Heikki Kovalainen und Timo Glock als überraschende Gewinner, Lewis Hamilton als glücklicher Verlierer und Felipe Massa als moralischer Sieger: Die elfte Runde in der emotionalen Formel Achterbahn hat in Budapest wieder einmal alle Prognosen über den Haufen geworfen.

„Diese Saison ist schon eine ganz besondere“, sagte Mercedes-Sportchef Norbert Haug, der im Augenblick des Silberpfeil-Sieges Mitgefühl mit Pechvogel Massa zeigte, dessen Hoffnungen auf den Sieg und die WM-Führung sich drei Runden vor Schluss in weißen Rauch aufgelöst hatten. „Schade für Felipe, das tut mir wirklich leid für ihn und Ferrari“, meinte Haug: „Aber wir kennen so etwas auch – zum Beispiel von Mika Häkkinen 1999 in Barcelona. Aber die wichtigste Aufgabe im Motorsport ist, ins Ziel zu kommen, so simpel sich das auch anhört.“
Von Massas Motorschaden profitierten die Silberpfeile gleich doppelt. Neben dem Premieren-Erfolg des Finnen Kovalainen baute der Brite Hamilton seine Führung in der Gesamtwertung weiter aus, obwohl er selbst nach einem Reifenschaden nur Fünfter anstatt sonst mindestens Zweiter geworden war und nach zuvor zwei Siegen in Silverstone und Hockenheim die Chance auf den ersten Hattrick in der Formel 1 seit Michael Schumacher im Sommer 2006 verpasst hatte. „Für einen schlechten Tag war das ein großartiges Resultat“, meinte McLaren-Chef Ron Dennis. Hamilton liegt vor der dreiwöchigen Sommerpause und dem Premierenrennen in Valencia am 24. August mit 62 Zählern jetzt fünf Punkte vor dem in Budapest drittplatzierten Titelverteidiger Kimi Räikkönen (Finnland/57) und acht Punkte vor dessen Teamkollegen Massa (54). Ohne den Motorschaden kurz vor Schluss hätte Massa mit drei Punkten Vorsprung vor Hamilton die Spitze übernommen.
Der Brasilianer haderte aber nicht lange mit der verpassten Chance, sondern versuchte die positiven Aspekte seines bis zum abrupten Ende quasi perfekten Rennens herauszustellen. „Natürlich bin ich sehr enttäuscht, aber wir werden zurückschlagen. Die Zuversicht ist trotzdem da. Auch nach einem Rennen wie diesem zählt das, was wir gezeigt haben. Wir hatten großartiges Tempo und ein fantastisches Teamwork. Das ist gut für die nächsten Rennen“, sagte Massa, der sich am Start mit einem mutigen Manöver an Kovalainen und Hamilton vorbei an die Spitze katapultiert hatte.

Moralischer Sieger

Auch die italienischen Medien sprachen dem moralischen Sieger viel Trost zu. „Was kann Ferrari von einem Piloten noch mehr verlangen? Massa hat ein perfektes Rennen bestritten“, schrieb die Gazzetta dello Sport. „Beeindruckender Massa: Sein Auto verrät ihn drei Runden vor dem Triumph“, titelte Corriere dello Sport, während Corriere della Sera bis zum Ausfall Massas „schönstes Rennen seines Lebens“ gesehen hatte.
Für Kovalainen war der unerwartete erste Sieg unterdessen der perfekte Abschluss eines Wochenendes, das mit seiner Bestätigung als Stammpilot für 2009 begonnen hatte. „Das ist ein großartiger Moment für mich und mein Team, dass mit mir durch all die schwierigen Zeiten gegangen ist“, sagte der Finne. „Auf dieses Ziel habe ich hingearbeitet, seit ich die Chance gesehen habe, irgendwann einmal in der Formel 1 zu fahren.“ Für Haug hat Kovalainen, der schon mehrfach in dieser Saison Pech hatte, diesen Erfolg verdient. „Von seinen Leistungen und ohne die Fehler, für die er nichts konnte, wäre er auch in der Lage gewesen, im Kreis der Top-Punktesammler mitzumischen.“
Noch überraschender als Kovalainens Sieg kam der zweite Platz von Glock, noch dazu, weil der Toyota-Pilot aus Deutschland seine Klasse-Leistung trotz heftiger Magenkrämpfe geliefert hatte. „Von den zwei Litern in meiner Flasche habe ich vielleicht nur 0,2 Liter getrunken. Und zwischendurch habe ich schon mal nach einer Toilette gesucht“, meinte Glock, der nach dem Erfolg aber auch noch die Zusatzschicht mit Siegerehrung, Team-Party und InterviewMarathon durchhielt und sich danach auf ein paar Tage Urlaub freute.
Für Toyota waren die zehn Punkte für Glocks zweiten und den siebten Rang von Jarno Trulli (Italien) die beste Ausbeute seit dem Ungarn-GP vor drei Jahren (11 Punkte durch Ralf Schumacher und Trulli) und die fünftbeste insgesamt. Aus der Saison 2005 stammt auch das bisher beste Toyota-Ergebnis. Trulli und Schumacher waren in Bahrain damals Zweiter und Vierter.