Vorerst bleibt es bei sechs Luxemburgern, die bislang in der höchsten deutschen Liga im Einsatz waren. Laurent Jans (Paderborn) und Leandro Barreiro (Mainz) saßen beide beim Saisonauftakt auf der Bank und mussten zusehen, wie ihre Klubs Niederlagen in Leverkusen (2:3) und Freiburg (0:3) kassierten.

Aus Leverkusen berichten Christelle Diederich (Texte) und Gerry Schmit (Fotos)

Als die Paderborner Startelf 22 Minuten vor Anpfiff einen Mannschaftskreis bildete, sah Laurent Jans aus der Ferne zu. Es blieb bei einem kurzen Blick über die Schulter. Trainer Steffen Baumgart hatte den Luxemburger beim Bundesliga-Auftakt aus seiner Startformation gestrichen und ihn durch den tunesischen Nationalspieler Mohamed Dräger ersetzt. Der Zittersieg in der ersten Runde des Pokals gegen Rödinghausen hatte den Rechtsverteidiger letztendlich den Platz gekostet, ebenso die Tatsache, dass der 23-jährige CAN-Teilnehmer das offensive Spielsystem bereits über ein Jahr einstudiert hatte.

So spielte sich Jans am Samstag die Bälle mit den Auswechselspielern am Seitenrand zu. Ein Gefühl, bekannt aus den Zeiten beim FC Metz. Die Kämpfernatur aus dem Ösling trug die ernüchternde Entscheidung mit Fassung: „Ich hatte schon im Laufe der Woche mitbekommen, dass er sich bei seiner Wahl noch nicht sicher war. Er hat uns im Training bei Elf-gegen-elf-Situationen immer wieder ausgetauscht. Heute (am Samstag) hat er es mir dann in einem kurzen Moment mitgeteilt und mir kurz gesagt, dass alle zufrieden mit mir seien. Es sei eine sehr enge Angelegenheit. Er wird auch noch einmal in Ruhe mit mir darüber sprechen.“

Der 27-jährige Rechtsverteidiger weiß dies zu schätzen: „Es ist ein positives Gefühl, eine Rückmeldung des Coachs zu bekommen. Er ist schon länger dabei und weiß, worauf es beim System ankommt. Da muss ich mich noch reinarbeiten. Die Saison ist noch lang und ich werde alles dafür geben, meine Einsätze zu sammeln.“

Geschlossen bedankte sich die Truppe schon vor der Partie bei den mitgereisten Fans in Blau-Schwarz, ehe sie unter Applaus in die Umkleide verabschiedet wurde. Der Blick des FLF-Nationalspielers schweifte noch kurz in Richtung Haupttribünen-Oberrang. Um den Sympathieträger der Nationalauswahl zu sehen, hatten sich viele Freunde und Verwandte in Leverkusen verabredet. Ein junger Fan der „Roten Löwen“ hatte Jans sogar schon vor dem Mannschaftsbus erblickt und um ein Foto gebeten.

Doch dass es nicht für das Startelfdebüt reichen würde, wussten 60 Minuten vor dem Spiel nur die wenigsten: „Es waren wirklich viele Freunde und Familienmitglieder hier und es wäre unmöglich gewesen, allen Bescheid zu geben. Dem einen oder anderen Familienmitglied hatte ich es mitgeteilt, aber insgesamt bin ich nicht der Typ, der viel vor einem Spiel redet. Sie hätten es ja früher oder später sowieso erfahren.“

„Zusätzlich motiviert“

Hoffnung auf einen Kurzeinsatz keimte eigentlich erst wieder in der 53. auf: Doch auch hier war Geduld gefragt. Zunächst wurden nur vier Paderborner Bankdrücker in Richtung Eckfahne zum Warmmachen geschickt – Jans fehlte, streckte aber kurz darauf ebenfalls den Kopf unter dem Plastikdach der Bank hervor. Baumgartner aber ließ Dräger durchspielen. Für Jans wenig überraschend: „Mo hat sein Spiel gemacht. Das hat mich nicht verwundert, ich wusste ja schon vorher, dass er ein super Spieler ist.“

Und sogar die Tatsache, den Bundesliga-Auftakt von der Bank aus erlebt zu haben, hat neue Eindrücke hinterlassen: „Die Bundesliga ist eine ganz andere Welt. Es ist alles noch einmal ein paar Nummern größer. Zu wissen, dass ich das ein ganzes Jahr erleben werde, ist etwas, was mich zusätzlich motiviert, im Training Gas zu geben.“

Das Nuancieren fiel dementsprechend leichter, trotz der 90 Minuten als Zuschauer: „Ich bin stolz, so weit gekommen zu sein. Es ist aber nur der erste Schritt. Ich will auf dem Platz stehen – und da liegt es jetzt an mir. Nur ich kann die Situation ändern. Man nimmt den Moment mit, weil es das ist, was ich immer wollte. Aber ab morgen (gestern) gilt es, den Fokus wieder auf die Trainingseinheit zu legen, damit ich Samstag hoffentlich auf dem Rasen stehe. Ich habe noch nichts erreicht und bin auch noch nicht dort, wo ich hin will.“ Konkret bedeutet das: „Nichts erreicht heißt in diesem Fall, dass ich auf dem Platz stehen will.“

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