Kommentar
Bitte deutlich sprechen
Symbolfoto: dpa/Oliver Berg
Alle 6.000 Bewohner der Luxemburger Pflegeheime sollen auf das Coronavirus getestet werden – und sämtliche Pflegenden noch dazu. Los sollte es mit den Tests noch diese Woche gehen. Diese Meldung war die Nachricht des Tages am Montag. Bei der Euphorie um diese Neuigkeit fielen einige – wichtige – Informationen unter den Tisch.
Zwar wurde mit den Tests am Mittwoch tatsächlich begonnen – aber eben erst in einer Pilotphase. Erst mit den Erfahrungen, die mit Tests in fünf exemplarischen Einrichtungen gemacht wurden, soll ein Fahrplan für den Flächentest in den restlichen 47 Luxemburger Einrichtungen erstellt werden. Die Tests werden sich also über Wochen hinziehen.
Dieser Fall zeigt das „Expertendilemma“ der Medien in der Corona-Krise. Für die Fachleute der Regierung war es offenbar selbstverständlich, dass ein solches Großprojekt erst an ausgewählten Einrichtungen ausprobiert werden muss – für sie beginnt der „Test“ eben mit einer Pilotphase. Und auch die Medien leisteten sich einen Lapsus: 10.000 Menschen sollen getestet werden, los geht es in dieser Woche. Ergo: 10.000 Tests werden in dieser Woche gemacht. Nach dem genauen Fahrplan erkundigte sich offenbar kein Pressevertreter – und niemand der Verantwortlichen erklärte ihn.
So kam es zur eigentlichen Tragik der Geschichte: Pflegeheimbewohner, Pflegepersonal und Angehörige fragten sich, je weiter die Woche voranschritt: Wieso wurde bei uns oder bei unserem Angehörigen noch kein Test gemacht?
Die Regierung und ihre Experten sind die essenziellen Akteure in der Krise und deshalb auch die zentralen Ansprechpartner für die Medien. Bei dem wichtigen Thema „Tests in Pflegeheimen“ (es geht um gleich zwei Corona-Risikogruppen) müssen die Verantwortlichen jetzt deutlich und regelmäßig kommunizieren, wann, wo und wie getestet wird – und wie die Resultate sind.