In einem prallgefüllten Charterflugzeug begab sich der Progrès Niederkorn gestern auf die Reise nach Irland. Sechs Tage nach der Rückkehr aus Cardiff trifft der Tabellenvierte der BGL Ligue heute in der ersten Runde der Europa League auf Cork City. Doch der irische Boden liegt den Luxemburgern nicht.

Von allen Europapokalduellen der nationalen Geschichte endete noch keiner mit einem Sieg auf beiden Inseln. Ausgerechnet dort will Niederkorn aber zweimal in diesem Sommer hin. Zweitrundengegner wären wie 2017 höchstwahrscheinlich die Glasgow Rangers, die für den Verein von Präsident Fabio Marochi eine Art Wiedergeburt auf der internationalen Bühne darstellen.

Neues Leben wollten die Vereinsverantwortlichen nach dem Abgang von Aleksandre Karapetian auch im Sturm entfachen. Die verletzungsbedingten Ausfälle der Neuzugänge Florik Shala und Christian Silaj (beide sind wieder fit) hatten den Klub zu einer kurzfristigen Entscheidung verleitet: Am Freitag wurde Kempes Tekiela (Borussia Dortmund II) auf der UEFA-Liste nachgemeldet und am Montag den neuen Teamkollegen präsentiert.

Leidenschaftliche Fans und ein starkes Team 

Spielberechtigt ist jetzt auch Jacky Mmaee. Trainer Roland Vrabec hat zumindest im Offensivbereich mittlerweile die Qual der Wahl – und es wird ihn freuen. Gestern ließ der neue Coach bereits durchblicken, dass der Ex-BVB-Kicker durchaus einen Platz in der Startelf ergattern könnte.

Nach einer anstrengenden vierstündigen Busfahrt von London nach Wales entschied sich der Klub diesmal für eine energiesparendere Anreise per Charterflug. Mit der Bezeichnung „sehr intensiv“ hatte Vrabec gestern auf die Strapazen der vergangenen Woche zurückgeblickt. „Wichtig ist, dass wir es schaffen, die Spannung jetzt hochzuhalten. Zielgerecht haben wir eigentlich nur von Samstag bis Montag trainiert. Danach wurde wieder zurückgeschraubt“, erklärte der Trainer. Positiv stimmt ihn die Einstellung und die Mentalität seiner Truppe, die sich nach der Pleite in Cardiff unzufrieden zeigte.

Einen ersten Eindruck des 7.385-Plätze-Stadions „Turner’s Cross“ verschaffte sich die Mannschaft gestern beim Abschlusstraining. Es ist die Heimat feuriger Fans und einer deutlich spielstärkeren Mannschaft, als es Cardiff Met gewesen ist. „Wir werden defensiv mehr gefordert werden“, sagte Vrabec. Angriffslustig, bei Ecken gefährlich und mit einer Dreier-Verteidigerkette, „gegen die wir neue Lösungen suchen müssen“, beschrieb er den Gegner.

Das Glück der Iren

Das bis auf eine Ausnahme ausschließlich aus Einheimischen bestehende Team steckt mitten in der Meisterschaft. Auf einen Dreier wartet die Elf von Trainer Frank Kelleher seit dem Premier-League-Sieg am 20. Mai gegen UC Dublin (ein Team, an dem sich der F91 bereits die Zähne ausgebissen hat). Seither rutschte man in der Tabelle auf Platz sieben und die Formkurve zeigte nach unten: Vier Niederlagen und vier Remis standen in Pokal, Meisterschaft und dem Testspiel gegen Preston North End (0:2) zu Buche. Cork-Rechtsverteidiger Colm Horgan warnte vor den Luxemburgern: „Es scheinen ordentliche Fußballer zu sein, die technisch stark sind.“

Aus dem Kader stechen noch andere Spieler heraus: Der 29-jährige Mittelfeldspieler Conor McCormack wurde u.a. bei Manchester United ausgebildet, musste den Verein als 17-Jähriger verlassen. Oldie Alan Bennett ist bereits 37 und kein Stammspieler mehr. Der Innenverteidiger ist zweifacher irischer Nationalspieler, mit reichlich League Two Erfahrung (4. Liga Englands), 2009 spielte er mit dem FC Brentford in der League One. Aufpassen muss Niederkorn auf Graham Cummins. Der Mittelstürmer war für fünf Meisterschaftstreffer verantwortlich (18 Einsätze) und ist damit derzeit Toptorschütze.

Das Rückspiel findet am 18. Juli in Oberkorn statt.

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