Der Leerstand bei Geschäften im Escher Zentrum nimmt augenscheinlich weiter zu. Am ehemaligen „Scholesch Eck“, der 2011 einem Brand zum Opfer fiel, soll nun ein Prestigeprojekt entstehen. Die Stadt Esch will derweil das Stadtzentrum mit der Beteiligung der Bürger wieder aufwerten.

Rund 25 der insgesamt 125 Ladenflächen in der Escher Alzettestraße stehen zurzeit leer. Das ist ein Anteil von 20 Prozent. Noch höher ist das Verhältnis in den Nebenstraßen. Dort fällt es weniger auf, weil viele Geschäftslokale kurzerhand in eine Wohnung umgewandelt werden, indem die Schaufenster mit Vorhängen bekleidet oder zugemauert werden.

Manche der Geschäftsräume sind schon seit längerer Zeit nicht besetzt. Sie sind in einem schlechten Zustand und die Besitzer investieren nichts, um sie wiederherzurichten. Diese Praxis ist Teil dessen, was gemeinhin als Immobilienspekulation bezeichnet wird. Häuser werden aufgekauft und später wieder gewinnbringend verkauft oder vermietet. Da die Preise kontinuierlich steigen und die Zinsen niedrig sind, besteht keine Eile. Im „Pacte logement“-Gesetz sind mehrere Maßnahmen zur Bekämpfung der Spekulation vorgesehen. Doch diese werden von den Gemeinden nicht angewandt.

Als Grund für den Leerstand werden häufig die hohen Mietpreise genannt. Manche Hausbesitzer wollen offenbar nicht mit sich reden lassen, um die Mieten zu senken. Verglichen mit der Hauptstadt sind die Preise in Esch zwar noch recht günstig. Doch in der Stadt Luxemburg ist die potenzielle Kundschaft zahlreicher und zahlungskräftiger.

Hoffen auf 2022

Esch liegt seit der Stahlkrise im Dornröschenschlaf. „Wir sind keine Arbeiterstadt mehr“, hatte der Escher Bürgermeister Georges Mischo unlängst in einem Tageblatt-Interview behauptet. Doch die Zahlen sprechen eine andere Sprache. Das mediane Einkommen in der Minettemetropole liegt unter dem Landesdurchschnitt. Mit rund 13 Prozent hat Esch eine der höchsten Arbeitslosenquoten in Luxemburg. Auch die Zahl der RMG-Empfänger ist überdurchschnittlich hoch. Insofern ist die Stadt noch immer stark proletarisch geprägt.

Die Uni hat bisher nicht den erhofften wirtschaftlichen Aufschwung gebracht. Die Hoffnungen ruhen nun auf der Europäischen Kulturhauptstadt 2022. Die Veranstaltung könnte dabei helfen, das Image von Esch aufzupolieren. Auch die Konvertierung der Industriebrachen Esch-Schifflingen und Terre-Rouge sowie die Vollendung von Belval könnten Esch nachhaltig verändern. „Lentille“ und „Crassier Terre-Rouge“ wurden von der Regierung in den „Plan sectoriel logement“ aufgenommen. Künftig gilt dort ein Vorkaufsrecht für die öffentliche Hand.

Staat und Gemeinde müssen aber darauf achten, dass bei neuen Immobilienprojekten nicht nur teure Luxuswohnungen und Geschäftsräume für Handelsketten entstehen. Das Risiko, das eine solche Entwicklung bergen würde, nennt sich Gentrifizierung. Sie würde dafür sorgen, dass die Kauf- und Mietpreise innerhalb kurzer Zeit explodieren und die weniger zahlungskräftigen Haushalte vertrieben werden. Noch ist Esch von einer solchen Entwicklung weniger betroffen als die Hauptstadt und ihre Umgebung. Doch wenn die Öffentlichkeit den nach Renditen und Profiten strebenden Privatinvestoren das Feld kampflos überlässt, könnte sich die Lage bald ändern.

Ein Juwel mitten im Escher Zentrum ist das „Monopol“-Erbe. Die beiden Gebäude in der avenue de la Gare und in der rue de l’Alzette wurden nach Auflösung des Familienunternehmens im Jahr 2005 an die niederländische Investment-Gruppe Breevast verkauft. Lange Zeit passierte nichts, bis Breevast sich vor drei Jahren aus finanziellen Gründen zurückzog. Das große „Monopol“-Gebäude in der avenue de la Gare übernahm der Promoteur Patrick Majeres. Sein Bauprojekt sollte in den kommenden Monaten fertiggestellt werden.

„Alter Bekannter“

Das „Monopol“-Gebäude in der Alzettestraße, in Esch unter dem Namen „Scholesch Eck“ bekannt, fiel im Februar 2011 einem Großbrand zum Opfer. Ein Obdachloser hatte im Gemischtwarenladen im Erdgeschoss Feuer gelegt. Um den durch den Brand entstandenen „Schandfleck“ vor den Kunden der Einkaufsstraße zu verstecken, hatte die Gemeinde Sichtschutzelemente aufgestellt. Auch diese Immobilie stieß Breevast 2015 ab und fand mit der Firma AW Capital s.à r.l. der Gebrüder Akdime und Wajsbrot einen Abnehmer.

Mitte 2017 wurde AW Capital samt seiner Besitztümer von der Firma GCG SA übernommen und ging in den Besitz des „Greenfinch Global Invest Fund, S.C.A., SICAV-FIS“ über. Dieser Spezialfonds speist sich aus einem Firmengeflecht, in dem vor allem der Name Kindy Fritsch immer wieder auftaucht.

Fritsch ist laut Angaben von Greenfinch der Enkel des Cactus-Gründers Paul Leesch, Anteilseigner der Cactus-Gruppe und Administrator der Ikodomos-Holding von Eric Lux, die die neuen Viertel Arboria in Differdingen und Floréa in Schifflingen gebaut hat. Laut Tageblatt-Informationen war Ikodomos auch für die Umgestaltung des seit über 40 Jahren brachliegenden ArcelorMittal-Geländes „Lentille Terre-Rouge“ im Gespräch. Ob dieses Projekt nach der Aufnahme des „Terre-Rouge“-Geländes in den „Plan sectoriel logement“ immer noch umgesetzt werden kann, ist jedoch unklar.

Die „Muart-Hal“ am Boulevard Kennedy hatte nur wenige Monate geöffnet. Seit drei Jahren steht die Halle nun schon leer.

Den Eschern dürfte Kindy Fritsch bislang vor allem als Investor der „Muart-Hal“ am Boulevard Kennedy ein Begriff sein. Das Projekt scheiterte und steht nun seit drei Jahren leer. Neben der „Muart-Hal“ gehört auch das ehemalige Restaurant mit Freibad und großer Liegewiese auf „Gantebeensmillen“ in der Gemeinde Hesperingen zur „Pipeline“ des Greenfinch-Fonds.

Nachdem Greenfinch das „Scholesch Eck“ im Herbst 2017 übernommen hat, haben Mitte April dieses Jahres die Abrissarbeiten in der Brandruine begonnen. Die Sichtschutzplatten wurden entfernt und legen den Blick auf das ganze Ausmaß der vom Feuer hinterlassenen Zerstörung frei. Die Arbeiten gehen aber bislang nur äußerst zaghaft voran. Die vor acht Monaten angebrachte Werbetafel an der Hausfront verweist auf die Immobilienagentur Calteux, bei der man die Wohnungen exklusiv erwerben könne. Auf deren Internetseite findet sich bislang jedoch noch kein Eintrag zum „Scholesch Eck“.

„Letzte Diskussionen“

Man sei noch in „letzten Diskussionen“ mit dem Bauherrn, erklärte Bürgermeister Georges Mischo auf Nachfrage. Worüber noch diskutiert werden muss, sagte er aber nicht. Tageblatt-Informationen zufolge will die Gemeinde, dass die soziale Vermischung bei dem neuen Bauprojekt gewährleistet bleibt.

Die Baugenehmigung vom 26. Juli 2016 wurde noch von der vorigen Bürgermeisterin Vera Spautz um zwei Jahre verlängert. 27 Monate sollen die Arbeiten dauern. Ob die historische Fassade des Gebäudes erhalten werden kann, ist weiter unklar. Die Pläne des Architektenbüros Jim Clemes sehen dies jedenfalls nicht vor. Laut Baugenehmigung sollen zwei Geschäftslokale im Erdgeschoss, fünf Büroräume für Freiberufler und 21 Wohneinheiten in den oberen Stockwerken im (noch) aktuellen Projekt entstehen.

Zur Wiederbelebung des Stadtzentrums hat die Escher Gemeinde kürzlich die partizipative „Meng Wënsch“-Kampagne ins Leben gerufen. Dort können die Bürger einen Fragebogen zu bestimmten Themen wie Sauberkeit, Sicherheit, Verkehr, Parken und Barrierefreiheit, aber auch zu den Bereichen Wohnen, Handel und Dienstleistungen ausfüllen sowie Verbesserungsvorschläge einreichen. Diese Aktion soll in die künftige Gestaltung des Escher Stadtzentrums einfließen.

Doch um den Leerstand effizient zu bekämpfen, wird immer häufiger die Forderung laut, die Gemeinde müsse Geschäftslokale aufkaufen, um sie zu erschwinglichen Preisen an Ladenbesitzer weiterzuvermieten.

3 Kommentare

  1. Das Problem in der Escher Geschäftswelt ist einfach zu erklären, die meisten Mietobjekte gehören alteingesessenen Familien und die wollen oft nicht verkaufen oder Investieren, wenn sie dann gestorben sind geht der Ärger erst richtig los da in vielen Fällen Erbengemeinschaften sind wo der eine den anderen nichts gönnt oder zugesteht, das war in dem alten Gebäude der Sparkasse ( Zone Pieton ) son und ist auch bei vielen anderen Gebäuden so.
    Weiterhin werden Investoren auch durch die Geschäftspolitik der Echer Gemeinde abgeschreckt und gehen lieber in die Randgebiete.
    UNI Belval sollte einen Aufschwung bringen das ich nicht lache Lydia Mutsch und Vera Spautz haben doch alles dafür getan Belval aus – und aufzubauen kommerziell und Wohnungsmäßig, wenn die Studenten und die neuen Mieter im diesem Quartier doch alle vor der Nase haben warum sollten sie dann nach Esch City kommen auch die Rammericher gehen nach Belval, denn in Esch City gibt es keine Parkplätze man baut zwar Parkhäuser die Stellflächen werden dann aber zu 60 – 70 % an Privatleute verkauft und sollte man zufällig einen Parkplatz erwischen steht schon ein Agent Municipal hinter der Ecke um einen zu Peschen. Die Escher Gemeinde macht alles um Investoren und potente Kunden zu vergraulen aber dinge die wichtig sind verschwinden in der Schublade.
    Vielleicht sollte der Bürgermeister mit seinen Schöffen mal die Gemeindepolitik einer Verjüngungskur unterziehen und mehr fortschrittlich und Zukunftsorientiert denken und sich nicht über so Dummheiten wie ein Sportmuseum in Lallange den Kopf zu zerbrechen wir haben schon genug Denkmäler von Ex – Bürgermeistern.

  2. MMh…weivill Intereesenkonflikt ass dann do – wann een alles sou liest – matt deenen verschiddenen Bau Projet’en hei am Land an mamm Grupp Cactus. Irgendwei hun ech daat Gefill datt den Cactus Grupp bal hei am Land machen kann watt en wellt…wann een sou kuckt an gewuer gett wou hier Familjenmemberen d’Fanger iwerall am Spill hun….Och wann een mol alleguerten dei Cactus Geschäfter, Cactus Marché’en, Cactus Shoppy’en op den Tankstellen an iwwerall…zesummenzielen géif…wéi ass t dann matt der Monopolstellung vum Cactusgrupp hei am Land…..?

  3. Wei wir et dann e mol mat Menschlechen Parkpreiser. Do geht et schon un das d’Leit leiwer an en Cora oder Cactus akaafen ell do gin et genuch an gratis Parkplaatzen . An mei Pattrullen dei mol dofir suergen das een mei secher an ouni belästegung vun den sellegen Hecherten aus den noen Ausland.

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