Seit Dienstag trauert die Musikwelt um Roger Cicero, den Jazzsänger, der mit nur 45 Jahren aus dem Leben schied. Die Todesursache? Ein Gehirnschlag, also eine Unterversorgung des Gehirns mit Blut. Dafür war er noch zu jung, könnte der Uninformierte meinen. Doch dem ist nicht so.

Es sind alle Altersgruppen betroffen, von Neugeborenen bis zu den älteren Menschen. Auch sind es nicht wenige: „Allein in Luxemburg erleiden 4 Menschen pro Tag einen Gehirnschlag“, teilt Chantal Keller, Präsidentin der Blëtz asbl (Lëtzebuerger Associatioun fir Betraffener vun engem Hireschlag), mit. Das sind hochgerechnet 1.400 Menschen pro Jahr.

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Schnelle Reaktionszeit kann Leben retten

Wenn jemand plötzlich über Taubheitsgefühle, Sprachschwierigkeiten, Beeinträchtigungen oder Verlust der Sehkraft, Gleichgewichtsstörungen, Muskelschmerzen oder starke, noch nie verspürte Kopfschmerzen klagt, sollte sofort der Notruf gewählt werden. Hier zählt nun jede Minute. Dies können nämlich die Vorzeichen eines Hirnschlages sein.

Ein Gehirnschlag muss aber nicht unbedingt zum Tod führen. In Luxemburg gilt der Schlaganfall als Hauptursache erworbener Behinderungen und nur als dritthäufigste Todesursache. Besonders häufig treten Lähmungen, Taubheitsgefühle, Störungen der Sprache und Einschränkungen im Gesichtsfeld auf, so Dr. Christian Nolte von der Berliner Charité zu myhandicap.de, doch die Folgen können so vielgestaltig wie die Funktionen, die das Gehirn erfüllt sein. Aber auch die Psyche bleibt nicht verschont. Manchmal können auch Persönlichkeitsveränderungen durch den Gehirnschlag verursacht werden.

Dringendes Anliegen an das Umfeld

Doch wie mit jemanden umgehen, der einen Gehirnschlag erlitten hat? Die Blëtz asbl (Link) verweist auf die „dringenden Appelle an die Umwelt im Alltagsleben“ von Frau Barbara Plückhahn hin. Sie schreibt, dass die Betroffenen nicht an Intelligenz eingebüßt und Respekt verdient haben. Dennoch benötigen sie teilweise etwas mehr Zeit, weshalb Geduld im Umgang mit ihnen wichtig ist. Ihr Gehirn kann schneller strapaziert sein, einige alltägliche Dinge sind anstrengender.

Fragen sollen so gestellt werden, dass sie auf spezifische Antworten abzielen und den Betroffenen solle Zeit gegeben werden, um zu antworten. Die Betroffenen wollen integriert werden: Direkt ansprechen also, anstatt über sie. Ermutigungen und Lobe werden von den Betroffenen meist positiv aufgenommen und hilft ihnen mehr Mut zu fassen.

Es bleibt, dass ein Mensch nach einem Gehirnschlag oft nicht der gleiche ist wie vorher und das Umfeld muss lernen, ihn auch so zu mögen und akzeptieren.

tageblatt.lu/sb