Es ist wohl Luxemburgs berühmteste Ausrede: “Dafür sind wir doch viel zu klein.” Ein müdes Schulterzucken, ein leichtes Abwinken und dann ist das Thema schon vergessen. So geht die Luxemburger Polizei anscheinend auch mit Kriminalität im Netz um.

Zwar findet sich auf der offiziellen Webseite der Verbrecherjäger allerlei Infomaterial zu Betrugsmaschen und fiesen Fallen, die im Netz auf den User lauern. Die gibt es allerdings nur auf Französisch – ein Versäumnis in einem Land, das mit Mehrsprachigkeit prahlt und in dem Menschen mit etwa 170 verschiedenen Nationalitäten leben.

Keine Spur außerdem von einem Online-Meldesystem für Cyberverbrechen auf der Webseite der Polizei – wie zum Beispiel für Phishing-Webseiten. Fragt man bei der Pressestelle der Polizei nach, ob ein betroffener Bürger wenigstens per Telefon oder Besuch auf einer Wache eine suspekte E-Mail oder Webseite melden kann, kommt die deutliche Antwort: “Das brauchen Sie erst gar nicht zu tun. Da können wir eh nichts machen.” Keine Spur von proaktiven Ermittlern, die Betrügern auch online den Garaus machen. Der Bürger muss sich selbst schützen und versuchen, nicht auf Verbrecher/Betrüger hereinzufallen. Nur wenn das Kind schon im Brunnen liegt und beispielsweise tatsächlich Geld auf das Konto aus einer ominösen E-Mail überwiesen wurde, wird eine Anzeige aufgenommen und die Polizei aktiv. Ohne Garantie, dass die Verbrecher ausgemacht werden können.

Bei der mickrigen Aufstellung der Luxemburger Cybercrime-Einheit mit nur drei Spezialisten ist die Laisser-faire-Attitüde der “Police grand-ducale” allerdings durchaus verständlich. Anstatt mehr ausgebildete Fachkräfte für die Polizei zu verpflichten, überlässt man die Verfolgung von Cyberverbrechern und den Schutz der Bürger lieber anderen Behörden, Privatfirmen oder dem Bürger selbst. Statt “Zesumme fir Iech” wird im Luxemburger Netz also “Kuck du mol no dir”.

Kaum erfunden, schon kriminell: Ein Web ohne Verbrechen gab es nie

7 Kommentare

  1. Wenn solche Verbrecher z.B. in Kolumbien sitzen,kommt die Justiz eh nicht an sie heran. Wer Geld online überweist oder seine Codes preisgibt fällt allerdings in die Kategorie “selber Schuld”. Das ist wie mit dem Enkeltrick. Um allerdings Kinderpornoringe z.B. auffliegen zu lassen braucht es schon eine Spezialeinheit.

  2. Das mit dem Schulterzucken war schon so, als die Nigeria-Briefe noch in Umschlägen ankamen. Man schickte sowas an die Polizei weiter, es gab mal keine Empfangsbestätigung (accusé de réception).

    • Und genau so würde es der luxemburgischen Staatsanwaltschaft ergehen, wenn sie in einem solchen Falle die nigerianischen Kollegen um Amtshilfe ersuchen würde

  3. Trotz allen Kritiken: unsere Kriminalpolizei (Police Judiciaire) kann einen gelöschten/erased Hard-Disk zum grössten Teil wieder lesbar machen. Und kriminelle Handlungen dadurch aufklären, ob Drogenhandel oder Bankrott.
    Für Angriffe auf meinen Computer: Norton, McAfee oder wie sie alle heissen,der Staat und private Strukturen stehen im WWW bereit jedem User auf Fragen zu antworten. Er muss sich nur zusammenrappeln und die Fragen stellen. Und sich echt informieren wollen.

  4. Et gëtt dach mol näischt géint déi sou genannt „Grand Voyants“ gemaach, déi offensichtlech d‘Angel mat hire klenge Käertecher an de Bréifkëschte nees no engem neie Fësch ausgeheien? Wat soll da vill bei anere Fäll gemaach ginn? De Bierger soll a muss sech wuel nees selwer hëllefen, dat ass vläicht dat, wat da besser ukënnt? Well wann s de dech op staatlech Hëllef, net nëmme bei der Police, verléisst, heescht et oftmools: „Do kënne mir näischt maachen.“ oder „ Et ass jo näischt geschitt“.

  5. Nun soll ja unsere öffentliche Macht besser gestellt werden in sophistikierter Computer-Rüstung, würde ja im Haus am Krautmarkt entschieden. Demnächst wird man also den Enkeltrickser und den Phisher vom Fonds de logement zwicken (pëtzen!). Auf sämtliche Datenautobahnen kommen nun Radaranlagen.

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