In ein paar Tagen jährt er sich wieder, der „Bommeleeër“-Prozess, der vom 25. Februar 2013 bis zum 2. Juli 2014 das Land in Atem hielt. In 177 Sitzungen versuchte der Luxemburger Staat vor sechs Jahren, mit einem düsteren Kapitel seiner jüngsten Vergangenheit aufzuräumen und Licht ins Dunkel jener Attentatsserie der 80er zu bringen, welche die Menschen hierzulande in Angst und Schrecken versetzt hatte.

Die zwei Polizisten Marc Scheer und Jos Wilmes, beide ehemalige Mitglieder der „Brigade mobile de la Gendarmerie grand-ducale“, mussten sich vor Gericht verantworten. Beide streiten bis heute alles ab. Klar ist ohnehin, dass, wenn sie etwas damit zu tun gehabt hätten, sie zweifellos auf Anweisung von oben gehandelt hätten.

Eine ganze Reihe von denen „von oben“ musste vor Gericht als Zeuge aussagen. Hochnotpeinliche Momente lösten sich dabei mit spannenden Episoden ab. All das mündete in Aussagen wie „Et ass schwéier, als Éischten Nimm ze nennen“ (dixit Guy Stebens, ehemaliger Polizei-Generalsekretär) oder „Ech soe keng Nimm. Ech hunn net mam Grand-Duc doriwwer geschwat“ (dixit Jacques Santer, ehemaliger CSV-Premierminister). Mehr als einer der Zeugen kam vorm Kadi ins Schwitzen und verstrickte sich in Widersprüche. Es wurde ja nicht nur verhandelt, sondern regelrecht ermittelt. Zum Schluss bekam das facettenreiche Puzzle ein anderes Bild und wurde vollständiger.

Am letzten Tag wurde der Prozess auf Eis gelegt. Seitdem ist Untersuchungsrichter Ernest Nilles wieder am Zuge. Es wird erneut ermittelt, u.a. gegen Aloyse Harpes, Charles Bourg, Armand Schockweiler, Marcel Weydert, Guy Stebens und Pierre Reuland. Dem Vernehmen nach sollen sich die Ermittlungen gegenwärtig auf ebendiesen Pierre Reuland, den ehemaligen Polizeidirektor, konzentrieren, dies im Zusammenhang mit den „Tueurs fous du Brabant“. Die Gerüchteküche brodelt. Zwischen 1982 und 1985 – als die „Bommeleeër“ ihr Unwesen trieben – tötete eine Verbrecherbande in Belgien 28 Menschen bei blutigen Überfällen.

Wenn Menschen ins Visier der Justiz geraten, kommt es vor, dass sie unter dem Druck, der auf ihnen lastet, zusammenbrechen. Und in jeder Kette gibt es immer ein schwaches Glied. Wer ist dieses schwache Glied? Reuland? Stebens, der vor Gericht bereits in Tränen aufgelöst war? Charles Bourg, der nicht fotografiert werden wollte und deshalb mit seiner Mappe auf einen Kameramann losging? Oder Aloyse Harpes, Jahrgang 1928, der zunächst an der Spitze der Polizei stand, dann Kommandant der Gendarmerie war?

„Nur Mut! Es ist Zeit, auszupacken und die Omertà (= Schweigepflicht) zu beenden. Ihr habt es selber in der Hand!“, möchte man den sechs, die sich seit Prozessende im Fadenkreuz der Ermittler befinden, zurufen. Was winkt, ist Hafterleichterung. Denn es wird sich etwas tun. Sechs Jahre nach Prozessauftakt. Die viel zitierte „chape de plomb“ hat nämlich längst Risse bekommen. Und die Mauer des Schweigens ist durch den aktuellen Wissensstand der Erosion preisgegeben. Es ist deshalb höchste Zeit, den Weg freizumachen für den zweiten Prozess. Einige Zeugen nahmen ihr Wissen ja bereits mit ins Grab …

4 Kommentare

  1. Wenn noch ein paar Jahre gewartet wird, sind wieder einige Zeugen und Beschuldigte wahrscheinlich tot und das war dann das Ende der Vorstellung: außer Spesen nichts gewesen, wird die Sache dann ad acta gelegt werden!

  2. Ja, es wird höchste Zeit, dass dieser Prozess endlich Klarheit in dieses dunkle Kapitel unserer rezenten Geschichte bringt. Aber leider ist wohl da der Wunsch Vater der Gedanken. Wer wirklich hinter dieser feigen Attentatsserie steckt, werden wir kaum erfahren. Zuerst hatte es den Anschein, als ob nicht wirklich jemand daran interessiert sei Klarheit zu schaffen um die Täter ausfindig zu machen. Dann hüllten die Angeklagten sich in Schweigen, konnten resp. wollten sich an nichts erinnern und mittlerweile ist so viel Zeit vergangen, dass das Interesse allmählich abflaut und das Ganze zu einer makabren Farce ausartet. Purer Zufall, dass keine Menschen bei diesen hinterhältigen Bombenanschlägen zu Schaden oder gar zu Tode gekommen sind. Beim Bubitrapp in Asselscheuer hätte allerdings nicht viel gefehlt!

  3. Alle infrage kommenden sind längst in Rente und haben somit nichts zu verlieren. Mit dieser “Affäire” geht es weiter wie mit all den anderen! Es wird solange hinausgezögert, bis sich eine biologische Lösung ergeben hat. In dieser Taktik ist unsere Justiz Weltmeister. Grüssen wir bei dieser Gelegenheit: Monsieur Pierre, Monsieur Julien, den Jäger von Fentange, stay behind, Gladio (Attentat Bahnhof Bologna),……. Alles Brüder im Geiste und unter dem selben Deckmantel.

    • Unsere Justiz hat mit dem Attentat in Bologna nicht wirklich viel zu tun gehabt. Die Affäre um den Jäger von Fentingen ist noch längst nicht ausgestanden. Ach ja, und sämtlich genannten Herren haben sehr wohl etwas zu verlieren, und zwar ihre Rente. Auch in dieser Runde wird niemand auspacken und dafür kann die Justiz nun wirklich nichts, denn Justizbehinderung gab es in diesem Fall wohl bereits vor dem ersten Attentat.

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