Ein modernes Gebäude, ein modernes Konzept. So in etwa lässt sich die Symbiose beschreiben, die vor kurzem im „Lënster Lycée“ zwischen einem Fahrstuhlschacht und der künstlerischen Vision von Paul Kirps entstanden ist. Sechs Wochen lang hat der Grafiker den Aufzug mithilfe seines Teams gestaltet. Pünktlich zur „Rentrée“ soll das Gesamtwerk fertig sein. Die Arbeiten am ersten Teil in der Eingangshalle sind bereits abgeschlossen.

Von Laura Tomassini

Das Werk reiht sich in eine Serie von Arbeiten ein, die Kirps bereits in öffentlichen Gebäuden angefertigt hat: “Die erste dieser Art war im CIPA in Sanem. Damals habe ich ein Leitsystem geschaffen, des es älteren Menschen ermöglichen soll, sich im Altenheim zu orientieren.” Farbcodes anstelle von Türnummerierungen lautete die Devise.

Auch in Junglinster gehen die Überlegungen hinter dem Werk weit über eine reine Wanddekoration hinaus. “Im Grunde war die Idee, die technischen Elemente – Mechanik und Elektronik – aus dem Inneren des Fahrstuhls nach außen zu spiegeln. Das sind teilweise ganz banale Dinge wie Lampen oder Knöpfe, die ich grafisch interpretiert habe”, erklärt der Künstler.

Ein Gesamtkunstwerk

Genau sein Universum, denn Kirps befasst sich generell viel mit Architektur. Das Ergebnis sind geometrische Figuren, die den dreistöckigen Schacht umfließen. Die Malereien sollen ein Gesamtkunstwerk darstellen, das sich in den Umkleidekabinen im Untergeschoss fortsetzt.

Den Auftrag bekam er von der „Administration des bâtiments publics“, die das Projekt als Wettbewerb ausgeschrieben hatte. “Da wurden gleich zwei meiner Projekte angenommen. Das ist eigentlich relativ außergewöhnlich”, findet der Künstler.

3D statt Leinwand

Die große Herausforderung dabei: ein Konzept zu kreieren, das im dreidimensionalen Raum funktioniert. “Die verschiedenen Blickwinkel lassen ganz besondere Perspektiven entstehen”, verrät Kirps bei der Besichtigung in der Eingangshalle. Einige der gräulichen Rechtecke erinnern an die Gewichte, mit denen ein Aufzug hochgezogen wird, während andere Formen eine Anspielung auf die komplexen Kabelsysteme im Inneren des Schachtes sind.

Dabei steht immer das Zusammenspiel mit der Umgebung im Vordergrund. “Ich beobachte den Raum und achte auf Maße, zum Beispiel auf die Höhe der Türen, sodass sich optisch alles wiederholt”, erklärt der Künstler. Die Farbpalette sei bunt, allerdings ohne nach Karneval auszusehen, und vor allem matt. Die Arbeiten am Fahrstuhl sind mittlerweile komplett abgeschlossen, im Untergeschoss soll bis zur „Rentrée“ alles fertig sein.

Keine Angst vor Cola-Flecken und Kratzspuren durch Schulranzen

Mit Projekten wie diesem hat sich Kirps einen persönlichen Traum erfüllt. Er verarbeitet Objekte nicht nur visuell, sondern verleiht ihnen ebenfalls eine besondere Sichtbarkeit. Die Aufträge in öffentlichen Gebäuden stellen für ihn eine Kulisse dar, die seine Arbeit im Atelier perfekt ergänzen.

Angst vor Cola-Flecken und Kratzspuren durch Schulranzen hat Kirps nicht: “Irgendwie gehört das ja dazu, schließlich befindet sich der Schacht ja in einer Schule, und nicht in einer Galerie.”

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