Zwischen „wollen“ und „dürfen“ liegen Welten: Wenn es in Luxemburg an adäquatem Personal fehlt

Zwischen „wollen“ und „dürfen“ liegen Welten: Wenn es in Luxemburg an adäquatem Personal fehlt

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Mit einem Video in einem sozialen Netzwerk hat eine Restaurantbesitzerin aus Grosbous dieser Tage auf ein Problem aufmerksam gemacht, das sie seit nunmehr vier Jahren zu lösen versucht. Wir besuchten Athenais Altamuro am Montagmorgen in ihrem Restaurant.

„Ich möchte gleich vorweg sagen, dass ich kein Einzelfall bin. Viele Kollegen und Kolleginnen aus der Gastronomie, aber auch aus anderen handwerklichen Berufen kennen das gleiche Problem und versuchen seit längerer Zeit, sich dagegen zur Wehr zu setzen. Doch alle Bemühungen waren bis dato vergebens“, so Athenais Altamuro, die zusammen mit ihrem Mann das Restaurant „Beim Abruzzebier“ in Grosbous führt.

Seit nunmehr vier Jahren ist die Frau auf der Suche nach Personal und schlug dabei immer den vorgeschriebenen Weg ein. Sie meldete die freistehenden Posten beim Arbeitsamt und erhielt daraufhin auch Bewerbungsformulare von Arbeitssuchenden. Über 30 Stück an der Zahl. Doch: Die meisten Bewerber meldeten sich nicht einmal bei ihr.

Kein Interesse in Luxemburg

Nach zehn Tagen des Wartens habe sie dann die auf den jeweiligen Formularen angegebenen Telefonnummern angerufen. Teilweise waren diese Nummern falsch oder es meldete sich überhaupt keiner, und wenn, dann erhielt sie Antworten wie „Grosbous ist mir zu weit“, „Ich möchte am Wochenende nicht arbeiten“, „Ich habe keinen Führerschein“, „Ich habe kein Auto“ usw., usf.

Athenais Altamuro zeigte uns am Montag ein 40-seitiges Dossier, das sie allein in einem Fall zusammengestellt hat. „Ich suche seit Januar ebenfalls einen gelernten Barmann. Das Arbeitsamt konnte mir leider nicht viele Bewerbungen zukommen lassen. Der Zufall wollte, dass der Bruder zweier albanischer Frauen, die beide mit einem Italiener verheiratet sind, in Luxemburg leben und bei mir arbeiten, vor kurzem in Rom sein Diplom als Barmann erhielt. Ich habe ihn kontaktiert und er war sofort bereit, die Stelle in unserem Restaurant anzunehmen.“

Unverständliche Argumente 

Doch dann begann der Papierkrieg zwischen der Restaurantbesitzerin und dem Außenministerium sprich der „Direction de l’immigration“. Als Nicht-EU-Bürger wurde dem Albaner nicht gestattet, in Luxemburg zu arbeiten. In zahlreichen Briefen wurden seitens der genannten Direktion teilweise unverständliche Argumente aufgeführt, warum der junge Mann keine Einstellung bekommen kann oder darf, obschon das Arbeitsamt zertifiziert hatte, dass es zurzeit keinen Arbeitssuchenden in seiner Kartei hat, der für diesen Posten in Frage kommt.

Nachdem Athenais Altamuro und auch ihr Anwalt nun vergeblich alles versucht hatten, machte die Frau Ende letzter Woche mit einem Video auf einem sozialen Netzwerk auf die Problematik aufmerksam. Der Film wurde über 2.000 Mal geteilt, erhielt fast 600 Kommentare und 700 Likes. „Ich bin nun mit meinen Bemühungen am Ende. Wir planen seit geraumer Zeit, unser Restaurant mit 140 Sitzplätzen sowie unsere Terrasse auszubauen, doch das lassen wir jetzt erst einmal sein, denn ohne Personal können wir das nicht stemmen“, so die Frau am Montagmorgen gegenüber dem Tageblatt.

Das Blatt wendet sich

Am Nachmittag meldete sich Athenais Altamuro telefonisch bei uns und gab uns unter Freudentränen zu verstehen, dass sich kurz zuvor das Außenministerium und die „Direction de l’immigration“ bei ihr gemeldet hatten. Zuerst wurde der Restaurantsbesitzerin gesagt, man werde ihr Dossier noch einmal genauestens prüfen, wenig später kam dann die Nachricht, dass der junge Albaner die erforderlichen Papiere in wenigen Tagen erhalten wird und somit seiner Arbeit als Barmann in Grosbous nachgehen kann.

„Ich bin überglücklich. In meinem Fall konnte nun eine Lösung gefunden werden. Dies sollte aber keinesfalls über das anfangs unseres Gesprächs erwähnte Problem hinwegtäuschen. In der Gastronomie und auch in anderen Handwerksberufen gibt es massive Probleme in Sachen Einstellung von adäquatem Personal.“

J.C.KEMP
4. Juni 2019 - 20.53

Do waert jo elo mol en um Ministère dat richteg erklärt krut hun. Gudd esou! Bravo Tageblatt.

René Charles
4. Juni 2019 - 18.22

Firwat soll iergendeen mueres opstoen fir op enger Arbecht just 80 oder mol 180 Euronen méi ze verdengen wéi déi Zomm déi de Staat (also all Steierzueler) him bezuelt fir am Bett leien ze bleiwen ? Sou ongeféier as ët a ville Fäll.

jang_eli
4. Juni 2019 - 16.27

Daat ass dach méi wéi schlëmm. D'Adem schéckt Leit, déi souwisou net passen an anerer déi net schaffe wellen. Wien ass an der Adem zoustänneg fir daat ze kontrolléiren ? An d'direction de l'immigration behëllt sech onméiglech ... wuel bis se matkritt hunn datt den tageblatt Journalist sech der Saach ugeholl huet a färten datt se vun hirem Chef Asselborn eng erausgeschitt kréien ? Oder waat fir een super Zoufall war daat dann datt et op emol geklappt huet. P.S.: bei desem Artikel gesäit een rem wéi wichteg gudde Journalismus vum tageblatt ass. Bravo

Franz Jung
4. Juni 2019 - 14.13

wie wär ett dommader wann där är Leit geigt ordentlech bezuellen ?