Konkret bedeutet das, dass die Gemeinden für das Defizit der Kirchenfabriken aufzukommen haben. Das geht zurück auf ein Dekret aus dem Jahre 1809. Sollte mal eine Gemeinde, sprich die Mehrheit ihrer gewählten Vertreter, sich weigern, würde eine höhere Macht eingreifen (in diesem Fall das Innenministerium). Das Gesetz sieht es so vor: Die Kirche bleibt im Dorf, und das Dorf zahlt.
Für die Hauptstadt waren dafür 2012 insgesamt 490.000 Euro im Budget veranschlagt. Allerdings ist das mit den Defiziten so eine Sache. Solidarität der Kirchenfabriken unter sich, eigentlich ja ein Prinzip des Mutterhauses, sieht das Gesetz nicht vor. Des einen Gewinn, etwa durch einen Grundstücksverkauf von knapp drei Millionen Euro, gleicht des anderen Verlust nicht aus, und sei er noch so klein. 19 Kirchenfabriken bedeuten bisher 19 Bilanzen, die jedes Jahr aufs Neue erstellt werden.
Dass das in der Hauptstadt neu geregelt werden soll, ist ein längst überfälliger Schritt. Aber wie überfällig ist dieser Schritt eigentlich auf einer höheren Ebene? In der „Chamber“ gäbe es ja eigentlich eine Mehrheit für eine Trennung von Kirche und Staat. Aber manchmal scheinen wirklich höhere Mächte am Werk zu sein. Und so lange bleibt die Kirche im Dorf, und das Dorf zahlt.

Kim Hermes