Die unbezahlten Rechnungen häufen sich, in der Partnerschaft klemmt es, der Alkohol enthemmt, der Entzug spannt die Nerven und das Baby will nicht aufhören zu schreien. Kurzschluss, rasende Wut: das Kleinkind wird geschüttelt, bis es Ruhe gibt. Oft mit dem Resultat bleibender Schäden, manchmal mit tödlichen Folgen …

Dr. Roland Seligmann, jahrzehntelang die Notorietät in Sachen pädiatrischem und sozialpädiatrischem Background im Lande und Präsident der Alupse (“Association luxembourgeoise de pédiatrie sociale”), konnte am Mittwoch im Kreis seiner Mitarbeiter darauf verweisen, dass im Vorjahr (im Gegensatz zu den Jahren davor) kein einziger Fall eines dieser Schütteltraumata von Kleinkindern in Luxemburg festgestellt werden musste.

Pionierarbeit

Dies sei wohl auch ein Verdienst der Arbeit der Vereinigung, die sich als Pionier der proaktiven Arbeit im schwierigen Bereich der Prophylaxe von Missbrauch, Vernachlässigung und Gewalt gegen Kinder sieht und dies auch ist. Zwei Jahre nach Abschluss einer Konvention mit den vier großen Spitalzentren des Landes und dem Nationallaboratorium legten Gesundheitsministerin Lydia Mutsch und Alupse am Mittwoch eine erste Bilanz dieser offizialisierten Zusammenarbeit vor, die es der Vereinigung erlaubte, ihre Arbeitsweise auf ein nationales Aktionsmodell auszudehnen und so qualitativ und quantitativ effizienter zu sein.

Dank der engen Zusammenarbeit mit Gynäkologen, Kinderärzten, Psychiatern, Hebammen, Sozialarbeitern aus den Krankenhäusern mit Geburtsstationen können sozial schwierige Elternschaften bereits im Vorfeld der Geburt (aber auch danach) identifiziert werden und entsprechende Lösungen bzw. auffangende Maßnahmen im Interesse der Kinder, im Team, gesucht werden.

Aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse, so Dr. Seligmann, würden belegen, dass Vernachlässigung, Missbrauch oder Misshandlung von Babys Einfluss auf die genetische Entwicklung des Kindes haben können. Die Arbeit der Alupse, deren Maßnahmen im Interesse der Kinder immer im Einverständnis mit der Familie geschehen, darf somit als Entschärfung sozialer Minen, als sozialmedizinische Investition in die Zukunft gesehen werden.

313 betreute Eltern

Es erscheint somit nur normal und richtig, dass der Staat diese Arbeit, die vom Gaspericher Sitz der Vereinigung aus koordiniert wird, unterstützt.

Dies werde auch weiterhin geschehen, so die zuständige Ministerin Lydia Mutsch, die am Mittwoch darauf verwies, dass die Problematik von Missbrauch, Vernachlässigung und Gewalt im Zusammenhang mit Kindern nicht an sozialen Schichten oder Alterskategorien der Eltern festzumachen sei.

Im Jahr 2017 konnten insgesamt 313 künftige Mütter und Väter durch die Alupse betreut werden; dies sind etwa 5 Prozent der frischen Eltern in einem Jahr. Allein diese Zahl verdeutlicht die Notwendigkeit der geleisteten Arbeit.

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