BIL/Cargolux

10. September 2012 12:21; Akt: 10.09.2012 18:56 Print

Opposition fordert KlarheitOpposition fordert Klarheit

Nach Ansicht des DP-Fraktionschefs Claude Meisch sollte der Finanzminister dem Finanzausschuss des Parlaments weitere Informationen zum Verkauf der BIL geben. Fr. Bausch ("déi gréng") will eine Orientierungsdebatte.

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Claude Meisch (DP) möchte Luc Frieden im Finanzausschuss hören, François Bausch ("déi gréng") wünscht sich eine öffentliche Debatte im Parlament. (Bild: Pierre Matgé)

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Wurde die BIL unter Wert verkauft? Wer muss das Geld zuschießen, damit die Bank die von der EU geforderte Höhe bei der Eigenkapitalquote erreicht? Dem Verkaufsvertrag mit Dexia-Gruppe ist es die Dexia selbst. Waren andere Anbieter im Spiel, wurden ihre Angebote nicht geprüft – diese Fragen sollte Finanzminister Luc Frieden demnächst im parlamentarischen Finanzausschuss beantworten, so der liberale Fraktionschef Claude Meisch Tageblatt.lu gegenüber. Die Einladung an Frieden erfolgte am Nachmittag in einem Schreiben an Parlamentspräsident Laurent Mosar.

Der Fraktionschef von "déi gréng", François Bausch, fordert eine öffentliche Diskussion im Parlament. Die von seiner Fraktion bereits vor einem Jahr geforderte Orientierungsdebatte zur Entwicklung bei der Dexia-Gruppe müsste im Herbst stattfinden, so Bausch gegenüber Tageblatt.lu.

Wie unabhängig ist Luxemburg von Katar?

Aufklärung wünscht sich auch der Abgeordnete von "déi Lénk", Serge Urbany. Unter anderem möchte er Aufschluss über das Package haben, das zwischen 2009 und 2011 zwischen Luxemburg und dem Emirat von Katar ausgehandelt wurde. Gemeint ist u.a. der Kauf der KBL und der BIL durch Precision Capital und der Kauf eines Drittels der Cargolux-Aktien durch Qatar Airways. Urbany wirft die Frage nach der wirtschaftlichen und politischen Unabhängigkeit Luxemburgs angesichts des starken wirtschaftlichen Gewichts eines anderen Staats auf.

Die belgische Zeitung "L’Echo" hatte am Samstag Luxemburg vorgeworfen, allein auf den Katar als Käufer der BIL gesetzt zu haben. Die Bank war aus der maroden Dexia-Gruppe herausgelöst worden und für 730 Millionen Euro an den katarischen Investitionsfonds Precision Capital verkauft worden. Zuerst war jedoch von 1,5 Milliarden Euro die Rede gewesen.

Parallelen zum Cargolux-Deal

Die Ereignisse um den Verkauf der BIL rufen jene um die Veräußerung eines Drittels der Cargolux-Anteile im vergangenen Jahr in Erinnerung. Sie waren an die katarische Fluggesellschaft Qatar Airways verkauft worden. Die chinesische Unternehmensgruppe HNA, Besitzerin mehrerer Fluggesellschaften unter anderem Yangtze River Express, hatte mehr geboten: 175 Millionen statt 117,5 Millionen, die Qatar Airways hinblätterte. Die Chinesen wären sogar bereit gewesen, ihre Beteiligung auf 49 Prozent zu erhöhen. Außerdem hätte HNA mittelfristig ihr Stabsquartier für ihre Investitionen in Europa und Afrika in Luxemburg eingerichtet. Die Folge des Neins aus Luxemburg ist in der Zwischenzeit bekannt: Yangtze River Express hat sich am Flughafen Hahn niedergelassen.

(Tageblatt.lu)

Ausgewählte Leser-Kommentare

Diese Affäre ist ein regelrechter Skandal! Viel, viel schlimmer als die Angelegenheit um das nationale Fussballstadion. Hier geht es um die künftige Ausrichtung unseres Finanzplatzes, ob dieser gemäss den Gesetzen des islamischen Finanzrechts funktionnieren wird, oder weiterhin unter den westlich-europäischen Regeln. Wird hierzulande künftig nach dem islamischen Recht, also der Sharia, verfahren, oder weiterhin nach dem fortschrittlichen, westlichen Rechtssystem. Das Emirat Katar jedenfalls versetzt uns um Jahrhunderte zurück. Ist das der Wunsch des Volkes? – de Philosoph

  • de Philosoph am 10.09.2012 21:31 Report Diesen Beitrag melden

    Mit dem Katar zurück ins 15. Jahrhundert

    Diese Affäre ist ein regelrechter Skandal! Viel, viel schlimmer als die Angelegenheit um das nationale Fussballstadion. Hier geht es um die künftige Ausrichtung unseres Finanzplatzes, ob dieser gemäss den Gesetzen des islamischen Finanzrechts funktionnieren wird, oder weiterhin unter den westlich-europäischen Regeln. Wird hierzulande künftig nach dem islamischen Recht, also der Sharia, verfahren, oder weiterhin nach dem fortschrittlichen, westlichen Rechtssystem. Das Emirat Katar jedenfalls versetzt uns um Jahrhunderte zurück. Ist das der Wunsch des Volkes?

    • de Misch vun der Gare am 11.09.2012 10:56 Report Diesen Beitrag melden

      @ de Philosoph

      Also wenn man sieht, wie weit die Kataris es mit ihrem um "Jahrhunderte zurückversetzten" System gebracht haben, dann müsste man doch eigentlich zur Feststellung kommen, dass unser System angesicht der kolossalen Staats-, Banken- und Privatschulden nicht gerade viel aufzuweisen hat, oder?

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  • de klenge Stëppler am 10.09.2012 16:59 Report Diesen Beitrag melden

    Frieden an d' DP

    De Meisch muss mat sénger DP oppassen, soss huet de Frieden déi och nach un de Quatar versëlwert .

    • Henri Ernzen am 10.09.2012 18:27 Report Diesen Beitrag melden

      Un déi anonym "klëng Stëppler".

      Wie verstoppt sech dann do "klenge Stëppeler" ? Den Här Meisch an all déi aner "honorabel Damen an Hären" déi Dech a mech an der Chamber vertrieden, wëssen och (ech hoffen emol) datt alleng de "Parc Immobilier" vun der DEXIA-BIL, elo erëm BIL, méi ewéi eng Milliard (1.000.000.000) EURO wäert ass. Wisou seet dann do zanter Méint keen, datt dat net ka sinn. Do ass jo och en Audit gemaach ginn, ooooodeeeeer ?

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  • Harry Haller am 10.09.2012 15:14 Report Diesen Beitrag melden

    Wie Dumm ist das Volk ?

    Also wieder ein kleiner Skandal, der wie Wickringen etc elegant unter den Teppich gekeht werden wird. Frei nach dem Prinzip, wir die Politker haben entschieden und somit ist alles gut. Die einzige fundamentale Frage ist: Wie dumm ist das Luxemburger Volk? Müssten wir nicht mal langsam aber sicher auf die Strassen gehen und dieser Misere ein Ende setzen ? Oder werden wir bei den nächsten Wahlen wieder den gleichen Mist wählen und durchgehen lassen ?

    • Harry Letzentopert am 10.09.2012 16:19 Report Diesen Beitrag melden

      Nein, Harry Haller,

      wir gehen nicht auf die Strasse, aber jadoch, Harry Haller, natürlich wählen wir die wieder die uns in den Ruin treiben.

    • jang am 10.09.2012 18:31 Report Diesen Beitrag melden

      NIE, Harry Haller

      Auf die "Strasse", NIE, nicht die paar Hunderttausend Luxemburger "Waschlappen". DIE NICHT.

    • mariejo schuler am 10.09.2012 20:24 Report Diesen Beitrag melden

      @jang

      Net all Lëtzebuerger ass e Waschlappen. Et sinn der e Grapp voll, déi sech wieren, mä do sinn der ewéi s du net derbäi, well déi meescht zéien de Schwanz bäi, ech si schonn e puer Mol op d'Strooss streike gaangen, an ginn och weider op d'Strooss, mä dech gesinn ech garantéiert net do.

    • Helmut Wyrwich am 11.09.2012 08:46 Report Diesen Beitrag melden

      Die Kirche im Dorf lassen

      Es gibt keinen Skandal. Die KBL ist von der belgischen Mutter, KBC, verkauft worden, weil Brüssel das wünschte. Die BIL ist von der belgischen Mutter, Dexia, verkauft worden, weil Dexia aufgelöst wird. Die muss nun für das nötige Kapital sorgen. Interessant ist lediglich, warum die Familie Rowland nicht zum Zuge kam, die zuvor schon die Dresdner Bank kaufen wollte. Aber das ist Privatsache der Dexia. Luc Frieden war bei der BIL Makler im Gefahrenfall. Der einzige Fall, der wirklich politisch zu sehen ist, ist der Verkauf der 35 Prozent des Cargolux Kapitals an Qatar Airways.

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