Zum diesjährigen Max-Ophüls-Filmfestival trifft sich die Branche vom Mitte Januar wieder in Saarbrücken. Zur gleichen Zeit kommt die neueste “Immenhof”-Verfilmung in die Kinos, gedreht auch im Saarland. Auch sonst lohnt ein Blick auf den kleinen aber feinen Filmstandort.

Von Katja Sponholz, dpa

“Immenhof – Das Abenteuer eines Sommers” heißt die Neuverfilmung des Pferdehof-Klassikers, der am 17. Januar in die Kinos kommt. Mehr als 100 Reitanlagen im In- und Ausland hatten die Filmemacher auf der Suche nach dem passenden Ort für den Spielfilm mit Heiner Lauterbach und Max von Thun besichtigt. Fündig wurden sie schließlich im Saarland. “Ein absoluter Glücksfall”, sagt Uwe Conradt, Chef der Saarland Medien GmbH. Denn eine solch große Filmproduktion ins kleine Saarland holen zu können, sei eher die Ausnahme – und wohl nur dem herausragenden Motiv, dem Gestüt Peterhof in Perl-Borg, zu verdanken.

An der finanziellen Förderung aus dem Saarland mag es jedenfalls nicht gelegen haben. Denn die erscheint mit 10 000 Euro eher auf niedrigem Level, verglichen mit der zehnfachen Summe, die Filmgesellschaften anderer Bundesländer an Unterstützung gäben. “In einer solchen Liga können wir üblicherweise nicht mitspielen”, räumt Conradt ein. Und deshalb müsse man hier um alles hart kämpfen. Auch dafür, dass die Krimireihe “In Wahrheit” von ZDF und ARTE im Saarland entstand – dem bislang größten Erfolg bei der Filmcommission, also der Dienstleistung für Film- und TV-Produktionen.

Immer wieder hat man laut Conradt darauf gedrungen, dass die Produktionen – so wie im Staatsvertrag vorgesehen – auch angemessen auf die Standorte verteilt werden. “Wenn das Saarland 1,2 Prozent Anteil am Rundfunkbeitrag hat, ist das einerseits sehr wenig”, räumt der Geschäftsführer der Saarland Medien ein, “aber andererseits entspricht dies einem Programmanteil von gut vier Tagen im Jahr.” Zudem müsse man berücksichtigen, dass das Saarland jahrelang leer ausgegangen sei. Umso mehr freut ihn, dass der Kampf Erfolg hatte – und die Ausstrahlung sogar noch Höchstquoten erzielt habe.

Und auf noch etwas ist der 41-Jährige stolz: Auf den “Location Guide” und den “Production Guide”, zwei umfassende Datenbanken für Filmdienstleister, die gemeinsam mehr als 1800 Einträge rund um Produktion, Unternehmen und geeignete Drehorte vorweisen – nicht nur im Saarland, sondern auch in der Großregion mit Luxemburg, Belgien und Lothringen. “Das ist etwas Besonderes”, so Conradt.

Wie auch die Saarland Medien selbst. “Sie ist zwar die kleinste Filmförderung in Deutschland, aber wahrscheinlich die facettenreichste. Es gibt niemanden mit dieser Breite an Palette”, ist der Direktor überzeugt. Weil sie eben nicht nur Geld gebe, sondern auch Filmschaffenden bei der Realisierung ihrer Projekte helfe – insbesondere durch die aktive Unterstützung bei der Locationsuche oder Akquise von filmrelevanten Partnern. “Not macht erfinderisch”, begründet Conradt. “Wir müssen immer schauen, dass wir die wenigen Gelder, die wir haben, möglichst effektiv einsetzen können.” Dadurch, dass die Saarland Medien angedockt sei an die Landesmedienanstalt (LMS), sei es möglich, mehr Ressourcen zur Verfügung zu stellen und tageweise als größeres Team zusammenarbeiten. Und als LMS-Direktor könne er bundesweit sein Netzwerk nutzen, um für das Saarland auch als Filmstandort zu werben.

Gut vernetzt – außer per Bahn

Auch bei der Filmförderungsanstalt Deutschland schätzt man die Bemühungen und Erfolge aus dem Saarland: “Es ist einfach, mit zwei- oder gar dreistelligen Millionenbeträgen in der Tasche Film- und Standortförderung zu betreiben. Wenn noch ein gut ausgestatteter Haussender und eine Filmhochschule dazukommt, dann erst recht”, betonte Vorstand Peter Dinges bei der Feierstunde zum 20-jährigen Bestehen. Die Rahmenbedingungen für die Saarland Medien seien jedoch völlig andere. Dass sich die Verantwortlichen trotzdem “mit aller Hartnäckigkeit und geringsten Mitteln” über all die Jahre für den Filmstandort Saarland und die Großregion eingesetzt hätten, nötige ihm “aller-, allergrößten Respekt ab”.

Die besonderen Stärken des Standortes liegen nach Meinung von Uwe Conradt vor allem in der Vernetzung: Wenn es etwa darum gehe, Zugang zu Entscheidungsträgern zu haben, Drehorte verfügbar zu machen oder Ausrüstungsgegenstände an das Set zu bekommen. Nachteile lägen definitiv in der Erreichbarkeit mit der Bahn. Conradt glaubt, “dass die Bummelzugverbindung nach Frankfurt für uns eine große Hürde ist, weil sie alle Wegstrecken in das übrige Bundesgebiet deutlich zu lang macht.”

Vom 14. bis 20. Januar jedoch werden Filmschaffende aus ganz Deutschland und den Nachbarländern zum bekanntesten Branchentreff, dem Max Ophüls Preis (MOP), nach Saarbrücken kommen. Und für die künstlerische Leiterin, Svenja Böttger, gibt es keinen Zweifel, dass das MOP großen Einfluss auf den Filmstandort hat. “Wenn alljährlich seit fast 40 Jahren eine solch geballte Ladung an junger filmischer Kreativität in das Saarland strömt, hat das natürlich positive Auswirkungen”, sagte sie der Deutschen Presse-Agentur.

Und auch die Saarland Medien setzt umgekehrt auf das Max Ophüls Festival: etwa mit saarländischen Filmen, Produzententreffen und einer Location-Tour. Und nicht zuletzt auch, um den Nachwuchs auf ihre besondere Stärke hinzuweisen: “Wir trauen uns, Leute zu fördern, die andere niemals fördern würden”, sagt Conradt. Anders formuliert: “Für uns ist nicht wichtig, ob ein Film ein Markterfolg wird oder schon eine TV-Produktion dahinter steht. Wir freuen uns auf gute Filme, bei denen wir spüren, dass sie eine besondere Geschichte zu erzählen haben.”

 

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