Es sind Szenen, wie man sie meist nur aus dem Ausland kennt. Am Freitag hat ein Tornado den Süden des Landes hart getroffen. In Petingen, Lamadelaine, Rodange und Käerjeng gab es mindestens 14 Verletzte, davon zwei schwer. 100 Gebäude wurden durch den Sturm beschädigt. Für Menschen in Not wurden in den Gemeinden Aufnahmezentren eingerichtet, Betroffene können sich auch unter der Hotline (80 02 80 80) melden. 

„Mein Dach ist weg, mein Auto ist weg“, sagt eine Anwohnerin aus Petingen am Freitagabend gegenüber dem Tageblatt. Um 17.30 Uhr ist ein Tornado über den Südwesten Luxemburgs hinweggefegt und hat in Käerjeng, Petingen und Rodange eine Schneise der Verwüstung hinterlassen. „Der Sturm hat alle Bäume in meinem Garten entwurzelt“, sagt die Frau aus Petingen.

Betroffene können sich an folgende Adressen wenden:

Gemeinde Petingen:
Sporthalle Bim Diederich
Pierre Hamer Straße
Pétange

Gemeinde Käerjeng:
Kultur Haus – Käerjenger Treff
54c, Avenue de Luxembourg
Bascharage

 

Bei der Notrufnummer 112 gingen bis 21 Uhr mehr als 100 Anrufe ein. „Wir haben enorm viele Anrufe aus dem Raum Käerjeng/Petingen bekommen”, bestätigt ein Sprecher der Einsatzzentrale CGDIS. Um 19.45 Uhr zogen die Retter eine erste Bilanz. „Zahlreiche Straßen sind durch Trümmer blockiert, die von Dutzenden Häusern heruntergerissen wurden“, heißt es in einer Mitteilung.

„Oberste Priorität der Behörden war es, sicherzustellen, dass keine weiteren Opfer gemeldet wurden“, schreibt die Regierung in einer Pressemitteilung am späten Freitagabend. Die Rettungskräfte hatten betroffenen Gebäude in einem Gebiet von Pétange bis Kaerjeng deshalb nacheinander überprüft. Insgesamt wurden 100 Gebäude beschädigt, bei 25 bis 30 wurde das Dach durch den Wind vollständig oder teilweise abgedeckt. Die Regierung richtete eine Krisenzelle ein.

Menschen, die Unterstützung benötigen, können sich an Aufnahmezentren in Petingen und Käerjeng wenden. „Von dort wird die Umquartierung mit den kommunalen Behörden organisiert“, schreibt die Regierung. Die Behörden weisen darauf hin, dass auch einige Hochspannungsmasten umgestürzt sind. Obwohl der Strom abgeschaltet ist, sei eine Gefährdung nicht auszuschließen. „Der Bevölkerung ist es strengstens untersagt, sich den Masten zu nähern“, erklärt die Regierung in ihrer Mitteilung. Die Aufräumarbeiten könnten mehrere Tage andauern. Weiter heißt es, dass in den betroffenen Gebieten verstärkt Polizeistreifen patrouillieren, „um die Sicherheit zu gewährleisten“.

Retter aktivieren Operationszentrale

Die Retter hatten am frühen Freitagabend eine spezielle Operationszentrale aktiviert. „Wir konzentrieren uns auf die wichtigsten Einsätze“, sagt der CGDIS-Sprecher. Es könne zu Verzögerungen kommen. Wegen kleinerer Beschädigungen sollte man am Freitagabend nicht den Notruf wählen.

Insgesamt wurden bis in den frühen Abend sechs Verletzte versorgt. Sie hielten sich zum Zeitpunkt des Sturms in der Nähe des Cactus in Käerjeng auf. Die Retter haben eine Suchhund-Staffel losgeschickt, die nach eventuell Verschütteten suchen soll. In einigen Straßen wurde der Strom präventiv abgeschaltet.

Eine Spur der Verwüstung

Im Raum Petingen gab es erhebliche Verkehrsbehinderungen. Umgestürzte Bäume oder Straßenschilder blockieren die Straßen, auf den Zugangswegen kam der Verkehr zum Erliegen. Die Polizei riet am frühen Abend, den Raum Käerjeng/Petingen mit dem Fahrzeug zu meiden. Polizei und Rettungsdienste seien im Einsatz, um den Verkehrsfluss wieder herzustellen.

Vielerorts hat der Tornado eine Spur der Zerstörung hinterlassen. Auf Facebook teilten Nutzer Bilder von umgestürzten Bäumen und Strommasten. Auch beschädigte Dächer sind zu sehen. Météo-Boulaide veröffentlichte mehrere Videos, auf denen auch eine Windhose zu sehen ist.

Viele übernachten bei Bekannten oder im Hotel

Pierre Mellina, der Bürgermeister von Petingen, hat sich ein Bild vom Ausmaß des Schadens gemacht. Rund 100 Häuser seien in seiner Gemeinde in Mitleidenschaft gezogen worden. In der rue des Prés in Lamadelaine wurden 14 bis 16 Häusern abgedeckt. „Wir sind dabei, Zimmer im Hotel Threeland für die betroffenen Bewohner zu organisieren“, erklärt Mellina. Die meisten Einwohner würden allerdings bei Familie oder Freunden unterkommen. Sollten die Hotelzimmer nicht ausreichen, werde man noch eine Sporthalle zur Verfügung stellen.

Sämtliche Gemeindearbeiter haben am Abend bei den Aufräumarbeiten mit angepackt. “Meine Kollegen und ich wurden kurz vor 18 Uhr gerufen”, schildert ein Mitarbeiter des “Services des parcs”. “Zuerst sollten wir den Bereich rund um Petinger Bahnhof freimachen. Überall lagen Bäume und Teile von Dächern auf den Straßen. Der Verkehr wurde völlig lahngelegt, es ging nicht mehr weiter.”

Schäden und Solidarität in Petingen

In Lamadelaine und vor allem in Rodange bot sich das gleiche Bild. Die Mitarbeiter des “Service des parcs” waren bis um 22.00 Uhr auf den Beinen, um die Straßen und Wege in der Kommune freizubekommen. “Morgen um 8.00 Uhr geht es weiter”, ergänzt der Gemeindemitarbeiter, der sich aber auch von der Hilfsbereitschaft der Anwohner beeindruckt zeigt.

Darauf weist auch Bürgermeister Mellina hin: „Viele Bürger sind gleich in die betroffenen Straßen geeilt, um zu helfen. Die Solidarität ist enorm.” Bis das genaue Ausmaß der Katastrophe allerdings einzuschätzen sei, werde es noch bis spät in die Nacht dauern.

Meteorologe: „Haken-Echo“ auf dem Wetterradar

Für Philipp Ernzer, Betreiber des Wetterdienstes Météo-Boulaide, kam das Ereignis nicht überraschend: Er hatte bereits am Donnerstag „Starkregen und Sturmspitzen“ für Freitag vorhergesagt. Am Freitag konnte er auf einem Radarbild auch ein „Haken-Echo“ erkennen: Das spezielle Muster auf einem Niederschlagsradar gilt als wesentliches Indiz für rotierenden Aufwind – und legt die Vermutung nahe, dass es sich bei einem Gewitter um eine Superzelle mit hohem Tornadorisiko handelt. Wenn sich das Phänomen zeigt, bleibt für Warnungen aber kaum noch Zeit: „Tornados kann man immer nur sehr kurzfristig vorhersagen“, erklärt Ernzer gegenüber dem Tageblatt.

Grundsätzlich sei es so gewesen, dass die Kaltfront eines Sturmtiefs über das Land gezogen sei. „Weil es eine Kaltfront ist, gab es einen sehr starken Höhenwind, während die Winde in Bodennähe nicht so stark waren.“ Dadurch hätten sich die „Superzellen“ mit den starken Aufwärtswinden gebildet. Ein zusätzlicher Faktor im Geschehen seien sehr schwüle Luftmassen gewesen, die von Südwesten aus ins Land gedrückt worden waren. „Da haben sich einige Faktoren überschnitten“, sagt Ernzer.

E-Lake und Zugverkehr nur wenig betroffen

Das Festival E-Lake findet zwar im Osten Luxemburgs statt, aber auch in Echternach behält man das Wetter im Auge – zwangsläufig: „Wir hatten hier starken Regen, der immer noch anhält“, erklärt der Sprecher Jempi Hoffmann. Starke Winde seien allerdings nicht vorgekommen. Ansonsten sei man vorbereitet: „Da, wo der Boden zu stark aufweicht, werden wir Rindenmulch ausstreuen“, sagt Hoffmann – und dass auch für andere Eventualitäten Notfallpläne vorlägen.

Der Zugverkehr war am späten Nachmittag von Verspätungen und Ausfällen betroffen. Auf dem Twitter-Account CFLinfos hatte die Betreibergesellschaft CFL mehr als 20 entsprechende Nachrichten herausgegeben. Gegen 20 Uhr erklärte eine Mitarbeiterin der CFL aber, dass derzeit keine größeren Störungen mehr zu vermelden seien.

 

So heftig der Sturm tobte, so unwirklich war die Ruhe nach dem Sturm: Der Himmel über dem Süden des Landes war jedenfalls am Abend in ein ganz seltsames Licht getaucht (Foto: Alain Gales).

 

6 Kommentare

  1. Eng blöd Nooriicht vun denen vum E-Lake.
    Heavy rainfall, >>>>heavy Kaalwer
    Firwaat daat englesch?
    Daat op d’Knéien goen virum engleschen…
    Best Elake weit änd breit

  2. Gibt es ein Spendenkonto??? Was sagen die Versicherungen? Kann man sich psychologisch betreuen lassen? Ich würde in solch einem Fall durchdrehen.

  3. Da fehlen einem die Worte, jeder Kommentar ist überflüssig das wichtigste ist es den betroffenen Menschen zu helfen, hoffentlich ist der Staat nicht so wie beim letzten Hochwasser, nur Worte und wenig Taten.

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