Sie ist eine der schärfsten Kritikerinnen des britischen Premierministers: Wenn es um Boris Johnson geht, nimmt die schottische Regierungschefin Nicola Sturgeon kein Blatt vor den Mund. Johnson sei ein „Westentaschen-Diktator“, sagt sie, und die von ihm verhängte Zwangspause für das Parlament ein „unverschämter Angriff auf die grundlegenden demokratischen Prinzipien“. Ob die britische Justiz dies genauso sieht oder dem Premier in diesem Punkt freie Hand lässt, entscheidet sich an diesem Dienstag: Der Oberste Gerichtshof des Königreichs urteilt, ob die Zwangspause mitten im Brexit-Drama rechtens ist oder nicht. Und während die EU-Partner ungläubig verfolgen, wie der Brexit-Hardliner Johnson das altehrwürdige Parlament schleifen will, scheint die Erste Ministerin Schottlands jenes Großbritannien zu verkörpern, das jahrzehntelang als wichtiger und verlässlicher Partner in der Europäischen Union galt.

Nicola Sturgeon mag die EU – und sie kämpft in Braveheart-Manier gegen die von Johnson angeführten Brexiteers. „Hinter allem Bluff und Getöse ist dies eine Regierung, die gefährlich ist“, warnt sie. „Dies ist eine Regierung, die eine No-Deal-Strategie verfolgt, so sehr sie das auch bestreiten mag.“ Schriftlich forderte sie den Premier zu einer sofortigen Kursänderung auf – „um bleibenden Schaden von Schottland abzuwenden“. Doch wohl noch mehr als die Liebe zur EU treibt die Frau mit den energischen Gesichtszügen ihr Lebenstraum an: die Unabhängigkeit Schottlands.

Neues Referendum im nächsten Jahr?

Vor fünf Jahren sagten die Schotten dazu in einem Referendum eindeutig Nein – aber mit der Brexit-Entscheidung und angesichts eines drohenden No-Deal-Brexit hat Sturgeon die Frage wieder ganz oben auf ihre politische Agenda gesetzt. Schon für nächstes Jahr strebt sie ein zweites Referendum an, „um dem Volk in Schottland die Wahl zu geben, ein unabhängiges Land zu werden“. Kritiker sehen in Sturgeons Unabhängigkeitsträumen fast eine Obsession, wofür ihr Johnson und das Brexit-Drama gerade recht kommen.

Sturgeon kam als Tochter eines Elektrikers in der Industriestadt Irvine südwestlich von Glasgow zur Welt. Mit 16 Jahren trat sie der SNP bei – politisiert durch die für das Arbeitermilieu besonders harten Thatcher-Jahre. Die hohe Arbeitslosigkeit damals gab ihr nach eigener Aussage „ein starkes Gefühl für soziale Gerechtigkeit“ und den Antrieb, in die Politik zu gehen. Nach dem Nein im Referendum 2014 übernahm die ehrgeizige Juristin den SNP-Vorsitz von Alex Salmond, ihr Mann Peter Murrell ist Partei-Geschäftsführer. Einmal berichtete Sturgeon von einer Fehlgeburt. Sie habe sich entschieden, das öffentlich zu machen, um „die Vorurteile gegen Frauen, die keine Kinder haben, zu bekämpfen“.

1 Kommentar

  1. Diese Frau setzt sich eine für die Belange von Schottland, eine überzeugte Europäerin, wie auch viele Leute in Schottland die den Brexit abgelehnt haben, sollte es zu einem 2ten Referendum kommen wird Schottland für die Unabhängigkeit von England diesmal stimmen und in der EU verbleiben wollen….

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