Raphael Gindt und Daniel Mac Lloyd gehören zu den gefragtesten Straßenkünstlern in Luxemburg. In Esch kann man ihre Werke vor allem im öffentlichen Raum und bei Cueva-Projekten sehen. Am 29. September werden sie mit dem “Kamellebuttek” ihre eigene Galerie im Escher Viertel Bruch eröffnen. Bonbons gibt es dort aber grundsätzlich nicht zu kaufen.

Das Haus mit dem eigenwilligen Namen und der kunstvoll bemalten schwarz-braunen Fassade liegt in einem ruhigen Wohnviertel. In rund einem Monat soll dort eine Kunstgalerie eröffnen. Die Vorbereitungen laufen. Das Haus gehört der Großmutter von Raphael Gindt. Seit Jahren schon hatte der Künstler sein Atelier im Dachgeschoss. Nachdem die Großmutter ausgezogen war, richtete sich Daniel Mac Lloyd eine Werkstatt im Keller ein. Auch er ist hauptberuflich Straßenkünstler.

Vor einem Jahr haben die beiden begonnen, das Haus zu renovieren. Sie rissen Mauern ein, um Räume miteinander zu verbinden, und verlegten in der Küche einen Holzfußboden. Sie tauschten Fenster aus, strichen die Wände im Erdgeschoss schwarz und gestalteten das Bad kunstvoll um. Als Letztes kam die Fassade dran, die erst vor zwei Wochen fertiggestellt wurde. Sie sieht zwar etwas ungewöhnlich aus, doch nicht zu auffällig. “Wir wollten, dass sie sich ins Gesamtbild des Viertels einfügt”, betont Daniel Mac Lloyd. Bei den anderen Bewohnern der Straße kommt sie scheinbar gut an.

Langfristige Planung

Die zwei Ateliers werden bleiben. In den vier Zimmern im ersten Stockwerk wollen sie Büros und Kreativräume schaffen, die sie an andere Kunstschaffende vermieten. Und im Erdgeschoss wollen die beiden Straßenkünstler mit der Hilfe von Flore Friden dauerhaft eine Galerie etablieren, in der sie zumindest in der Anfangsphase nur ihre eigenen Werke zeigen. Die 23-jährige Produktdesignerin haben die Sprayer erst kürzlich hinzugezogen, um ihnen bei der Verwaltung und Organisation zur Hand zu gehen.

“Was vielen Künstlern fehlt, ist ein Raum, um auszustellen. Auf diese Weise brauchen wir nicht mit anderen Galerien zusammenzuarbeiten”, erklärt Raphael Gindt. Die Idee der Galerie sei auch, bei Kunstausstellungen im Ausland mitzumachen.

Weder Gindt noch Mac Lloyd haben studiert oder einen Beruf erlernt. Beide haben schon in jungen Jahren in der Sprayerszene begonnen. Erst über Ausstellungen haben sie den Weg zur Leinwand gefunden. Mit dem “Kamellebuttek” haben sie nun ihr “Lebenswerk” umgesetzt. Ihnen gehe es vor allem darum, sich langfristig etwas Eigenes aufzubauen. “Als Künstler muss man sich auch überlegen, was in 10 oder 20 Jahren sein wird, wenn man vielleicht nicht mehr so gefragt ist”, erläutert Gindt. Er sieht das Haus als Erweiterung eines Kulturhauses, sagt der 25-Jährige. Während im Kulturhaus selbst hauptsächlich Büros für die Verwaltungsangestellten seien, soll der “Kamellebuttek” Räume für die Kreativen bereitstellen. Eine Zusammenarbeit mit einem Kulturhaus besteht aber noch nicht. Zur Förderung der Straßenkunst haben Gindt und Mac Lloyd vor zwei Jahren die gemeinnützigen Vereinigungen “Urbano Limits” und “Street Art Culture” gegründet, die ihren Sitz auch im “Kamellebuttek” haben.

Finanzielle Unterstützung vom Staat oder der Stadt Esch haben die Künstler ganz bewusst nicht beantragt, wie Raphael Gindt darlegt: “Wir haben bei anderen Projekten gemerkt, dass es die Sache nicht unbedingt vereinfacht, wenn eine Gemeinde mit im Spiel ist. Deshalb ziehen wir unser Ding alleine durch. Wir bauen es jetzt selbst auf und wenn die Gemeinde sich später daran beteiligen will, kann man immer noch darüber reden.”

Die Leute von der Post

Nur für die geplante Kunstschule im “Kamellebuttek” haben die drei Initiatoren eine Konvention mit dem Kultur- und Bildungsministerium angefragt. Im Januar sollen die Kurse beginnen, voraussichtlich wird die Teilnahme kostenlos sein.

Der Name für die Galerie entstand eher zufällig, wie Daniel Mac Lloyd erzählt: “Ich brachte ein Paket mit Bildern zur Post, die für eine Ausstellung in Paris waren. Die Dame am Schalter öffnete die Schublade, um nach der Briefmarke für die Versandversicherung zu suchen. Weil sie keine finden konnte, fragte sie ihren Kollegen am Schalter nebenan, ob noch solche Marken übrig seien. Daraufhin rief dieser ‘ma natierlech, mär sinn dach hei kee Kamellebuttek’ (lacht). Auf dem Weg zurück dachte ich mir, dass wir eigentlich ein richtiger ‘Kamellebuttek’ sind. Wir wurschteln uns durch unser Chaos und sind nicht immer so gut organisiert. Deshalb passt der Name eigentlich ganz gut zu uns.”

5 Kommentare

  1. D’Fro sief engem erlaabt op di doten Fassade vun der soss sou strenger Escher Gemeng, respektiv hierem OBER-ARCHITECTE, genehmegt gouf. Soss därf een seng Fassade och net usträichen wei e well???? Oder ass einfach net ugefrot ginn?

  2. Als Nicht-Escher kenne ich den Stadtteil “Bruch” nicht, deshalb wäre die Angabe der genauen Adresse hilfreich.
    Dem großartigen Trio ein dauerhaft gut besuchtes Haus! Toi, toi, toi!

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