Groẞregion des Handwerks

22. Juni 2012 13:59; Akt: 22.06.2012 14:26 Print

Saarland, ein Modell für LuxemburgSaarland, ein Modell für Luxemburg

Die Großregien - ihr werden Konferenzen und Seminare gewidmet, doch Fälle konkreter, grenzüberschreitender Zusammenarbeit sind selten. Das Handwerk zeigt, wie es gehen könnte.

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Grenzüberschreitende Berufsausbildung. Lothringen und das Saarland tun es. Bei den einen fehlen Ausbildungsplätze, bei denen anderen die Lehrlinge. (Bild: dpa)

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Einer der wichtigsten Bereiche in der Großregion Saar-Lor-Lux ist das Handwerk. Hier beschäftigen 171.000 Betriebe 700.000 Menschen. Grenzüberschreitend sucht das Handwerk neuerdings auch die Jugendarbeitslosigkeit zu bekämpfen.

Im Saarland hat es im vergangenen Jahr 9,4 Prozent weniger Auszubildende gegeben als im Jahre 2010. Das saarländische Handwerk hat 800 freie Ausbildungsplätze und sucht händeringend Nachwuchs. In Lothringen liegt die Jugendarbeitslosigkeit bei 25 Prozent, in einzelnen Stadtteilen in der Grenzregion noch höher.

Es hat lange nicht so ausgesehen, als ob man die freien Plätze im Saarland mit lothringischen Jugendlichen besetzen könne. Das französische Ausbildungssystem liegt in der Hand der Regionen. Die Jugendlichen werden von staatlichen Stellen betreut. Dr. Justus Wilhelm, in der Handwerkskammer des Saarlandes zuständig für die Ausbildung: „Es gibt dann auch weitere Probleme. Wie ist das mit der Versicherung? Was geschieht mit Jugendlichen, die nach ihrer Ausbildung nach Lothringen zurück gehen? Wie werden sie aufgenommen?“

Wilhelm: „ Wir sind auf die lothringische Arbeitsverwaltung zugegangen und haben dort offene Türen vorgefunden. Die Mitarbeiter in Lothringen freuen sich, mit uns einen Teil der Jugendarbeitslosigkeit lösen zu können. „Wir bieten an“, sagt Wilhelm, dass lothringische Jugendliche, die im Saarland eine Ausbildung machen wollen, zunächst einen Sprachkurs machen. Diesen Sprachkurs bezahlt die Handwerkskammer des Saarlandes. Danach können diese Jugendlichen eine Ausbildung in einem saarländischen Handwerksbetrieb beginnen. Wir kennen die Betriebe. Wir kennen den Bedarf. Wir wissen, welche Berufe angeboten werden.“ Voraussetzung ist aber, dass dies völlig freiwillig geschieht", betont Wilhelm. „Die französische Arbeitsverwaltung hat bisher 15 Jugendliche gefunden, die bereit wären, diesen Weg zu gehen“, sagt er.

Fehlende Ausbildungsplätze

Was zwischen Saarland und Lothringen ganz pragmatisch gelöst wird, scheint zwischen Luxemburg und Trier nicht so ganz zu funktionieren. „In Luxemburg gibt es mehr Jugendliche, die eine Handwerksausbildung machen wollen, als es Plätze gibt“, sagt Marc Gross von der Handwerksammer Luxemburg. Nicht auszuschließen, dass die Handwerkskammer Luxemburg und die luxemburgische Arbeitsverwaltung nach saarländisch-lothringishem Modell verfahren und sich zusammensetzen, um die Jugendarbeitslosigkeit in Luxemburg auf dem Weg über Trier zu lindern.

Anders als in Saarbrücken und Trier, wo Zuversicht und Optmismus überwiegen, ist das Handwerk in Luxemburg von Skepsis geprägt, erklärt Marc Gross, Direktor der luxemburgischen Kammer, die Situation im Großherzogtum. Der Geschäftsklima-Index ist seit dem dritten Quartal 2011 bis zum Ende des ersten Quartals 2012 um zehn Punkte gefallen. Die allgemeine Geschäftstätigkeit sei gesunken, Mitarbeiter seien teilweise abgebaut worden. Der Auftragsbestand und auch die Verkaufpreise befänden sich im Sinkflug.

Pessimistische Töne

Ein rasanter Sinkflug sei im Bauwesen zu beobachten. Die Lebensmittelbranche sei nach dem Jahreswechsel in eine Flaute eingetreten. Der Auftragsbestand habe sich um 23 Punkte verschlechtert. In der Druckereibranche habe man den Eindruck, dass dieser Sektor sich neu aufstelle, um seine überschüssigen Kapazitäten abzubauen. „Es ist festzustellen, dass in der Mehrzahl der analysierten Branchen die Indikatoren mehrheitlich einen Abwärtstrend aufweisen und die Zukunftsaussichten nicht sehr ermutigend sind. Insgesamt steigen die Indikatoren nur in seltenen Fällen. Die Margen sind deutlich gesunken und die Zahlungsmoral liegt auf einem niedrigen Niveau“, heißt es in der Frühjahranalyse des luxemburgischen Handwerks.

Ganz anders sieht die Situation in Saarbrücken und in Trier aus. In der Handwerkskammer des Saarlandes sind 86 Prozent mit der Geschäftsentwicklung zufrieden. Bei der Frühjahrsumfrage der Handwerkskammern der Großregion gaben 81 Prozent der begfragten saarländischen Handwerksbetriebe an, dass ihr Auftragsbetand gestiegen ist. Er beträgt im Durchschnitt nun 8,4 Wochen gegen 7,5 Wochen im Frühjahr 2010. Beim Umsatz gaben 72 Prozent der Betriebe eine Steigerung an. Bei einem Viertel der Betriebe lag die Auslastung bei mehr als 90 Prozent. Acht von zehn Betrieben hielten den Personalbestand konstant oder stellten neu ein.

Die Handwerkskammer Trier meldet ähnliche Zahlen. Acht von zehn Betrieben sind mit der aktuellen Geschäftslage zufrieden. Am besten schnitten dort die Metall bearbeitenden und verarbeitenden Betriebe ab.

Krisenfolgen nicht kompensiert

Auch Lothringen will nicht pessimistisch sein. Die Auswirkungen der Krise von 2008 seien noch nicht kompensiert, heißt es in dem Bericht der Handwerkskammer des Mosel-Départenments. Das Bauhandwerk habe 2011 davon profitiert, dass es einen Zuwachs von 20 Prozent bei den Neubauten von Einfamilienhäusern gegeben habe. Auch der Bereich der Renovierungen habe um 1,5 Prozent noch zugelegt. Stabilität verzeichnet der Lebensmittelsektor. Auch die Zahl der Beschäftigten sei um 2,2 Prozent angestiegen.

Es gibt im Vergleich der Großregion gegenüber Frankreich eine Glaswand, die häufig auftritt, weil die Strukturen nicht vergleichbar sind und auch Kooperationen erschweren. So dürfen Handwerksbetriebe nicht mehr als 15 Mitarbeiter haben, was das Wachstum des Handwerks und auch die Ausbildungsmöglichkeiten beschränkt. Stellen sie mehr Personal ein, gelten die Betriebe als Industriebetriebe und unterliegen anderen Besteuerungsregeln. Andererseits hat sich in Frankreich in den vergangenen Jahren die Zahl der „freien“ Handwerker stark erhöht, die ganz alleine arbeiten, häufig, um der Arbeitslosigkeit zu entgehen. Vergleichbar ist diese Tendenz mit der früheren „Ich AG“.in Deutschland.

(Helmut Wyrwich / Tageblatt.lu)

  • Bernard W. am 22.06.2012 15:11 Report Diesen Beitrag melden

    Wo ist hier die "Kooperation"?

    Wenn lothringische Jugendliche im Saarland ausgebildet werden, gehen diese anschliessend auf den luxemburgischen Arbeitsmarkt. Wenn luxemburgische Jugendliche in Trier ausgebildet werden, gehen diese anschliessend in den luxemburgischen Staatsdienst. Anbetracht dessen, dass Herr Biltgen die Studienbeihilfe den Kindern von Grenzgängern verweigert, frage ich mich: Wo ist hier die "Kooperation"?