20. März 2017 14:25;Akt: 21.03.2017 19:14

„Das ist ein besonders krasses Beispiel“

DENKMALSCHUTZ

In Heinerscheid, das Dorf gehört seit 2011 zur Fusionsgemeinde Clervaux, wurden gerade zwei historische Häuser abgerissen. Der Verein „Sauvegarde du Patrimoine“ ist „geschockt“.

 (Bild: Sauvegarde du Patrimoine)

Mit der Geschichte ist niemand zufrieden – bis auf die Eigentümer. Und selbst das weiß man nicht. Fakt ist, das Haus von 1792 in der Straße um Knapp Nummer 4 in Heinerscheid stammt aus dem Jahr 1792, höchstwahrscheinlich sogar noch aus österreichischer Zeit.

Das Haus daneben , um Knapp – Nummer 6, ist ein klassisches Ardennerhaus aus dem Jahr 1857. Beide Häuser sind in Privatbesitz, haben Seltenheitswert und wurden letzte Woche abgerissen. Sie sollen einer Residenz mit acht Wohnungen weichen, die ein privater „Promoteur“ errichtet.

Häuser wichtig für das Erscheinungsbild

Über Denkmalschutz wurde nicht mal ansatzweise nachgedacht. Das sagt der Verein „Sauvegarde du Patrimoine“, der sich seit rund fünf Jahren für den Erhalt solcher Bauwerke einsetzt. „Das ist ein besonders krasses Beispiel für den Umgang mit der Baukultur hier im Land“, sagt Jochen Zenthöfer, der Vizepräsident des Vereins und verweist auf die Bedeutung der im Ortskern gelegen Gebäude für das dörfliche Erscheinungsbild.

„Die Baukultur ist ein wesentlicher Bestandteil der Kultur des Landes“, sagt Zenthöfer, „hier wird zunehmend Kulturgut ohne öffentliche Diskussion zerstört“. Ein fataler Umgang mit der historischen Substanz finden er und seine Mitstreiter. 150 Mitglieder hat der Verein, der sich vor allem im Norden und im Osten engagiert.

Luxemburg: Sehr geringe Denkmalschutzquote

Hinzu kommt die Tatsache, dass die Häuser ganz offensichtlich gut gepflegt waren, wie die Bilder zeigen. „Nummer 6 ist vor eine paar Jahren erst restauriert worden“, sagt Zenthöfer. Es ist auch eine Kritik an der Politik des Landes in dieser Sache. „Luxemburg hat die geringste Denkmalschutzquote in ganz Europa“, sagt der Fürstreiter für den Denkmalschutz. 0,4 Prozent aller Gebäude im Land sind schützenswert und dementsprechend klassiert, in Frankreich sind es nach Angaben der „Sauvegarde“ 3,0 Prozent.

Diese Zahlen stammen aus einer Parlamentsdebatte zum Thema vom 1. Juli 2015, in der sich die Volksvertreter in der „Chambre“ der Sache annahmen. „5.000 Gebäude müssten hier geschützt werden, rund 1.100 sind es nur“, sagt Zenthöfer, der wie CSV-Bürgermeister Emile Eicher Mitglied der Arbeitsgruppe zur Erarbeitung des neuen Denkmalschutzgesetzes war.

Aus dem Fehler lernen

Der Gemeindechef bestätigte auf Anfrage von Tageblatt.lu den Abriss. Er hat schließlich auch die Genehmigung dazu erteilt. „Ich bin überhaupt nicht froh darüber“, sagt er, „wenn ich mehr Bildmaterial zur Verfügung gehabt hätte, hätte ich anders entschieden“. Jetzt bliebe nichts anderes, als aus dem Fehler zu lernen. „Ich habe in ähnlichen Fällen schon mehrmals gute Ergebnisse in persönlichen Gesprächen mit den Eigentümern erzielt“, sagt Eicher. In diesem Fall ist es zu spät. Seine Verwaltung ist angewiesen, zur nächsten Abrissgenehmigung umfassenderes Fotomaterial vorzulegen.

Pikant auf nationaler Eben ist, dass die Hauptstadt zwar über ein Inventar an schützenswerten Gebäuden verfügt, sie aber nicht öffentlich macht. DP-Bürgermeisterin Lydie Polfer hält diese nach Angaben des Vereins unter Verschluss. In Esch wird gerade eine Inventarliste erstellt. „Denkmalschutz ist eine staatliche Aufgabe“, sagt Zenthöfer.

Wiebke Trapp

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  • Fantastico am 21.03.2017 08:49 Report Diesen Beitrag melden

    Wieso hat der staatliche Denkmalschutz versagt? Dieser Fall sollte durchaus einmal Thema eines parlamentarischen Untersuchungsausschusses sein!

  • mathieu am 20.03.2017 21:51 Report Diesen Beitrag melden

    ..eng besonnesch peinlech Ausso vun engem Buergermeeschter, den ganz kloer als "Juge" iwwert d'Qualitéit vum onsem ëffentlechen Raum iwwerfuerdert ass! Esou eng Inkompetenz ass leider keen Eenzelfall. Datt den Inventaire vum gebauten Patrimoine vun der Stad Lëtzebuerg erstallt gëtt - dann awer vun der Figur vun engem Buergermeeschter zréck gehalen gëtt, ass eng grouss Farce an sécherlech een Zeechen vun Arroganz an Ignoranz vis-à-vis vun dem wat haut kaum nach een Handwierker am Stand ass hierzestellen. Déi Qualitéit déi mir haut ofrappen kënnt ni méi zréck!

  • Koneczny am 20.03.2017 21:30 Report Diesen Beitrag melden

    All déi, déi hei esou haard jäitzen "Kultur an Patrimoine an eng Schaan ...." kënne jo gären hiert BetonsHaus verkaafen an dann esou e "schéinen" BauerenHaff / Haus kaafen . Déi Häiser gehéieren engem ( hunn gehéiert) an déi dierfen domadder maachen wat se wëllen. Esou ass d'Gesetz.

    • mathieu am 20.03.2017 22:02 Report Diesen Beitrag melden

      Dir hutt am Prinzip ganz Recht, jiddereen ass Här vun sengem Haus. An dach gëtt et eng gesellschaftlech Verantwortung déi jiddereen ze droen huet. Sécherlech ass net all Mënsch mam Confort vun engem gedrongenen Baurenhaus frou - mee dofir gëtt et onendlech vill Alternativen. Dës Beispill dierf net akzeptabel sinn ! Fir keen ! Mir hunn am Ländchen ronn 400 Architektenbureauën - dorënner och Leit déi eng Händchen fir d'Interventioun am Bestand hunn - et hätt sech ganz sécher eng Léisung fonnt. déi och nach um finanziellen Volet profitabel wier.. wann den Buergermeeschter Kompetenz gewisen hätt!

    • Gardner am 21.03.2017 15:17 Report Diesen Beitrag melden

      @Koneczny. Woher wollen Sie denn auf einmal wissen, wie diejenigen, die sich hier kritisch zu Wort gemeldet haben, bereits wohnen, bzw. was sie bereits privat oder öffentlich für den Denkmalschutz unternommen haben? Ausserdem, da Sie sich ja so gut mit Gesetzen auszukennen scheinen, habe ich hier nirgendwo gelesen, es habe sich jemand nicht ans Gesetz gehalten. Die Kritik gilt den politischen Verantwortlichen, die in Sachen Denkmalschutz aufs Neue versagt haben! Nun mag das Ihnen vielleicht egal sein, vielen anderen aber ganz offensichtlich nicht.

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