KälteeinbruchVon wegen „Russenpeitsche“: Wie kalt es in Luxemburg (wahrscheinlich) wirklich wird 

Kälteeinbruch / Von wegen „Russenpeitsche“: Wie kalt es in Luxemburg (wahrscheinlich) wirklich wird 
In Deutschland überbieten sich derzeit die Macher der Winter-Schlagzeilen Grafik: Editpress/Frank Göbel

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Russenpeitsche? Schneebombe? Oder doch: eine Nummer kleiner? Während man sich bei den deutschen Nachbarn offenbar darauf einstellt, metertief eingeschneit zu werden, wird es in Luxemburg zwar auch kälter – aber in etwa nur so kalt wie in einem Kühlschrank. Und nicht wie in einer Tiefkühltruhe.

Besonders in Deutschland gibt es derzeit offenbar einen medialen Überbietungswettbewerb darin, das Wetter für die kommenden Tage möglichst spektakulär vorherzusagen: So heißt es etwa am 6. Dezember „Kälte-Klops friert alles ein“, „Schneebombe bringt 50 bis 60 Zentimeter Schnee und Dauerfrost bis -20 Grad!“ bei den Stuttgarter Nachrichten oder „Wetterdienst rechnet mit Schneesturm und minus 20 Grad“ bei der Kreiszeitung. Gemeinsamer Kern der Meldungen: Ein „Kältehoch“ über Sibirien, von dem aus sehr, sehr kalte Luft ins Ausland (aus russischer Sicht) schwappen soll.

Auffallend ist aber, dass die konkreten Vorhersagen über die jeweils nächsten Tage eher unspektakulär bleiben. Eine Google-Suche fördert jedenfalls (am Donnerstagnachmittag) fürs entferntere Deutschland (Berlin) im heftigsten Fall Temperaturen von sieben Grad unter null zutage – und das bezieht sich auf die Nacht des Donnerstags in einer Woche.

Sollte es schneien, gibt es auch die Chance, dass der Schnee ein paar Tage liegen bleibt
Sollte es schneien, gibt es auch die Chance, dass der Schnee ein paar Tage liegen bleibt Foto: Pixabay

In Trier sollen die Temperaturen da auch „nur“ auf vier Grad unter null abfallen. Für Esch/Alzette gibt es ähnliche Werte – die zweifelsfrei Kälte bedeuten, aber eben wenig gemein haben mit einer „Russenpeitsche“ (ein Wort, das auch die Boulevardpresse erfunden hat).

Auch bei den regionalen Vorhersagen findet man jedenfalls keine übermäßig heftigen Temperaturstürze – obwohl tatsächlich, unter anderem, ein ungewöhnlich großes Kältehoch über Sibirien derzeit große Auswirkungen auf das Europa-Wetter hat. Aber: „Luxemburg bekommt von dieser ganzen Geschichte nicht allzu viel mit“, schätzt etwa Philippe Ernzer, Betreiber der Website MétéoBoulaide, die Lage ein. „Es wird insgesamt schon kälter, vielleicht sind bis Mitte nächster Woche mal 7 Grad unter null möglich.“

Es gebe jedenfalls derzeit ein „sehr interessantes Strömungsbild“, das unter anderem durch Tiefs über dem Atlantik, aber eben hohem Luftdruck über Nordeuropa, Russland und Sibirien geprägt sei.

Schneit es? Schwer zu sagen.

Das „Vb-Tief“ („V“ gesprochen als „fünf“), ein generell chaotisches und eher weniger erforschtes Wesen in der Meteorologie, das am Mittwoch noch vor Portugals Atlantikküste lag, schiebt sich derzeit und in den nächsten Tagen Richtung Mittelmeer und wohl auch Richtung Norditalien und an die Alpen: Wenn die dabei transportierten, ziemlich feuchten Luftmassen dann aus Richtung Sibirien Polarkälte abbekommen, sind Schneefälle praktisch programmiert: Allerdings, so Ernzer, zeigten die verschiedenen von ihm betrachteten Modelle bereits, dass sich das ganz heftige Geschehen wohl sehr weit entfernt von Luxemburg abspielen werde: „Der meiste Schnee wird sich auf die Alpen, Tschechien, Polen und Österreich fixieren.“

Aber auch hierzulande dürfe man sich auf eine neue Lage einstellen gegenüber den vergangenen Tagen – und vor allem den vergangenen Wochen, die ja eher mild verliefen. „Generell geht es jetzt auf Dauerfrost zu, und zwar so, dass wir unter dem langjährigen Mittelwert liegen“, sagt Ernzer. Vor allem Richtung der Monatsmitte sei sicherlich auch Schneefall drin – die Situation derzeit aber sehr unwägbar, sodass „es ganz spontan schneien kann, egal an welchem ​​Tag. Dafür haben wir zwar die richtigen Luftmassen, aber kurzfristig kommt es darauf an, unter welcher Strömung wir uns bewegen.“

Rettungskräfte sind nach einem Erdrutsch auf der italienischen Insel Ischia im Einsatz
Rettungskräfte sind nach einem Erdrutsch auf der italienischen Insel Ischia im Einsatz Foto: Salvatore Laporta/AP/dpa

Unschöner Sonntag

Auch der staatliche Wetterdienst MeteoLux sieht für die nächsten Tage zwar Kühlschranktemperaturen voraus – aber keine, die zu einer Tiefkühltruhe passen würden: Tagsüber pendeln die Temperaturen um den Gefrierpunkt herum und sacken auch nachts nur bis zu minus vier Grad ab. Und nur für Sonntag wird etwas Niederschlag in Form von „leichtem Schneeregen“ erwartet: Der Tag wird mit nicht einer prognostizierten Sonnenstunde sowieso eher unwirtlich.

Unabhängig von möglichem Schneefall sei der tagelange Kälteeinbruch inklusive Dauerfrost ungewöhnlich – auch für einen Dezember, findet Wettermann Ernzer: „Vor allem im Vergleich mit den letzten Jahren sind wir dieses Jahr sehr früh dran“, sagt der Experte im Gespräch mit dem Tageblatt und erinnert: „Es ist ja immer noch kalendarischer Herbst!“ Immerhin könnten die Temperaturen ab Mitte nächster Woche nochmals etwas ansteigen – um dann eventuell erneut in die Tiefe zu sacken. Nachdem es lange eher ruhig war, kann der 24-Jährige jedenfalls feststellen: „Ich bin schon sehr gespannt, wie sich das Wetter jetzt entwickelt!“

Endlich wieder ein „normaler Winter“?

Wegen des früh-kalten Winterwetters sofort den Klimawandel (der ja üblicherweise mit zu hohen Temperaturen verbunden wird) zu bezweifeln, davon rät Ernzer ab – zum Beispiel mit Blick auf das Mittelmeer: „Was im Moment dort los ist, ist auf jeden Fall auf den zu warmen Sommer zurückzuführen“, sagt er. „Die Wasseroberflächen sind immer noch sehr warm und wenn sich Tiefs darüber gesellen, bilden sich Gewitter und Starkregenbänder.“

Es werde wahrscheinlich wieder zu Überschwemmungen und Stürmen kommen. Dabei könnte die Region gerade etwas Ruhe sicherlich vertragen: Alleine auf der süditalienischen Insel Ischia waren nach einem Erdrutsch nach tagelangen Unwettern gerade zwölf Tote zu beklagen. (fgg)

Gronk
9. Dezember 2022 - 19.11

Ich kann mich noch gut an die vielen tollen Winterjahre aus meiner Kindheit und Jugend erinnern. An sehr viel Schnee, an glatte Straßen und an tolle Schlittenfahrten. wir nannten es "Winter"
Ich bin keiner, der die Medien nicht leiden kann. Im Gegenteil. Es gibt eine enorme Anzahl an Zeitungen und Nachrichtensendungen, die (auch) Online erreichbar sind. Die eine oder andere Zeitung/ Sender wollen halt immer noch eins drauf legen, und dann kommen da schon so Bombast-Schlagzeilen wie "Schneebombe" usw bei raus.
Ich bin auch kein vehementer Klimaleugner, doch bei solchen "Schlagzeilen" muss ich dann doch schmunzeln oder gar den Kopf schütteln.

Romain
9. Dezember 2022 - 11.50

Der Winter ist nun mal bekannt kälter zu sein Schneefall kann möglich sein