Der Politologe Armand Clesse, langjähriger Direktor des „Institut d’études européennes et internationales“, musste am Montag einer direkten Vorladung ins Diekircher Bezirksgericht Folge leisten, weil ihm zwei Waidmänner – darunter der frühere Pressesprecher der Jagdföderation Marc Glesener – vorwerfen, in der Sendung RTL Background vom 23. Februar 2019 alle Jäger als vorsätzliche Mörder bezeichnet und sich damit der Verleumdung an der ganzen Zunft schuldig gemacht zu haben.

Von unserem Korrespondenten Carlo Kass

In der vom Gerichtsvollzieher überbrachten Vorladung werden dem 69-jährigen Clesse weitere Sätze vorgeworfen wie „D’Juegd ass Doutmaachen, et ass Mord, well et ass geplangt. (…) D’Jeeër si Barbaren. (…) D’Juegd, dat ass d’Loscht, dout ze maachen!“ Außerdem soll er die Jäger unter dem Sammelbegriff Mensch mit dem bestialischen Vorgehen in Auschwitz verglichen haben. Ähnliche Aussagen soll er auch bei anderen Gelegenheiten getätigt haben, und zwar im Dezember 2013 und im November 2014.
Doch auch in Videos auf YouTube nutzt er jede Gelegenheit, um die Jäger über die Klinge springen zu lassen. Dazu werden ihm ausfallende Sätze vorgeworfen wie „E Jeeër ass eigentlech e Mënsch, dee psychesch amstand ass, grad esou gutt e sougenannte Mënsch wéi e sougenannt Déier ëmzebréngen. (…) De moderne Jeeër, de Fräizäitjeeër zemools, ass e renge Lusstäter, jo e Lusttöter.“

Waffen: Tod als Prämisse

Damit wäre die Absicht des Beschuldigten belegt, den Jägern schaden zu wollen, so die beiden Kläger, die in der Hauptsache jeweils einen moralischen Schadenersatz von 2.500 Euro fordern. Am Montag nun wurden dem anwesenden Armand Clesse und dessen Anwalt Daniel Baulisch vom Vertreter der Staatsanwaltschaft, Goerges Sinner, mehrere Daten nach den Sommerferien angeboten, um die eintägige Hauptverhandlung anzusetzen. Am Rande der gestrigen Fixationssitzung haben wir mit dem Beschuldigten gesprochen.

Er machte keinen Hehl daraus, Anarchist zu sein und keineswegs die Jäger exklusiv aufs Korn genommen zu haben. Er spreche vom Menschen, dem Homo erectus, der seine natürlichen Waffen wie Zähne und Fäuste, um nur diese zu nennen, technisch optimierte. Und in der Tat kann man mit einem Messer Brot schneiden, man kann aber auch einen Menschen damit umbringen. Die eigentlichen Waffen werden jedoch zum Töten hergestellt.

Er hoffe sehr, diesen von ihm nicht gewollten, aber für die Meinungs- und Redefreiheit paradigmatischen Prozess bis zum Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) in Straßburg führen zu können. Und spätestens dann könnte sich die Frage stellen, wie ausgerechnet ein Unternehmens- und Politikerberater wie Marc Glesener in eine solche Medienfalle tappen konnte!? Wir werden diesem Prozess jedenfalls besondere Aufmerksamkeit widmen.

19 Kommentare

    • Damit habe ich diese Zunft gemeint, nicht Herrn Clesse wohlgemerkt, denn SIE rechtfertigen sich andauernd (geschieht alles nur aus purer Nächstenliebe zu ihren Mitmenschen, sonst würden wir womöglich Rotkäppchens Schicksal erleiden, doch die Jagdgegner wollen das partout nicht einsehen – na sowas!

  1. Jedes Jahr zur Treibjagd-Zeit fielen die Jäger in dem Stall ein, in dem mein Pferd früher stand.
    Da wurden 4×4 rowdie-mässig kreuz-und-quer geparkt, die Damentoiletten (von Männern) verpisst und die Jagdbeute ungeniert vor den pflanzenfressenden Pferden ausgeweidet. Der Gestank war selbst für Menschen bestialisch, welche Panik das beim Fluchttier Pferd ausgelöst hat vermag man kaum erahnen.
    Von Empathie für die Mitgeschöpfe keine Spur!!! Da ist es selbst für die Barbaren eine Beleidigung, mit diesen Jägern in einen Topf geworfen zu werden

  2. Seit Äonen geht der Homo Sapiens und vorher schon Erectus&Co auf die Jagd. Natürlich war diese Jagd geplant,denn sonst wären unsere Vorfahren verhungert,resp. hätten sich weiter von Grünzeug ernährt und wir säßen heute noch auf den Bäumen. Das hätte sicher nicht nur Nachteile gebracht,hauptsächlich für die Natur.Aber damals ging es um Überleben.Heute geht es um Spaß am Schießen resp. Töten. Wie stolz kann man sein wenn man einen Keilerkopf oder ein Hirschgeweih an der Mauer hängen hat? Und wenn man dann auch noch die Heldentat selber erzählen kann,(“Ich hatte ihm den Unterkiefer weggeschossen und musste ihm noch zwei Tage nachstellen .”((Originalzitat eines Jägers))) da geht einem doch die Brust auf.
    Und übrigens: Beleidigt ist man nur wenn was an der Sache dran ist.

  3. Die Diskussion für oder gegen die Jagd wird wohl immer geprägt bleiben von Intoleranz, Vorurteilen, Engstirnigkeit oder gar Hass. Schuld daran sind auf Jägerseite die schwarzen Schafe die wie oben bemerkt in ihrer Stammkneipe mit Horrorgeschichten ihre Männlichkeit beweisen wollen und somit bei der öffentlichen Meinungsbildung großen Schaden anrichten. Wer mit offenen Augen durch die Natur geht, der wird feststellen, wie viel Schaden die Massen an Wildschweinen in der Landwirtschaft anrichten und müsste logischerweise auch mit der Bejagung nach festen Regeln und Verantwortungsbewusstsein einverstanden sein. Die Jagdgegner verstehen es sehr gut der Realität aus dem Weg zu gehen indem sie mit Vehemenz auf die Tränendrüsen drücken und somit in der Öffentlichkeit punkten. Dabei vergessen sie dass die Gattung Mensch halt im allgemeinen immer noch ein fleischfressendes Raubtier ist. Wem würde es wohl einfallen einen Schlachthausarbeiter, Metzger oder Landwirt wegen seiner Tätigkeit auf offener Straße oder in den Medien anzupöbeln oder gar als Mörder zu bezeichnen. Es ist doch pure Hypokrisie mit Genuss an den Lenden eines 14 Tage alten Lämmchens herum zu knabbern und gleichzeitig über die Jäger herzuziehen die letztendlich nichts anderes tun als uns ebenfalls mit Fleisch zu versorgen. Als Tier würde ich viel lieber mein Leben in freier Natur verbringen und eines Tages durch eine Flintenkugel sterben als mein ganzes “Leben” in einer Fleischfabrik zu verbringen ohne je eine grüne Wiese oder die Sonne gesehen zu haben. Gelle, man kann auch so auf die Tränendrüse drücken. Aber wer möchte sich schon mit solchen unangenehmen Gedanken den Sonntagsbraten vermiesen wollen. Dem kleinen Ferkelchen dessen Hinterschinken vor mir auf dem Teller liegt, habe ich nie in die lieblichen Knopfaugen geschaut, auch mit seinem Blut musste ich mich nicht besudeln und da es jetzt sowieso tot ist, kann ich es mit ruhigem Gewissen verspeisen. Im Leben ist alles Ansichtssache. Um Meinungen auszutauschen sind Toleranz und Fainess erfordert statt sich blindem Fanatismus hinzugeben.

    • ” Als Tier würde ich viel lieber mein Leben in freier Natur verbringen und eines Tages durch eine Flintenkugel sterben”
      Und wie viel Wild stirbt durch eine (einzige) Kugel? Ich kannte halbblinde Tattergreise, die sich das “Vergnügen” am Ballern immer noch nicht nehmen ließen und dann grölend gefeiert wurden, falls sie mal einen Zufallstreffer landeten. Verletzte Tiere aus ihrer Flinte spielten da keine Rolle. Ich habe Fotos gesehen, wo Füchse aufgereiht nebeneinander lagen – den Fang dekoriert mit Zweigen (noch im Tod auf ganz primitive Weise lächerlich gemacht), die wackeren Grünröcke dahinter lachend im Halbkreis! Wer da mit lachen kann ist entweder beschränkt oder verroht – Punkt

  4. Jedermann darf die Jagd als überflüssig bezeichnen und von denjenigen, die sie betreiben halten, was er will. Wir sind schliesslich allesamt freie Bürger eines freien Landes. Wer also für sich den “Doppeldenk”-Trick schafft, einerseits die Annehmlichkeiten einer naturverbrauchenden Gesellschaft zu geniessen und andererseits manche sorgfältig herausgepickte Aspekte dieser Naturnutzung als “barbarisch” zu verdammen, dem sei dies unbenommen. Wer aber andere Leute öffentlich beleidigt, muss mit Konsequenzen rechnen. Vegane Hypermoral und dauer-erhobener Zeigefinger entbinden einen nicht von Anstand, Manieren und Gesetz. Willkommen in der ach-so-unveganen Realität, Herr Clesse.

    • Ihre letzten Sätze an die Adresse von Herrn Clesse, zeugen auch nicht gerade von Anstand und Respekt und widersprechen Ihrem Einleitungssatz. Was verstehen Sie übrigens unter einer ” naturverbrauchenden ” Gesellschaft? Zählt etwa die Jagd, z.B. die Treibjagd, zu den erwähnten Annehmlichkeiten? Und wer sind im Endeffekt die Nutzniesser einer solchen ” Naturnutzung “? Nicht alle Veganer sind Hypermoralisten genauso wie nicht alle Fleischesser Barbaren sind. Also leben und leben lassen! Ein Mehran Toleranz täte uns allen gut. Man sollte darauf achten, dass der dauernd erhobene Zeigefinger einem nicht selbst gehört.Es ist immer suspekt andere belehren zu wollen.

      • “Es ist immer suspekt andere belehren zu wollen.” Nö, finde ich nicht. Insbesondere wenn dieser “andere” dermassen neben der Spur ist, dass es quietscht. Zu Ihrer Frage: Welche Annehmlichkeiten Veganer geniessen? Fragen Sie doch lieber, welche Aspekte unserer menschlichen Gesellschaft nicht direkt oder indirekt auf Kosten von Tieren und/oder Pflanzen gehen. Es geht ja nicht nur um die Frage oder jemand sein Leben lang Fleisch oder während 6 Monaten in seiner pubertären Revoluzzerzeit nur Tofubuletten isst. Der Mensch wohnt, arbeitet, konsumiert, kommuniziert, reist, geniesst und isst andauernd “unvegan”, egal wie hoch seine moralischen Ansprüche an sich selbst oder sein Umfeld sein mögen. Man kann diesen Umstand – wie Herrn Clesse – dadurch bewältigen wollen, dass man das eigene Elend ausblendet und den Rest der Welt um so lauter als “barbarisch” schmäht. Wobei Herr Clesse gerissen genug ist, sich mit der Jagd einen Bereich unserer unveganen “Conditio humana” ausgesucht zu haben, dessen Notwendigkeit sich in unserer zunehmend urban geprägten Welt vielen Leuten nicht mehr erschliesst. Oder man findet sich mit ein paar unabänderlichen Tatsachen des Lebens ab. Etwa dass veganes Essen weder jedem schmeckt noch für jeden bekömmlich ist und Schuhe aus Plastik (Leder ist ja unvegan) bei den aktuellen Temperaturen nun wirklich niemandem anzuraten sind. Oder dass Wildschweine und Rehe in unserer vom Menschen gestalteten “Natur” nun einmal keine Fressfeinde mehr haben und deshalb bejagt werden müssen, wenn wir Land- und Forstwirtschaft nicht einstellen möchten.

        • Möchte klarstellen, dass ich weder Vegetarier noch Veganer oder sonst ein Fundamentalist bin. Bin auch kein Anhänger der Jagd ohne sie deshalb zu verdammen. Lebe nach dem Motto ” leben und leben lassen “, jeder nach seiner Façon wenn er dabei niemandem schadet. Grosses Getöne überlasse ich liebend gern den Allesbesserwissern.

  5. Zwei von “titi” deutlich gestellte Fragen, die mit einer wortreichen Litanei NICHT beantwortet wurden! Sehe irgendwie den Sinn darin nicht, oder war es nur Frust, eine Zurechtweisung kassiert zu haben? Betonung liegt auf zu Recht, denn anschließend noch “eigenes Elend” zu unterstellen nennt man wie?

    • @Leila: Verärgert weil mit Ihnen keiner spielen will? Sich verteidigen zu wollen gegen Beleidigungen, Anschuldigungen oder Unterstellungen ist laut Ihrer Logik (siehe Ihr posting vom 25.6.) ja ohnehin stets nur eine Selbstanklage. Was soll’s also?

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