Serbien hat Generationen von talentierten Fußballspielern hervorgebracht. Im Gegensatz zu Erzfeind Kroatien konnten die „Weißen Adler“ jedoch nie Profit daraus schlagen. Interne Streitigkeiten, viele Trainerwechsel und Politik verhinderten den Erfolg. Die neue Generation um Stürmerstar Luka Jovic soll für die Wende und neue Euphorie sorgen. Seltsame Trainerentscheidungen gibt es trotzdem.

Jovic fehlt verletzt

Luka Jovic wird das EM-Qualifikationsspiel gegen Luxemburg verpassen. Beim Angreifer von Real Madrid tauchte im Samstagsspiel gegen Portugal eine alte Verletzung wieder auf. Die Ärzte der „Weißen Adler“ entschieden, Jovic deshalb zur Genesung nach Hause zu schicken.

Ljubisa Tumbakovic hat in den vergangenen Jahren nicht unbedingt Werbung in eigener Sache gemacht. Nachdem der heutige serbische Nationaltrainer Ende der 90er Jahre Partizan Belgrad zu fünf Meistertiteln führte und Mitte der 2000er Jahre in China mit Shandong Luneng ebenfalls erfolgreich war, trat er seit 2010 eher als Globetrotter denn als Erfolgsgarant in Erscheinung.

Am 7. Juni 2019 kam es zu einem Eklat, der ihn schließlich wieder zurück in seine serbische Heimat führte: Als Nationaltrainer Montenegros lehnte er es – zusammen mit den Nationalspielern Filip Stojkovic und Mirko Ivanic – ab, gegen den Kosovo anzutreten. Serbien erkennt die kleine Balkanrepublik völkerrechtlich nicht an.

Dieser Boykott führte den 66-Jährigen direkt in die Hände des serbischen Verbands, der auf der Suche nach einem Nachfolger von Mladen Krstajic war. Dem ehemaligen Bundesliga-Profi (Werder Bremen und Schalke 04) war die 0:5-Niederlage gegen die Ukraine zum Verhängnis geworden. Davor hatte Krstajic jedoch acht Spiele in Folge kein Spiel verloren und u.a. Unentschieden gegen Portugal und Deutschland geholt. Vor allem an seiner Kompromisslosigkeit scheiterte der ehemalige Verteidiger. Der Schalker Matija Nastasic wurde nach einem Streit mit Krstajic ausgemustert, ist mittlerweile aber wieder Teil der Nationalmannschaft. Luka Milivojevic von Crystal Palace befand sich in der gleichen Situation. Luka Jovic, der vergangene Saison 27 Treffer für Eintracht Frankfurt erzielte, kam unter Krstajic häufig nicht zum Einsatz.

Politik, Kriminalität und Fußball

Querelen, Turbulenzen und Skandale pflastern seit jeher den serbischen Fußball. Auch deshalb qualifizierte sich die Mannschaft vom Balkan seit 1998 (damals noch als Jugoslawien und später als Serbien und Montenegro) nur fünfmal für Europa- und Weltmeisterschaften. Erzfeind Kroatien kann in der selben Periode auf zehn Teilnahmen zurückblicken.

Dabei befand sich der Fußball im Balkanland 1990 auf einem Höhenflug. Roter Stern Belgrad gewann 1991 des Pokal der Landesmeister. Spieler wie Dragan Stojkovic, Dejan Savicevic, Predrag Mijatovic, Vladimir Jugovic oder Sinisa Mihajlovic gehörten zum Besten, was Europa zu bieten hatte. Aufgrund der Jugoslawien-Kriege und der daraufhin beschlossenen Sanktionen der internationalen Staatengemeinschaften erlebten das Land und der Fußball einen Bruch. Die Nationalmannschaft durfte zwischen 1992 und 1996 nicht an internationalen Wettbewerben teilnehmen. Davon erholte sich der jugoslawische beziehungsweise serbische Fußball nur sehr langsam.

Nicht förderlich ist dabei die Tatsache, dass in Serbien seit Jahrzehnten Politik, organisierte Kriminalität und Fußball eng miteinander verstrickt sind. Die Ultras sind meist ultranationalistisch, aggressiv und haben Verbindungen zu ranghohen Politikern sowie zur serbisch-orthodoxen Kirsche.

Hoffnung macht die Jugend

Hoffnung macht derzeit der Nachwuchs. 2013 und 2015 wurde Serbien U19-Europameister und U20-Weltmeister. Aus dieser Generation stammen u.a. Sergej Milinkovic-Savic (Lazio Rom/I), Mijat Gacinovic (Eintracht Frankfurt), Andrija Zivkovic (Benfica Lissabon), Marko Grujic (Hertha BSC) oder Aleksandar Mitrovic (FC Fulham). Hinzu kommen Toptalente wie der Verteidiger Nikola Milenkovic (AC Florenz/I) und Stürmer Luka Jovic (Real Madrid/ESP). Letztgenannter wechselte im Juli für rund 60 Millionen Euro von Eintracht Frankfurt zu den „Königlichen“. Angeführt wird das Team des Weltranglisten-35. von den Routiniers Aleksandar Kolarov (AS Rom/I) und Nemaja Matic (Manchester United/ENG).

Zu den torgefährlichsten Stürmern Europas gehört seit einem Jahr Dusan Tadic, der mit Ajax Amsterdam ins Halbfinale der Champions League stürmte (38 Tore und 24 Vorlagen in 56 Spielen der Saison 2018/19).

Nach den ersten vier Spielen in der Gruppe B der EM-Qualifikation stehen die Chancen auf eine Teilnahme der Serben an der EM aber wieder einmal schlecht. Mit vier Punkten steht die Tumbakovic-Elf auf Platz vier.

Das Aufgebot

Tor: Marko Dmitrovic (SD Eibar/ESP), Predrag Rajkovic (Stade Reims/F), Boris Radunovic (Hellas Verona/I)

Abwehr: Nikola Milenkovic (AC Florenz/I), Nikola Maksimovic (SSC Neapel/I), Matija Nastasic (Schalke 04/D), Aleksandar Kolarov (AS Rom/I), Antonio Rukavina (FK Astana/KAZ), Filip Mladenovic (Lechia Gdansk/POL), Uros Spajic (FK Krasnodar/RUS)

Mittelfeld: Sergej Milinkovic-Savic (Lazio Rom/I), Nemaja Matic (Manchester United/ENG), Luka Milivojevic (Crystal Palace/ENG), Darko Lazovic (Hellas Verona/I), Adem Ljajic (Besiktas Istanbul/TR), Marko Gobeljic (Roter Stern Belgrad), Filip Kostic (Eintracht Frankfurt/D)

Angriff: Aleksandar Katai (Chicago Fire/USA), Dusan Tadic (Ajax Amsterdam/NL), Aleksandar Mitrovic (FC Fulham/ENG), Nemanja Radonjic (Olympique Marseille/F), Sasa Lukic (FC Turin/I)

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