Frischs Stück wird oft als Warnung vor der Gleichgültigkeit der Massen vor der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten verstanden, was genau genommen nicht stimmt. Geschrieben hatte Frisch das Stück 1948 nach der Machtübernahme der Kommunisten in der damaligen Tschechoslowakei. Aber da Stalinismus und Nazismus ja nur zwei Spielarten des Totalitarismus sind, kann man es heute durchaus wieder als Warnung vor dem Wiederaufleben des Faschismus in Europa verstehen.

Den Text von Max Frisch brauchte das Kaleidoskop-Theater nicht zu ändern, da er nichts von seiner Aktualität verloren hat, denn die Brandstifter sind wieder mitten unter uns. Doch obwohl oft gesagt und geschrieben wird, man müsse aus der Geschichte lernen, stellen sich viele Politiker blind und verharmlosen die rechten Hetzer. Dabei handeln diese nicht weniger offen als Max Frischs „Brandstifter“.

In dem Stück nimmt Gottlieb Biedermann, ein Haarwasserfabrikat, zwei Obdachlose bei sich auf. Obwohl die beiden offen über Brandstiftung reden, Benzin auf seinem Dachboden lagern, Zündschnüre legen und zu guter Letzt ihn sogar um Streichhölzer bitter, weigert er sich, die beiden als das zu betrachten, was sie sind: die schon lange polizeilich gesuchten Brandstifter.

Mit Gutmütigkeit Gutmenschen täuschen

Sie sagen ihm sogar offen, wie sie die Gutmenschen und Kleinbürger täuschen: mit Gutmütigkeit und Offenheit. „Aber die beste und sicherste Tarnung ist immer noch die blanke und nackte Wahrheit. Komischerweise. Die glaubt niemand“, sagt ihm Eisenring, einer der Obdachlosen.

Erstens will Biedermann nicht als Spießer erscheinen, zweitens glaubt er , er könne das Schicksal abwenden, indem er auf gut Freund mit den beiden macht. Wenn sie von Brandstiftung reden, glaubt er, sie machten Scherze.

Regisseurin Heidemarie Gohde hält sich bei ihrer Inszenierung weitgehend an das Original, lediglich das Nachspiel wurde weggelassen und es werden zwei Szenen hinzugefügt: In einer davon macht die Haushälterin (gespielt von Elena Spautz) ihrem Ärger in mehreren Sprachen Luft.

Gute Schauspieler, hervorragende Elena Spautz

Die Schauspielerleistungen konnten insgesamt gefallen, mit Ausnahme der erwähnten Elena Spautz, die wir sehr gut fanden. Die junge Schauspielerin, die dem Tageblatt bereits in dem Stück „Winterstarre“ positiv aufgefallen war, kann auch hier wieder mit einer sehr guten Darbietung punkten: einer angepassten Körpersprache, schönen Mimik und sparsamen Gestik. Es ist erfrischend, eine junge Schauspielerin zu sehen, die sich nicht nur durch wildes Händefuchteln ausdrückt.

Eine zweite hinzugefügte Szene scheint als Alibi zu dienen, um der schönen Stimme von Véronique Kinnen – der Darstellerin von Biedermanns Ehefrau Babette – eine Bühne zu bieten.

Ein Lob auch an den/die Bühnenbildner(in): Der undankbaren Tatsache der übergroßen Bühne im Bettemburger Schloss, wurde dieses Mal Rechnung getragen, in dem die offenen Flächen auf ein Minimum reduziert wurden, was der Optik sehr zugute kam.

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