Experten aus Rheinland-Pfalz, dem Saarland und Luxemburg sind keineswegs vom Atomkraftwerk Cattenom überzeugt, dennoch geben sie Entwarnung. Eine Arbeitsgruppe unter Leitung von Dieter Majer hat die Ergebnisse des Stresstests, der von der französischen Atomaussicht durchgeführt worden war, näher geprüft. Die deutsch-luxemburgischen Prüfer beanstanden eine Reihe von Mängel, fanden aber nichts was eine sofortige Schließung erfordern würde, hieß es Montagmorgen anläßlich einer Pressekonferenz. Die Kommission fordert jedoch verbindliche Fristen für Nachrüstungen an der Anlage. Sie stellte am Montag die Endfassung ihres Berichts vor.

Majer würde als Experte der Aufsicht nach deutschen Standards die Schulnote 4 (durchgefallen) vergeben und bis zur Nachrüstung die zweitweilige Schließung fordern, sagte er.

Der deutsche Ingenieur kritisierte vor allem das Fehlen eines anlagenübergreifendes Sicherheitskonzeptes. Im Fall von Problemen an mehreren Reaktorblöcken würde das zu einer ähnlichen Entwicklung wie in Fukushima führen. Für den Experten stellt sich zwar nicht die Frage der Unabhängigkeit der französischen Atomaufsicht ASN, wohl aber die, warum ein technischer Mangel unterschiedlich bewertet werde.

Zwischenbericht

Bereits im November 2011 hatte Dieter Majer, zuständiger Ingenieur für Rheinland-Pfalz, das Saarland und Luxemburg beim AKW-Stresstest in Cattenom gesagt, dass der technische Zustand des Kraftwerkes zu wünschen übrig ließe. In dem Zwischenbericht war damals kritisiert worden, dass mögliche Folgen von Flugzeugunfällen auf der Atomanlage im Stresstest nicht berücksichtigt worden seien.

Nach der Reaktorkatastrophe vor einem Jahr in Fukushima hatte die EU allen europäischen Anlagen sogenannte Stresstests vorgeschrieben. Durchgeführt wurden sie von den jeweiligen nationalen Atomaufsichtsbehörden.

Sondergipfel

Saarland, Rheinland-Pfalz und Luxemburg fordern einen Sondergipfel mit Frankreich zum Thema AKW Cattenom. Er sollte noch vor Sommer stattfinden. Teilnehmen sollte auch auch die EDF.

Majer zufolge könne ein Stresstest keine Antwort im Sinne von Ja oder Nein zu einer Atomanlage geben. Diese Antwort falle der Politik zu. Für die zwei deutschen Bundesländer und Luxemburg könne die Antwort nur die Schließung der Anlage in Cattenom sein.

In einer gemeinsamen Stellungnahme betonen die drei Regierungen, dass auch nach dem Stresstest ein Restrisiko bleibe. Sie fordern mehr Sicherheit vom Betreiber, auch wenn es eine absolute Sicherheit für einen Reaktor und im Fall von Cattenom für rund 11 Millionen Menschen nicht geben kann.

lm/Tageblatt.lu