Die Gläser mit den Punkten sind zu einem Teil der luxemburgischen (Ess-)Kultur geworden. Wohl kaum ein Haushalt hat sie nicht. Etliche Senfgläser wurden gekauft, weil die Kinder ein Glas mit Punkten in einer bestimmten Farbe wollten. Produziert wurden diese bis 1986 im Pfaffenthal. Heute ist der Ort ein Museum.

Es ist beeindruckender Einstieg in die Geschichte dieser ehemaligen Produktionsstätte: Gleich neben dem Eingang erwartet den Besucher ein Wasserrad mit einem Durchmesser von 4,20 Metern und 24 Schaufeln, deren Kraft die Mahlsteine der „Muerbelsmillen“ antrieb. Es war eine Technik, die wie gemacht war für ein Land, in dem es viele Flussläufe gibt. 1876 soll es offiziellen Zahlen zufolge 230 Wassermühlen in Luxemburg gegeben haben. An der Alzette ließen sich noch andere Menschen mit Berufsgruppen nieder, die ans Wasser gebunden waren, wie z.B. Brauer in Clausen.

Der Senf der „Moutarderie de Luxembourg“ wurde von 1922 bis 1987 im Zentrum der Hauptstadt produziert. Die Mühle und die Straße, in der sie sich befindet, wurden nach einer schwarzen Felswand in unmittelbarer Nähe benannt.

Ist die Mühle mehr als 1000 Jahre alt?

Es wird vermutet, dass die Mühle aus dem 8. Jahrhundert stammt. Zum ersten Mal schriftlich erwähnt wurde sie jedoch erst im Jahre 1083 in einer Stiftungsurkunde an die Abtei Münster, die im selben Jahr gegründet wurde. Der Name „Mohrfels“ findet sich erstmals 1501 in einem Dokument bezüglich eines Rechtsstreits.

In ihrer Geschichte wurde die Mühle mehrmals ganz oder teilweise zerstört und wieder aufgebaut. So beispielsweise auch, als im Jahre 1760 der angrenzende Stall mitsamt Scheune in Brand gesetzt wurde. Die Schuldigen wurden daraufhin (bei lebendigem Leibe) auf dem Scheiterhaufen verbrannt.

Bis 1919 wurde in der „Muerbelsmillen“ das hergestellt, was in den meisten Mühlen produziert wird: nämlich Mehl. Die beiden letzten Müller, die das dort taten, waren Nicolas Antoine Kieffer und Nicolas Joachim. 1922 verkauften sie die Mühle an Karl Hartmann-Sendlein, der die Produktion auf Senf umstellte. Die Anlagen, die er vorfand – vor allem das wichtigste Produktionsmittel eines solchen Ortes, die Mühlsteine – eigneten sich ebenfalls hervorragend dafür, Senfkörner zu mahlen.

450 Tonnen Senf pro Jahr

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Hartmann-Sendlein als Deutscher enteignet und die Mühle wurde fortan von einer luxemburgischen Gesellschaft verwaltet. 1953 wurde die Stätte an das danebenliegende Hospiz verkauft. 1976 übernahm die Firma Munhowen den Betrieb und verdoppelte sogleich die Produktion auf jährlich 450 Tonnen Senf. 1987 wurde die Mühle stillgelegt; die Firma verlagerte die Produktion auf den Howald. Im selben Jahr wurde das Anwesen unter Denkmalschutz gestellt. Die „Muerbelsmillen“ war bis zur ihrer Schließung die letzte noch funktionierende Mühle auf dem Gebiet der Stadt Luxemburg.

Muerbelsmillen

Öffnungszeiten: samstags und sonntags 14 bis 18 Uhr

Adresse: 69, rue Mohrfels, L-2158 Luxemburg

2009 stellte die Initiative „Waasser op ons Millen“ der Stadt Luxemburg einen Plan vor, wie die alte Mühle wieder nutzbar gemacht werden könnte. 2010 kaufte die Stadt Luxemburg die „Muerbelsmillen“ mit den danebenliegenden Gebäuden. Nach den Restaurierungsarbeiten, die 2017 abgeschlossen wurden, befinden sich nun dort ein Museum, 13 Studentwohnungen sowie einige Räume für die lokale Interessenvertretung Pfaffenthal-Siechenhof.

Das Museum ist sehr didaktischer Natur. Der Besucher wird nicht nur über die Geschichte des Ortes informiert, sondern auch über die Bereiche Mühlenwesen, Ernährung, Handwerk, Wasser und Wasserkraft, was den Ort ideal für Schülerbesuche macht. Im ersten Stockwerk kann man die restaurierte Technik sowie die Mahlsteine mit den Treibriemen bewundern. Zudem gibt es einen etwa zehnminütigen Film, in dem der letzte Müller der Mühle, René Flohr, die Arbeitsgänge und die Funktion der Technik zeigt.

Sollten Sie an einem Besuch der „Moschterfabrik“ interessiert sein, sollten Sie wissen, dass sie nur samstags und sonntags für Besucher geöffnet ist.

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